Zum Jubiläum in den "Wurzel-Zoo"

Vor 40 Jahren fand Bernd Donhauser (Vierter von links) sein erstes "Wurzeltier". Seit 1982 stellt er seine Funde im Tremmersdorfer Wurzelmuseum aus, bei dessen Betreuung ihn seine Bekannte Erika Hartmann (links) unterstützt. Über die oft bis in feinste Details getreuen Ebenbilder von Tieren staunten auch die Mitglieder des Speinsharter Gemeinderats. Bild: bjp
Lokales
Speinshart
21.08.2015
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"Ohne deine besondere Begabung und ohne deine Liebe und Leidenschaft könnte es so etwas nicht geben." Für eine weltweit einzigartige Kollektion dankte Bürgermeister Albert Nickl dem Chef des Wurzelmuseums, Bernd Donhauser. Dieser sei ein "Botschafter unserer Gemeinde".

Vor 40 Jahren begann es: Im September 1975 fand Donhauser beim Schwammerlsuchen einen Wurzelstock, dessen verblüffende Ähnlichkeit mit einem brütenden Kiebitz ihm ins Auge stach. Für den Gemeinderat war dieses Jubiläum Grund, den "Wurzel-Bernd" in seinem Museum zu besuchen und sich von seiner Ehrfurcht vor der Natur mitreißen zu lassen.

"In der ganzen Welt kennt man das Wurzelmuseum, doch in unserer Gemeinde und Region gibt es gewiss viele, die noch nie hier waren", bedauerte Bürgermeister Albert Nickl: "Selbst der letzte gemeinsame Besuch des Gemeinderats liegt mindestens zehn Jahre zurück."

Dass es an der Zeit war, diesem Manko abzuhelfen, bestritt keiner der Räte. Zweifellos fällt es auch schwer, von dem "Wurzel-Zoo" nicht fasziniert zu sein, dessen 900 Fundstücke - zwischen 1975 und 2004 zusammengetragen - 250 Quadratmeter eines ausgedienten Stallgebäudes "bevölkern".

Ein von der Natur selbst geschaffenes "Archiv" lebender und ausgestorbener Tierarten sieht Bernd Donhauser in seinen Schätzen, die er liebevoll in "Biotopen" arrangiert hat. Der frühere Kunstglaser schützt sie sorgfältig vor Sonnenlicht und besprengt sie regelmäßig mit kalkfreiem Wasser. Mehr brauche es nicht, um sicherzustellen, dass die weder durch Schnitzen noch durch Bemalen "manipulierten", aber durch das zu Bernstein ausgehärtete Harz konservierten Wurzeln "für Hunderttausende von Jahren erhalten bleiben".

Ein unerklärliches Talent ermögliche es ihm, das in einer Wurzel "enthaltene" Tier nicht nur zu erspähen, sondern auch zu benennen, sagte Donhauser. Die Gestalten, die er dank dieser Begabung intuitiv aufspürte, seien keine bloßen Zufallslaunen der Natur: "Die Natur und ihr Schöpfer wollen ins Bewusstsein rufen und auf Dauer bewahren, welch vielfältige Wunder sie hervorgebracht haben. Weil ich die Natur respektiere, durfte ich diese Dinge finden. Die Menschheit, die in ihrer Bedenkenlosigkeit schon so viele Arten ausgerottet hat, wird für diese Sammlung einmal dankbar sein."

Die meisten seiner Wurzeln seien Funde aus nacheiszeitlichen Flachmooren, die dort zwischen 4000 und 21 000 Jahre überdauerten, informierte der Museumschef. Für einzelne Kiefern- und Eibenwurzeln aus Hochmooren könne sogar ein Alter zwischen sieben und zehn Millionen Jahren angesetzt werden. Alle Stücke habe er in der Oberpfalz gefunden, auch wenn sie bis ins feinste Details getreue Ebenbilder von Tierarten aus der ganzen Welt seien - von der Maus bis zum Marabu, vom Langschwanzkormoran bis zum Leistenkrokodil.

Museen und Forschungsstätten aus der ganzen Welt hätten sich bereits an seiner Sammlung interessiert gezeigt. Doch zur Freude der Speinsharter Gemeindevertreter bekräftigte der 74-Jährige: "Ich werde Vorkehrungen treffen, dass dieses Museum in Tremmersdorf erhalten bleibt, wo es 'geboren' wurde."
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