Viel zu viel Nadelwald

Im neuen Forstbetriebsgutachten wird ein schrittweiser Umbau des Speinsharter Gemeindewaldes hin zu einem Mischwald vorgeschlagen. Die Planung des Sachverständigen Franz Maier aus Rohr erläuterte Forstoberrat Moritz Neumann (links) vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten dem Gemeinderat. Anschließend überreichte er ganz offiziell Bürgermeister Albert Nickl das Gutachten. Bild: do
Lokales
Speinshart
29.06.2015
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Weg von den Nadelholz-Monokulturen und hin zum Mischwald, lautet das Konzept der Forstexperten. Im Speinsharter Gemeindewald ist ein schrittweiser Umbau geplant. Im neuen Forstbetriebsgutachten, das auch für den Rechtlerwald gilt, stehen die Vorschläge schwarz auf weiß.

Forstoberrat Moritz Neumann überreichte Bürgermeister Albert Nickl am Donnerstagabend in der Sitzung des Gemeinderats die neuen Leitlinien für die Bewirtschaftung des insgesamt 45 Hektar großen Gemeindewalds, der sich auf viele kleine Flurstücke im Gemeindegebiet verteilt. Diese haben eine Laufzeit von 20 Jahren bis zum 31. Dezember 2034.

Vom Gutachten erfasst wird auch der Rechtlerwald, den es im Bereich der Ortsteile Zettlitz, Tremmersdorf und Münchsreuth gibt. Für die Waldbauern mit Holzrechten werde es deshalb im Winter eine eigene Informationsveranstaltung geben, versprach der Bürgermeister.

Drei Kriterien

Zur Betreuung des Körperschaftswaldes besteht eine Bewirtschaftungsvereinbarung mit den Bayerischen Staatsforsten. Für die Betriebsausführung ist Forstamtsrat Mathias Rupp der Kommune zugeteilt.

"300 Jahre Nachhaltigkeit": Das Motto der bayerischen Staatsforsten übertrug Moritz Neumann - Mitarbeiter im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie Abteilungsleiter bei der staatlichen Forstverwaltung - auch auf die kommunalen Wälder. Deshalb verpflichte das Waldgesetz die Körperschaften zu einer Bewirtschaftung nach den Kriterien standortgerecht, gesund und verjüngungsfähig. Außerdem sei dem Schutz der Erholungsfunktion besonderer Wert beizumessen.

Gegenstand der allgemeinen Ausführungen Neumanns waren auch Hinweise zur Steigerung des Holzertrags. Dieser hat im neuen Gutachten für die Gemeinde Speinshart besonderen Stellenwert. "Holzvorräte, -zuwachs und -nutzung sind die entscheidenden Kriterien einer erfolgversprechenden Waldbewirtschaftung", betonte der Forstmann. Daraus folgernd analysierte er die Ergebnisse der Begutachtung durch den privaten Sachverständigen Franz Maier aus Rohr, der auf einen Nadelholzbestand des Gemeinde- und Rechtlerwaldes von 85 Prozent kam. "Für eine zukunftsfähige Bewirtschaftung viel zu einseitig", befand Neumann. "Wir brauchen gesunde, gemischte Wälder."

Als langfristiges Ziel nannte er eine Reduzierung des Nadelholzanteile auf 55 Prozent, der wiederum überwiegend aus Fichtenbeständen bestehen sollte. Denn: "Der Boden in Speinshart ist fichtenfähig." Zu einem "gesunden Portfolio" sollte zugleich eine erhebliche Ausweitung des Laubwaldes auf einen künftigen Bestand von 45 Prozent gehören. Der Forstoberrat empfahl dafür Buche, Eiche und weitere Laubgehölze.

Durchschnittsalter 130 Jahre

Als gute Voraussetzung für die weitere wirtschaftlich und gleichzeitig ökologisch wirksame Nutzung des Gemeindewaldes bezeichnete er den Holzvorrat von zirka 12 000 Kubikmetern. Als Zuwachs seien im Gutachten 234 Festmeter jährlich ausgewiesen. Dies entspreche einem Hektarsatz von 5,8 Festmetern. Mit Blick auf den errechneten Holzeinschlag schlug Neumann einen Hiebsatz von 210 Festmetern jährlich im gesamten Waldbestand vor.

Für den Rechtlerwald sieht das Gutachten einen jährlichen Hieb- oder Nutzungssatz von 32 Festmetern für Zettlitz, 30 für Tremmersdorf und 33 für Münchsreuth vor. Das Durchschnittsalter der Holzbestände, die sogenannte Umtriebszeit, beträgt laut Gutachten 130 Jahre.
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