"Saubere Verhältnisse"

Lokales
Speinshart
14.12.2015
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Meist ist mit dem Betrieb einer eigenen Deponie der Kummer vorprogrammiert. Zu viele Unwägbarkeiten sind mit der Unterhaltung verbunden. Eine gemeindliche Bauschuttdeponie macht nun auch der Gemeinde Speinshart Sorgen. Das Landratsamt hat die Stilllegung angeordnet.

Mehr als 30 Jahre bewährte sich das circa einen Hektar große Gelände nordöstlich des Klosterdorfes als Entsorgungsgebiet für Abfall. Gedacht war das Gelände zur Endlagerung von Bauschutt. Die Gemeinde wollte in Zeiten entstehender zentraler Abfallentsorgungsanlagen ihren Bürgern die Möglichkeit bieten, kostengünstig weiterhin unbelastetes Erd- und Bauschuttmaterial auf kurzem Weg zu entsorgen. Gesetzesänderungen und die damit einhergehende Verschärfung der Deponieverordnung versetzten nun dem Eigenbetrieb den Todesstoß. Jetzt hat die Gemeinde einen Klotz am Bein.

Vorläufig geschlossen ist das Gelände schon seit circa 18 Monaten. In von den Fachbehörden angeordneten Grundwassermessstellen wurden überraschend hohe Nitratwerte festgestellt. Auch von weiteren "Auffälligkeiten" ist die Rede. Bürgermeister Albert Nickl führt diese Belastungen möglicherweise auf abgelagerten Brandschutt zurück. Wegen weiterhin auffälliger Untersuchungsergebnissen des Deponie-Sickerwassers kam für den Gemeinderat die Anordnung zur Stilllegung nicht mehr überraschend.

In der jüngsten Gemeinderatssitzung legte das Ingenieurbüro für Tiefbautechnik Eschenbach ein in Absprache mit dem Landratsamt und dem Wasserwirtschaftsamt erstelltes Schließungskonzept vor. Danach soll auf die Deponiemasse bei einer Endverfüllung eine wasserundurchlässige Deckschicht mit einem Gefälle von fünf Prozent aufgebracht werden. Im Einzelnen nannte Diplom-Ingenieur Hannes Oberndorfer bei der Vorstellung seiner Planungen eine dreilagige Abdeckung einschließlich Verdichtung von circa 70 Zentimetern. Der Planer errechnete für diesen Aufwand mit einer Massenbilanz von etwa 6000 Kubikmetern. Eine Bodenabdichtung ist nicht auf der gesamten Geländefläche notwendig.

Fertig in drei Jahren

Einen Teil des Verdichtungsmaterials erhofft sich der Diplom-Ingenieur mit dem Auftrag von Entladungssedimenten aus der Creußen. Den Bach als Gewässer zweiter Ordnung möchte die Regierung im kommenden Jahr gründlich entschlammen. Zur Verbesserung der Abdichtungsqualität denkt Oberndorfer auch an eine Tonbeimischung aus der Grube am Barbaraberg. Als Endziel sind auf der Deponiefläche eine Ansaat von Landschaftsrasen und die Unterhaltung nach landwirtschaftlichen Kriterien vorgesehen. Vorsorglich wird es auch über einen längeren Zeitraum weitere Beprobungen in den Grundwassermessstellen geben.

Und die können dauern. Bürgermeister Albert Nickl bremste schon einmal die Vorstellung des schnellen Vergessens. "Den Zeitraum kann heute niemand bestimmen und auch nicht die Folgekosten." Jedenfalls rechnet der Bürgermeister mit "vielen sauren Äpfeln".

Langes Verfahren

Doch auch in die müsse gebissen werden, um den folgenden Generationen "saubere Verhältnisse" zu übergeben. Formell sprach sich der Gemeinderat einstimmig für die Einleitung des Stilllegungsverfahrens aus und beauftragte den Bürgermeister, die von den Behörden vorgegebenen Schritte einzuleiten. Planer, Bürgermeister und Gemeinderat rechnen mit dem Abschluss der Sanierung bis in drei Jahren.
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