Asyl-Tipps vom Profi
Diskussionsrunde zur Flüchtlingsfrage

Dolores Longares-Bäumler. Bild: do
Vermischtes
Speinshart
05.02.2016
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Die Migration sieht Dolores Longares-Bäumler als Herausforderung und Chance. Bei einem Vortrag in der Internationalen Begegnungsstätte Kloster Speinshart beleuchtete die erfahrende Diplom-Sozialpädagogin das Thema aus Sicht der Praxis und befand: "Habt keine Angst vor Fremden."

Wohl kein Thema beschäftigt die Gesellschaft derzeit stärker als die Flüchtlingsfrage. Ein Großteil der Bevölkerung macht sich über nicht enden wollende Flüchtlingsströme in Richtung Deutschland Sorgen. Eine brisante Entwicklung, auch für die kirchlichen Gremien.

Willkommenskultur


Deshalb hatten sich bei einem Einkehrtag die Mitglieder des Pfarrgemeinderats und der Kirchenverwaltungen der Seelsorge-Gemeinschaft Speinshart-Schlammersdorf-Vorbach in der Begegnungsstätte in Speinshart zu einem runden Tisch der Mitmenschlichkeit versammelt. Die Diskussion mit einer praxiserfahrenen Vertreterin für Migrationsfragen über die aktuellen und künftigen gesellschaftlichen Herausforderungen stand im Mittelpunkt. Die Organisation des Erfahrungsaustausches lag in den Händen von Gertrud Hoffmann (Vorbach), Irene Walter (Münchsreuth), Evi Rödl (Speinshart) und Pater Adrian Kugler (Kloster Speinshart).

Dolores Longares-Bäumler, Bayreuther Caritas-Bereichsleiterin für Flüchtlinge und Migration, warnte vor Panikszenarien und rief dazu auf, undramatisch mit der angespannten Situation umzugehen. Dennoch verkannte die Migrationsberaterin nicht, dass mit der Massenankunft von Asylbewerbern und Flüchtlingen die administrativen Strukturen an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen seien. Eine positive Botschaft gebe es dennoch: die ökonomische Stärke Deutschlands bei der Bewältigung der bisherigen Flüchtlingswellen. Auch die Motivation der Neuankömmlinge sei naturgegeben hoch.

In der Hoffnung auf eine Hilfestellung der Kirchen empfahl Longares-Bäumler den Führungsgremien der Pfarreien-Gemeinschaft, sich für eine Willkommenskultur zu öffnen. Eine wohlwollende Kennenlern-Begegnung könne Herzen öffnen. Mit Beispielen der Migrationsarbeit im Raum Bayreuth und Speichersdorf unterstrich sie Möglichkeiten, durch Zuwendung Vertrauen aufzubauen. Als Ansatzpunkte nannte sie Hilfestellungen bei Behördenangelegenheiten, Anregungen zur Freizeitgestaltung, um Langeweile zu bekämpfen, Aufbau von Familienpaten, Hausaufgabenhilfe für Kinder und Jugendliche oder das Vermitteln von sprachlichen Grundkenntnissen. "Die Möglichkeiten des Helfens im Alltag sind vielfältig." Selbst gemeinsame Kochabende seien als Integrationspuzzle erfolgversprechend.

Zum weiteren Themenschwerpunkt gehörten Informationen über die staatlichen Sozialleistungen für die Asylbewerber. Zusammenfassend nannte Dolores Longares-Bäumler die staatliche Garantie für eine kostenfreie Unterkunft einschließlich Nebenleistungen und die finanzielle Unterstützung nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, deren Höhe unter anderem vom Alter des Asylbewerbers abhänge. Für alleinstehende Asylbewerber nannte die Caritas-Vertreterin eine monatliche Barzuwendung von 140 Euro als "soziokulturelles Existenzminimum", etwa für Telefongebühren und Fahrtkosten. Zusätzlich sichere ein Betrag von 156,22 Euro monatlich das Existenzminimum zum Lebensunterhalt ab. Ergänzend werde ein Bekleidungsgeld von 32,98 Euro im Monat in Form von Gutscheinen gewährt.

Weitere Infos galten dem Asylverfahren. Von der Antragstellung über die Anhörung bis zur Entscheidungsfindung erläuterte Longares-Bäumler den Werdegang der Prüfung und die unterschiedlichen Anerkennungsmöglichkeiten. Zu den Aufgaben der Asylsozialberatung nannte die Sozialpädagogik-Fachkraft unter anderem die Hilfestellung bei der Alltagsbewältigung, verwies auf vermittelnde Tätigkeiten bei Inanspruchnahme von Leistungen beim Ausländer-Sozialrecht, erläuterte Angebote für schutzbedürftige Personen und befasste sich mit der Konfliktbewältigung in Unterkünften und im sozialen Umfeld der Asylbewerber.

Erster Ansprechpartner


Die Caritas-Fachstelle sei oft wichtigste Ansprechpartnerin bei Rückkehrberatungen und -hilfen sowie Vernetzungsgesprächen mit Behörden, Bildungseinrichtungen und gesellschaftlichen Akteuren. Mit Blick in die Runde verwies die Referentin auf Möglichkeiten, ehrenamtliche Kräfte bei Migrationsprojekten zu schulen und zu begleiten.
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