Äbtissin Laetitia Fech eröffnet Oberpfälzer Kulturtag
Kloster als "lernende Organisation"

Politik
Speinshart
15.06.2015
167
0

Vor zwei Jahrzehnten hätten wohl die meisten Beobachter auf ein Ende der Klöster Waldsassen und Speinshart gesetzt. Es ist anders gekommen: Äbtissin Laetitia Fech aus Waldsassen liefert dafür beim Oberpfälzer Kulturtag in Speinshart Erklärungsmodelle.

Ein Kloster für die Zukunft fit machen: Es gibt sicherlich einfachere Aufgaben. Äbtissin Laetitia Fech vom Zisterzienserinnen-Kloster Waldsassen stellt sich seit 20 Jahren recht erfolgreich dieser Aufgabe. Für die Eröffnung des diesjährigen Oberpfälzer Kulturtages am Freitag und das Vortragsthema "Die Bedeutung der Klöster in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft" ist die Ordensfrau genau die richtige Rednerin. Dass der Kulturtag im Klosterdorf Speinshart über die Bühne geht, wo die Prämonstratenser-Abtei samt internationaler Begegnungsstätte ebenfalls eine neue Blüte erlebt, ist sicher kein Zufall.

Nur knapp 60 Kilometer liegen das Kloster Speinshart und das Kloster Waldsassen voneinander entfernt. Prämonstratenser-Gründer Norbert von Xanten war mit Bernhard von Clairvaux, einem der wichtigsten Zisterziensermönche, befreundet. Und so wie die Abtei Waldsassen ist auch die Abtei Speinshart im Begriff, sich weiterhin positiv zu entwickeln. Äbtissin Laetitia Fech, die auf Einladung des Oberpfälzer Kulturbundes, der Gemeinde Speinshart und des Klosters Speinshart referiert, zeigt in ihrem Referat den "Waldsassener Weg" auf, der in vielen Bereichen aber auch für andere Klöster Impulsgeber sein kann.

Ein wesentliches Prinzip, um im Heute und in der Zukunft bestehen zu können, ist nach Aussage der Ordensfrau die Nachhaltigkeit. Diese komme zum Ausdruck in einem Verbessern des geistlichen Lebens, in einer Optimierung der Arbeitsstrukturen sowie in einer Erweiterung und Konsolidierung der Finanz-Ressourcen. Das Verbessern des geistlichen Lebens sei durch Supervision und einer Neudefinition der Konventaufgaben erreicht worden. "Wie können wir offen sein für junge Menschen aus der heutigen Zeit, die in unser Kloster eintreten wollen?", sei, so die Äbtissin, eine entscheidende Frage für die Zukunft gewesen. Im Jahr 2004 habe man es tatsächlich geschafft, dass nach 42 Jahren wieder ein Ewige Profess abgelegt wurde. "Wir haben auch eine organisatorische Neuentwicklung angestoßen, um uns als lernende Organisation, als Kloster im Wandel der Zeit einzulassen", sagt Fech. Genauso müsse man aber auch festhalten, dass ohne eine bauliche Erneuerung und der Schaffung neuer Arbeitsbereiche das Kloster wohl keine Überlebenschance gehabt hätte. Unbestritten sei, so die Äbtissin, dass ein funktionierendes Kloster auch nach außen ausstrahle - in die Stadt, in den Landkreis, in die gesamte Region.

Der andere Lebensstil

Die Äbtissin hebt ein wesentliches Prinzip für das Bestehen von Klöstern in der Zukunft hervor - nämlich "semper reformanda": Demnach müsse man stets beobachten, was man verbessern oder erneuern müsse. Gleichzeitig gehe es aber auch um ein Bewusstmachen tradierter, lebendiger, im Kloster gelebter Werte beziehungsweise um das sichtbare Vorleben eines eben anderen Lebensstils - nicht kurzfristig und projektbezogen, sondern nachhaltig über Jahrzehnte und länger hinauswirken lassend.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.