Überraschender Grund für Kauf durch Kloster Tepl: Speinshart als Zufluchtsort
Schon 1921 Furcht vor Vertreibung

Lokales
Speinshart
25.06.2015
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Warum ließ sich das Stift Tepl 1921 auf den Kauf des Speinsharter Klosters ein? Aufzeichnungen des ab 1944 amtierenden Tepler Abts Petrus Möhler gäben überraschenden Aufschluss, verriet Pfarrer Hans Josef Bösl in seinem Vortrag über die Beziehungen zwischen den Klöstern Tepl und Speinshart (wir berichteten): "Sein Vorgänger Gilbert Helmer hatte schon 1921 weitblickend mit einer Vertreibung der Konventualen gerechnet. Speinshart sollte dann Zufluchtsort sein."

Der Neuaufbau von Kloster Speinshart ab 1921 sei freilich dadurch erschwert worden, dass eine tschechoslowakische Bodenreform das ehedem wohlhabende Stift Tepl wirtschaftlich und finanziell geschwächt habe. Zudem habe das Stift Pflichten aus dem Kaufvertrag erfüllen müssen wie etwa den Bau zweier Forsthäuser: "Dies hatte sich der Vorbesitzer der Klostergebäude, der bayerische Staat, als Ausgleich für die vor 1921 in den Klostergebäuden untergebrachte Forstdienststelle ausbedungen." Aufgrund der finanziellen Unwägbarkeiten sei anfangs nicht gewagt worden, in Speinshart Novizen aufzunehmen, wusste der Referent: "Erst unter Prälat Gereon Motyka gab es wieder vier Neuaufnahmen."

"Nie untergegangen"

Nach dem Zweiten Weltkrieg habe die wiedererrichtete tschechoslowakische Verwaltung die deutschen Chorherren des Tepler Stifts interniert und ausgewiesen. Ein Teil der Gemeinschaft sei in Speinshart untergekommen, das allerdings nie eine Filiale von Tepl gewesen sei: "Aus kirchlicher Sicht war das eigenständige Kloster Speinshart nach 1803 nie untergegangen, weil nach dem Kirchenrecht ein Kloster erst 100 Jahre nach dem Tod des letzten Mitglieds erlischt. Das wäre 1960 gewesen."

Eine Verschmelzung Speinsharts mit dem Stammkonvent "Deutsch-Tepl", der nacheinander mit mäßigem Erfolg im nassauischen Schönau, im badischen Villingen und in Obermedlingen bei Dillingen Fuß zu fassen versucht habe, sei an finanziellen und juristischen Differenzen gescheitert. Seit 2007 sei das vormalige Kloster "Tepl-Obermedlingen" im südindischen Mananthavady ansässig und habe dort einen beeindruckenden Aufschwung erfahren, berichtete Bösl: "Es ist jetzt das größte Prämonstratenserkloster mit 100 Priestern."

Heimliche Aufnahme

Das Heimatkloster Teplá sei nach dem Krieg von tschechischen Ordensleuten, vorwiegend aus der Prämonstratenserabtei Strahov bei Prag, fortgeführt, 1950 aber enteignet und in eine Kaserne und ein "Atheismus-Museum" umgewandelt worden. Nach 1978 sei es leer gestanden und verfallen, bis es der Staat 1990 dem Orden zurückerstattet habe.Heute beherberge das teilweise restaurierte Stift wieder eine Prämonstratenser-Kommunität: "Der tschechische Konvent von Teplá hatte die kommunistische Herrschaft in einem Marienbader Pfarrhof überstanden und sogar heimlich einige Kandidaten aufgenommen."

Speinshart, sagte der Referent abschließend, habe es übernommen, mit seiner internationalen Begegnungsstätte an die traditionellen oberpfälzisch-böhmischen Klosterkontakte anzuknüpfen: "Mögen diese Beziehungen ihren Beitrag zur Völkerverständigung leisten."
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