Wachsamkeit statt Wegducken

Ihre Ansprachen hielten Max Wagner von der Soldatenkameradschaft und Bürgermeister Albert Nickl in der Klosterkirche, doch auf die Kranzniederlegung am Gefallenenmahnmal verzichteten die Speinsharter trotz Regenwetters nicht. Wie seit vielen Jahren umrahmte die Musikkapelle Creußen die Feier zum Volkstrauertag. Bild: bjp
Lokales
Speinshart
17.11.2015
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Wachsamkeit: Dieses Wort war das Leitmotiv bei der Gedenkfeier zum Volkstrauertag in Speinshart. In Anknüpfung an den Tagestext aus dem 13. Kapitel des Markus-Evangeliums rückte Pater Benedikt Schuster im Gottesdienst die Warnung Jesu vor falschen Propheten in den Mittelpunkt seiner Predigt - und die Mahnung "Seid wachsam".

Zu Wachsamkeit, auch und gerade mit Blick auf das eigene Denken und Handeln, mahnte ebenso Bürgermeister Albert Nickl in seiner Ansprache, die er wegen des regnerischen Wetters in der Klosterkirche hielt. Ihn überkomme "das kalte Grausen", wenn er höre, wie manche Zeitgenossen den heutigen Staat - "eine der besten Demokratien" - schlechtredeten und gar forderten: "Ein bisschen Drittes Reich wäre schon gut." Allen, die Derartiges leichtfertig sagten, rate er, "sich mit der Geschichte, mit Krieg und auch mit den Konzentrationslagern zu beschäftigen". Wer dies tue, werde "schnell erkennen, dass Frieden, Freiheit, Demokratie und Menschenrechte, auch der Flüchtlinge, unschätzbar hohe Güter sind".

Immerhin "zeigen die Kundgebungen gegen ewiggestriges und neurechtes Gedankengut, dass die Demokratie in Deutschland funktioniert". Gewiss könne Deutschland nicht alle Flüchtlinge aufnehmen, erklärte Nickl. Doch im Rahmen des Möglichen "können und müssen wir helfen": "Durch die Globalisierung ist die Welt kleiner geworden. Probleme von Übersee sind heute auch unsere Probleme, da können wir uns nicht wegducken."

Jedoch seien "Europäische Union und Staatengemeinschaft gefordert, internationale Lösungen zu finden - insbesondere dafür, dass die Ursachen der Fluchtbewegung behoben werden". Dann könnten jene, die jetzt aus Perspektivlosigkeit und Angst um ihr Leben Schutz im Ausland suchten, in ihrer Heimat leben - "denn dort werden sie ja gebraucht".

Die Bedeutung des Volkstrauertags als Tag der Erinnerung, die allein vor der Wiederholung schrecklicher Fehler bewahre, betonte Max Wagner: "Dieser Tag soll die Toten zum Reden bringen, damit sie auch in unseren Tagen zu Wort kommen." Vor der Kranzniederlegung am Gefallenenehrenmal gab der Vorsitzende der Soldatenkameradschaft bekannt, dass die Kriegsgräbersammlung an Allerheiligen 1506 Euro erbracht habe: rund 250 Euro mehr als 2014.

Von einem Besuch in Budapest brachte Wagner Grüße von Oberstleutnant Uwe Patz mit. Der frühere Chef der Weidener Nachschubkompanie, mit der Speinshart eine Patenschaft gepflegt hat, ist als deutscher Verbindungsoffizier in Ungarn eingesetzt. Außerdem lud der Vorsitzende für 1. bis 4. September 2016 zu einem Ausflug der Kameradschaft zum elsässischen Soldatenfriedhof Bad Niederbronn ein, auf dem auch ein Speinsharter begraben ist.
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