Pater Nikodemus Schnabel liest aus seinem Buch
Bericht aus dem Niemandsland

Der Benediktiner-Pater Nikodemus Claudius Schnabel aus Jerusalem las im voll besetzten Musiksaal im Kloster Speinshart aus seinem Buch "Zuhause im Niemandsland". Bild: paa
Politik
Speinshart
09.03.2016
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Pater Nikodemus ist das Gesicht seines Klosters in Israel. In Speinshart berichtet der Benediktiner aus Jerusalem, warum er im Heiligen Land zwischen allen Stühlen sitzt und sich dennoch dabei wohlfühlt.

Am Samstag zuvor hat Pater Nikodemus Claudius Schnabel noch mit seinen Mitbrüdern den "Tag des offenen Klosters" in der Dormitio-Abtei in Jerusalem gefeiert. Am Dienstagabend sitzt der Benediktiner im Musiksaal des Klosters Speinshart und erzählt: vom Zuspruch, den seine Abtei auf dem Zions-Berg erfährt, vom Heiligen Land, von der Minderheit der Christen, aber auch von den Konflikten. Ein Studienfreund, Prämonstratenser-Pater Benedikt M. Röder, Pfarradministrator in Kirchenthumbach, hat ihn nach Speinshart gelost.

Schwarz und weiß


"Ich wurde schwarz, er wurde weiß", sagt Pater Nikodemus mit Blick auf das jeweilige Ordensgewand. Benediktiner tragen schwarz, Prämonstratenser weiß. Pater Nikodemus, der in Stuttgart geboren wurde, liest vor den mehr als 100 Zuhörern aus seinem Buch "Zuhause im Niemandsland. Mein Leben im Kloster zwischen Israel und Palästina."

Der 37-Jährige ist Pressesprecher der deutschsprachigen Abtei und lebt seit 13 Jahren in Jerusalem. Das Buch, betont er, ist zwar mit Zustimmung der Mitbrüder geschrieben, gibt aber seine persönliche Sicht wider, nicht die des Klosters. Unter den 23 Mönchen der Abtei ist auch ein Oberpfälzer: Pater Matthias Karl stammt aus dem Ortsteil Schneeberg bei Winklarn (Kreis Schwandorf) und lebt im Priorat Tabgha am See Genezareth, das im Juni 2015 Opfer eines Brandanschlags geworden ist. Auch die Dormitio-Abtei wurde mehrfach angegriffen. Zuletzt im Januar, als Dutzende Graffitis an die Wände gesprüht wurden, mit Parolen wie "Tod den Christen" oder bluttriefenden Säbeln. Die Angreifer: jüdische Extremisten, so wie in Tabgha auch.

Vor den Karren der Antisemiten will sich Pater Nikodemus nicht spannen lassen. Er verweist auf den Zuspruch der jüdischen Gesellschaft, auf jüdische Spendenaktionen zum Wiederaufbau von Tabgha. Enttäuscht zeigt sich der Pater von der israelischen Regierung, die sich lange Zeit weigerte, den Wiederaufbau zu bezahlen. Doch nun wird erneut verhandelt, auch auf Druck des israelischen Präsidenten Reuven Rivlin.

"Hooligans der Religion"


Von den "Hooligans der Religion", wie Pater Nikodemus die Extremisten bezeichnet, lässt er sich den Blick nicht verstellen. Und er warnt die Zuhörer, das Judentum und andere Religionen nach den Gewalttätigen zu beurteilen, die "völlig in ihrem Hass gefangen sind". Der Benediktiner nimmt in seinem Bericht die Zuhörer mit auf einen Spaziergang durch die Altstadt von Jerusalem, in den frühen Morgenstunden noch bevor Händler und Touristen die engen Gassen bevölkern. Dann könne man die Gottessucher sehen - jüdische, christliche und muslimische Gläubige, die vom Morgengebet kommen.

Pater Nikodemus erzählt aber auch von den Müttern in Tel Aviv, mit denen er im Sommer 2014 vor den Hamas-Raketen in die Luftschutzkeller geflüchtet ist. Diese Mütter hätten voller Angst ihre Kinder ans Herz gedrückt. Das Gleiche hätten ihm die Frauen im Gaza-Streifen erzählt, als er sie nach Kriegsende besucht habe. Die Mütter dort seien mit ihren Kindern voller Angst vor den israelischen Angriffen in die unterirdische St.-Porphyrius-Kirche geflüchtet.

Schwarz-weiß-Denken lehnt Pater Nikodemus ab. Er weigert sich, eine Schablone anzulegen. Deshalb sitze er in diesem Konflikt zwischen den Stühlen. Aber er fühlt sich wohl: "Ich liebe Jerusalem, heiß und innig."
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