Aschermittwochs-Vortrag über die Weisheiten der "Wüstenväter" und "-mütter" in der ...
Der Wert der Einsamkeit

Fasten bedeutet, auf Abstand zu gehen zu allem, was der Seele schadet, wussten schon die christlichen Wüstenväter und -mütter.
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Speinshart
13.02.2016
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"Rufe aus der Wüste" sollen die Menschen in der Fastenzeit begleiten. Tiefsinnige Beispielgeschichten von christlichen "Wüstenvätern" und "Wüstenmüttern" brachte die Theologin Dr. Gabriele Ziegler aus Münsterschwarzach am Aschermittwoch in die Internationale Begegnungsstätte Kloster Speinshart mit.

"Du brauchst Gott? Dann finde ihn in dir selbst." Mit dieser Aufforderung zur Umkehr in der Fastenzeit begann die Referentin ihren Vortrag mit dem Titel "Fasten mäßigt nur den Körper - Gebet macht sehend".

Ratschläge wie dieser stammen aus frühchristlicher Zeit. Dr. Gabriele Ziegler entdeckte sie in den Werken von Mönchen aus dem vierten Jahrhundert nach Christus. In spätrömischer Zeit zog es weise Männer - zum Beispiel Antonius, Benedikt und Johann Cassian - in die ägyptische Wüste, um in Mönchsbehausungen, etwa der koptischen Christen, zu beten und Enthaltsamkeit zu üben.

Warum frühchristliche Mönche es schaffen, die Menschen von heute zu fesseln, darüber sprach die Referentin in einem tiefschürfenden Vortrag, begleitet mit viel Schmunzeln und Augenzwinkern. Das Zeugnis, das die Anachoreten oder Aussteiger von Gabriele Ziegler ausgestellt bekamen, konnte glänzender kaum sein: "Es waren kluge Menschen mit dem starken Willen, sich in Armut auf das Gute und Heilsame auszurichten", erklärte sie den circa 30 Zuhörern. Die folgende "Entdeckungsreise" in das Niltal und in die Wüstengegenden des frühchristlichen Ägyptens zu spätrömischer Zeit wurde zu einer "Unterredung mit den Vätern".

Auch die "Wüstenmütter" holte die Theologin aus ihrer Vergessenheit und übersetzte deren Botschaften in unsere Zeit. Am Beispiel der Ägypterin Maria Aegyptia schilderte sie den Weg dieser Aussteigerinnen aus der spätantiken Gesellschaft. "Es waren starke Frauen, die mit ihrer Spiritualität mit sich und gegen das Vergessen kämpften und mit ihrer Grundhaltung der Achtung und Diskretion Vorbildcharakter bewiesen."

Ganz neue Erfahrung


Anhand von Überlieferungen schilderte Gabriele Ziegler die Weisheit und Enthaltsamkeit der "Wüstenmütter" und würdigte deren Bereitschaft, sich in der Einsamkeit auf der Suche nach Gott mit den eigenen Kräften und Gedanken auseinander zu setzen. Diese "Unterredungen", wie sie sagte, begannen mit Beispielen von Weisheiten der "alten Männer", deren Texte noch heute, mehr als 1600 Jahre später, berühren.

Frei von allem Moralisieren regte die Referentin die Zuhörer dazu an, die spirituellen Werte der Einsamkeit zu betrachten: Ein Leben ohne Streit und ohne Kränkungen sei eine neue und erwärmende Erfahrung. "Wenn man allein ist, merkt man erst, was im Herzen abgeht", wusste sie aus Texten der "Wüstenväter". In der Einsamkeit zeige sich die Kraft des Menschen, bösen Gedanken zu widerstehen, und die Fähigkeit, sich durch Fasten zu reinigen. "Die Weisheiten der Altväter und frühen Mönche und der 'Wüstenmütter' sind auch Botschaften für die heutige Gesellschaft", folgerte Ziegler. Jeder Mensch begegne diesem Thema. Die Theologin empfahl, mit Gelassenheit, Wachsamkeit, dem richtigen Umgang mit Leidenschaften und innerer Freiheit, mit Stille und Klarheit der Seele Hilfe und, wenn nötig, Heilung zu finden.

"Krankheiten der Seele"


"Umkehr konkret" nannte der Gast aus Münsterschwarzach schließlich seine "Impulsvorschläge" zur Fastenzeit. "Fasten bedeutet, auf Abstand zu gehen zu allem, was der Seele schadet, wussten schon die christlichen 'Wüstenväter' und '-mütter'." Fasten müsse zur Güte, zu Mitempfinden, zum Teilen und zu einem einfacheren Leben anregen.

Als "Krankheiten der Seele" bezeichnete sie "Infektionen" mit "Gier und Zorn". Um diese zu bekämpfen, gebe es ein einfaches Rezept: "Die Register-Arien alter Sünden nicht mehr singen." Als weiteres Heilmittel empfahl sie, jede Form von Hochmut zu bekämpfen, die Reinheit des Herzens zu pflegen und Liebhaber der Demut zu werden: "Mit restlos aufgebrochenem Herzen durchs Leben zu gehen, weil die Freude am Unvergänglichen Flügel verleiht."

Wem dies gelinge, der werde ein glücklicher Mensch - auch ohne die Erfahrung eines "Wüstenvaters" oder einer "Wüstenmutter". Und doch sei diese bemerkenswerte "Umkehr konkret" ein Ergebnis erfüllender Ratschläge, erklärte Gabriele Ziegler.
Fasten bedeutet, auf Abstand zu gehen zu allem, was der Seele schadet, wussten schon die christlichen Wüstenväter und -mütter.Dr. Gabriele Ziegler
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