Spannende Beziehungen zwischen Tepl und Speinshart
Immer ziemlich beste Nachbarn

Kenntnisreich und anschaulich sprach Pfarrer Hans Josef Bösl über die Geschichte der benachbarten Prämonstratenserkonvente Speinshart und Tepl. Bild: bjp
Lokales
Speinshart
24.06.2015
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1921 erwarb die böhmische Prämonstratenserabtei Tepl das ehemalige Kloster Speinshart, um es mit Ordensgeistlichen neu zu besiedeln und so seiner eigentlichen Bestimmung zurückzugeben. Doch die geschichtlichen Parallelen und Berührungspunkte zwischen den beiden Ordenszentren gehen noch weiter. Wie weit, beschrieb Hans Josef Bösl in seinem gut einstündigen Vortrag für die "Internationale Begegnungsstätte".

Spannender Vortrag

Rund 50 Besucher hatten sich im Dientzenhofersaal zu dem spannenden Vortrag des Ruhestandsgeistlichen aus Painten bei Kelheim eingefunden. Anschaulich schilderte er die Geschichte der Klöster Speinshart und Tepl, die beide von Adeligen gestiftet worden seien: Speinshart 1145 von Adelvolk von Reifenberg, Tepl 1193 von dem Gaugrafen Hroznata, der nach dem Tod seiner Frau und seines einzigen Sohnes einen Großteil seines Vermögens für die Klostergründung bestimmt habe. Ihm habe Pater Augustin Hilburger, der am 19. April 1945 beim Einmarsch der Amerikaner ums Leben gekommene Ortsgeistliche für Oberbibrach, ein 188-seitiges Versepos gewidmet: "Dieser Text zeugt von der hohen humanistischen Bildung der Prämonstratenserpatres", merkte Bösl an.

Siedler rücken nach

Im 14. Jahrhundert hätten Seuchen das tschechisch besiedelte Tepler Gebiet entvölkert: "Deutsche Siedler rückten nach, und so wurde auch das tschechische Kloster Tepl ein rein deutscher Konvent." Anders als das 1556 aufgehobene und erst ab 1661 wieder besiedelte Speinshart sei Tepl im 16. und 17. Jahrhundert nicht im Zuge der Reformation aufgelöst worden, sondern als "gegenreformatorisches" Zentrum katholischer Seelsorge in dem von Konfessions-Kämpfen heimgesuchten Westböhmen erhalten geblieben: "Faktisch hatte Tepl damals eine Stellung ähnlich der eines eigenen Bistums." Nach dem 30-jährigen Krieg seien beide Klöster nach Plänen von Mitgliedern der Baumeisterfamilie Dientzenhofer barockisiert worden.

Enge Kontakte

Wegen ihrer geographische Nähe hätten die beiden "Nachbarklöster" Speinshart und Tepl traditionell enge Kontakte gepflegt, wusste Bösl. Im Mittelalter habe Speinshart ebenso wie Tepl zur böhmischen Zirkarie (Ordensprovinz) der Prämonstratenser gehört: "Seine Bindung an Böhmen war damit enger als die an Bayern." 1369 und 1465 hätten die beiden Konvente ihre "brüderlichen" Beziehungen vertraglich geregelt, nach 1459 habe Speinshart zeitweilig bestimmte Aufsichtsrechte gegenüber Tepl ausgeübt.

Auch nach der Wiedergründung des oberpfälzischen Konvents 1661/69 seien erneut enge Kontakte geknüpft worden, die die staatlich erzwungene Auflösung Speinsharts 1803 jäh unterbrochen habe. Am innigsten, so der Referent, habe freilich die "dritte Gründung" des Speinsharter Klosters die beiden Ordensniederlassungen miteinander verbunden. Durch Vermittlung des Münchner Domkapitulars Dr. Michael Hartig habe das Stift Tepl 1921 die von Staat und Pfarrei genutzten Speinsharter Klosterbauten gekauft und wiederbesiedelt: "Hartig wünschte sich, dass der gleiche Orden wieder dort einzieht, dem das Konvent auch vor 1803 gehört hatte."

Begabte Persönlichkeit

1923 ist Pater Gereon Motyka in die Oberpfalz gekommen - "eine markante, vielseitig begabte Persönlichkeit", die 1942 zum Prior von Speinshart und 1945 sogar vorübergehend zum Vizelandrat in Eschenbach berufen worden sei. An sein Wirken erinnerten nicht zuletzt die bis heute funktionstüchtigen Entwässerungsgräben rund um das Kloster.
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