Sisyphos wird langsam fertig

Es ist eine Sisyphusarbeit. Seit Beginn der Bauarbeiten vor 20 Jahren legt Restauratorin Dagmar Opiola Kunstschätze frei und bringt sie wieder zu altem Glanz. Bild: do
Lokales
Speinshart
01.09.2015
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Noch ist das Kloster Baustelle. Doch das Ende der Sanierung ist abzusehen. Schon jetzt zeigt sich die Abtei als Kristallisationspunkt für Glaube, Begegnung und Kultur in der Mitte Europas. Verstärkt zieht es die Menschen nach Speinshart.

Hinter langen Planen aus bläulichem Kunststoffnetzen verstecken sich die Innenfassaden der Prämonstratenser-Abtei. Mancher Besucher der Sommerkonzerte dachte an Christos Reichstag-Verhüllung. Doch die Stoffbahnen im Innenhof sind vergänglich. An einen Verhüllungsrausch denken weder Auftraggeber noch Bauunternehmen. Das "Kunstwerk" erfüllt praktische Zwecke. Die Netze schützen die Fassadenarbeiten und die Handwerker vor Wetterkapriolen. Bis Ende Oktober hofft Pater Andreas Hamberger, Provisor der Prämonstratenser, sollen Gerüste und Planen verschwinden. Dann werden sich auch die Innenhof-Fassaden, wie die Innen-Fassade der Klosterkirche, in einem neuen Kleid präsentieren.

Die Resultate lassen sich inzwischen sehen: Die meisten Ökonomiegebäude des Klosterdorfs sind saniert, nach 20 Jahren ist das Ende einer langen Sanierungstätigkeit abzusehen. Pater Andreas rechnet mit einem endgültigen Bauende in circa einem Jahr, wenn sich die Arbeiten des Bauabschnittes III mit einem Volumen von 7,5 Millionen Euro dem Ende zuneigen. Dann sind in das Kloster circa 22 Millionen Euro verbaut, bilanziert der Chorherr. Die Kosten der Bauabschnitte beziffert der Ordensmann auf 8,5 Millionen Euro (BA I) und 6 Millionen (Euro (BA II).

Viele Förderer

Hinzu kommt der für eine Begegnungsstätte unverzichtbare Gasthof. Pater Andreas nannte Kosten für den Gastronomiebereich von circa drei Millionen Euro. Eine aufwendige Restaurierung habe auch die Klosterkirche erhalten. Die Weihe des neuen Altars schloss dort die Arbeiten ab. Als Hauptförderer nannte der Seelsorger den Bund, den Freistaat insbesondere mit Denkmalschutz-Geldern, den Bezirk Oberpfalz, Landkreis, Gemeinde und Förderverein. Auch auf private Unterstützer kann sich der Kirchenmann verlassen.

Seit Sanierungsbeginn vor 20 Jahren gehört Dagmar Opiola zur Dauerbaustelle. Die Restauratorin ist begeistert von den Kunstwerken der Abtei. Derzeit legt sie Fragmente aus dem 17. Jahrhundert frei. "Die Kunstwerke sollen ein Fenster in die Geschichte des Klosters öffnen", sagt Opiola. Und auch die Malereien und Deckenbilder faszinieren sie. Nicht anders ergeht es Felix Bobke. Der Steinrestaurateur aus Bamberg ist in Speinshart in seinem Element. Um die Geometrie des Hauses wieder herzustellen, bearbeitet er die Türen- und Fensterleibungen.

Faserbewehrt ist der Roman-Kalt-Putz, den Stuckateure der Firma Ewald Onnen aus Bamberg auf die Außenfassade aufbringen. Der Auftrag der Denkmalschützer lautete, den Putz zu erhalten, erklärt Pater Andreas. "Das klappt", lobt der Pater die Handwerker. Stuckateur Rudolf Seitz verrät: "Das Putzmaterial orientiert sich an alten Materialien mit Flachsbeimischung". Und auch eine einheimische Firma hat einen Spezialauftrag: Der Speinsharter Spenglermeister Bernhard Traßl überdeckt einen Teil der Sandstein-Fensterbänke mit Titanzinkblech. Mit dem Ende der Bauarbeiten im Innenhof rechnet Pater Andreas bis Ende Oktober 2015. Dann kann die Gerüstfirma Schuller aus Ursensollen ihre "Christo-Verkleidung" wieder abbauen.

Doch schon jetzt lockt die wiederentdeckte Faszination des Klosters. Von weit her zieht es die Menschen an. Sie staunen über das historische Klosterdorf und den italienischen Hochbarock in der Klosterkirche oder sie genießen die Atmosphäre bei Seminaren, Tagungen, Musik oder Gesang. Danach ein gemütlicher Ausklang im aufwendig sanierten Klostergasthof.

Nächste Verjüngung

Am 5. September erhält der Konvent den nächsten Verjüngungsschub, Frater Johannes Bosco legt die Ewige Profess ab. Damit wächst der Bedarf für Wohnraum. Nach Fassaden- und Außengestaltung liegt der Schwerpunkt deshalb beim Wohnraum der Chorherren. Bis zu 20 Zimmer mit Nasszellen sollen entstehen, so dass Etagentoiletten und Stockwerks-Duschen Vergangenheit sind. Auf Sanierung warten auch Refektorium, Kapitelsaal und Sakristei. "Da steckt noch viel Arbeit drin", erläuterte Pater Andreas bei einem Rundgang durch den Südflügel. Dort arbeiten Maurer, Fließen- und Fußbodenleger, alles Spezialisten ihrer Zunft, um in der Klosteranlage wieder Pracht und Glanz zu schaffen. (Hintergrund)
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