Unternehmen als Christ führen

Professor Wilfried Mödinger (links, Steinbeis-Hochschule Berlin) und Günther David (KPMG Regensburg) betonten im Gespräch die Bedeutung von Vertrauen im Unternehmen. Bild: paa
Lokales
Speinshart
19.10.2015
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Was ist noch normal? Nicht nur der VW-Skandal zeigt, dass das Streben nach einem Vorteil um jeden Preis dominiert. Dennoch gibt es Unternehmer, die an Werten festhalten. Im Kloster Speinshart suchten sie nach Wegen für eine Führung mit christlichen Werten.

Wirtschaftlicher Erfolg und die Orientierung an christlichen Werten schließen sich für Paulus Mehler nicht aus. Das machte der Geschäftsführer der gleichnamigen Tirschenreuther Tuchfabrik am Freitagabend beim Kongress zum Thema "Zukunftsfähige Führung mit christlichen Werten" im Kloster Speinshart (Kreis Neustadt/WN) deutlich. Der mittelständische Unternehmer sieht in der Ausrichtung auf und dem Vorleben von Werten eine Bedingung für den Fortbestand seines Unternehmens.

Betrieb in elfter Generation

Mehlers Familie führt den Betrieb in der elften Generation. Damit zählt die Tuchfabrik zu den 30 ältesten deutschen Industrieunternehmen. Mehler ist überzeugt, dass zum nachhaltigen Erfolg auch der Segen Gottes gehöre - das was andere als Glück des Tüchtigen bezeichnen.

Zur Tagung hatte die Internationale Begegnungsstätte des Klosters zusammen mit dem Bundesverband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung, dem Wirtschaftsbeirat Bayern, dem Bund katholischer Unternehmer und dem Institut für Nachhaltigkeit in Technik und Wirtschaft der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden eingeladen. Unter den Teilnehmern waren unter anderem Oberpfälzer Familienunternehmer, Führungskräfte und Akademiker - darunter viele, die sich als Christen verstehen.

Leonhard Zintl, Vorstand der Volksbank Mittweida, der in Waldeck (Kreis Tirschenreuth) wohnt, machte deutlich, dass es angesichts der dramatischen Veränderungen, etwa der Digitalisierung, darauf ankomme, sich auf jene verlassen zu können, die die Zukunft des Unternehmens mitgestalten. Es bedürfe einer "Vertrauens- und Leistungskultur". Als einen Maßstab nannte er die vier Kardinaltugenden: Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung.

Zentral ist das Menschenbild. So wurde in einer der drei Arbeitsgruppen darauf hingewiesen, im Anderen, müsse ein Unternehmer immer auch den Menschen sehen. "Im Anderen begegne ich Gott." Er sei eben nicht nur Mitarbeiter, Lieferant oder Kunde. So wurde mehrfach betont, man solle nie vom Mitarbeiter mehr verlangen als von sich selbst. Es gelte mit gutem Beispiel voranzugehen.

Dabei wurde deutlich, dass viele damit kämpfen, dass sich die gesellschaftliche Werteordnung verschiebt. So sei die junge Generation zwar leistungsbereit, aber für sie habe die Freizeit die gleiche Bedeutung. Das ist "paritätisch", sagt ein Unternehmer. Ein Wert der häufig eingefordert wurde, war Ehrlichkeit. Darin spiegelt sich weniger der VW-Skandal, sondern die Erfahrung vieler im Betrieb und im Geschäftsleben wider. Ehrlichkeit sei die Basis, auf der Vertrauen und Verlässlichkeit gründen - Faktoren für nachhaltigen Erfolg.

Suche nach Manipulation

Günther David, Niederlassungsleiter KPMG-Regensburg und stellvertretender Vorstand des Bundes katholischer Unternehmer in der Diözese, berichtete im Gespräch mit Professor Wilfried Mödinger von der Steinbeis-Hochschule Berlin, dass die Suche nach und Aufdeckung von Bilanzmanipulationen, Untreue und Unterschlagung immer wichtiger in der Arbeit der Wirtschaftsprüfer werden.
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