Wandel zur Menschlichkeit

Muthgard Hinkelmann-Toewe.
Lokales
Speinshart
10.01.2015
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Alle elf Minuten muss ein Mädchen eine Genitalverstümmelung über sich ergehen lassen. Drei Millionen sind in jedem Jahr von diesem barbarischen Brauch betroffen. Was lässt sich dagegen nur tun? Antworten liefert eine Wanderausstellung, die im Kloster Speinshart zu sehen ist.

Begegnungsstätte und Volkshochschule haben die Schau ins Kloster geholt. Bei der Eröffnung stellte Professor Dr. Muthgard Hinkelmann-Toewe das Thema im vollen Musiksaal vor. Der Gast aus der hessischen Bischofsstadt ist Initiatorin des Fulda-Mosocho-Projekts (FMP). Mit ihren kenianischen Unterstützern versucht die Professorin und mit ihr der Verein "Lebendige Kommunikation mit Frauen in ihren Kulturen (LebKom), die Genitalverstümmelungen in der kenianischen Projektregion, der Mosocho Division, einzudämmen. Mit LebKom werden eigens für diese Aufgabe ausgebildete Fachkräfte nach Kenia entsandt.

Jede 20. Frau in Afrika müsse das Martyrium über sich ergehen lassen. Die Expertin stellte das Mädchen Abigal vor und gab den Betroffenen Namen und Gesicht. Das Mädchen ist "vier Jahre alt, als es nichtsahnend von ihrer Mutter zur Beschneiderin gebracht wird. Gewaltsam festgehalten auf einem Stein, wird ihr mit der Rasierklinge ihr Sexualorgan, die Klitoris, herausgeschnitten. Ihre Schreie sind vergebens." Abigal lebt in Kenia. Dort werden fast alle Mädchen Opfer der Verstümmelung.

In ihrer Einführung blickt die temperamentvolle Referentin auf 30 Jahre Afrikaerfahrung zurück und überzeugt mit einem Plädoyer, das Leid der Frauen zu beenden. "So bleiben, wie Gott uns geschaffen hat", rückt Dr. Hinkelmann-Toewe in den Mittelpunkt ihrer Forderung. Der Gast untermauert seine Ausführungen mit dem siebenminütigen Video mit dem Titel "Der Thron der Patriarchen wackelt". Der ARD-Beitrag beschreibt das Mosocho-Projekt.

Von Hamburg über Weimar und Bad Hersfeld nach Speinshart: die Ausstellung steht nun in der Internationalen Begegnungsstätte im Blickpunkt. "The Wonder oft the Female Body" lautet der Titel. Die Ausstellung setzt ein Zeichen für Aufklärungs- und Entwicklungsarbeit. Die Bild- und Texttafeln sind mit Erkenntnissen und Forderungen der Vereinten Nationen verzahnt. Die Sichtweisen von Kenianern, die den Wandel in ihrem Lebensumfeld erleben und mitgestalten, spiegeln sich in der Ausstellung wider.

In Speinshart hat die Ausstellungspräsentation die Lebkom-Mitarbeiterin Elisabeth Merkl organisiert. Die Eschenbacherin war wiederholt in der Region tätig. Merkl berichtet von der positiven Einstellung dort: "Der Geist der Veränderung hat die Menschen erfasst." Um die Beschneidung aller Mädchen zu verhindern, bedürfe es aber auch gewaltiger finanzieller Anstrengungen. Merkl appellierte an die Besucher, mit Geldspenden und einer LebKom-Mitgliedschaft das Projekts zu unterstützen. Einen Betrag leistet hierzu der Frauenbund Schlammersdorf. Elisabeth Nickl überreichte an Hinkelmann-Toewe 300 Euro.

Bereits in seiner Begrüßung hatte Pater Lukas auf das Recht auf ein unversehrtes Leben hingewiesen. "Gott leidet mit den Menschen in Afrika." Musikalisch untermalt das Ensemble Tudoesom die Vernissage. Es folgt eine Einladung zum lockeren Gespräch bei Teigbällchen nach kenianischer Rezeptur und Oberpfälzer Häppchen. (Hintergrund)
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