Ausstellung mit Werken von Künstler und Pfarrer Udo Körner im Kloster Speinshart
Die Wahrheit hinter der Wirklichkeit

Ungewöhnliche Reliefbilder und Collagen von Pfarrer und Künstler Udo Körner sind seit Sonntag im Oberen Konventgang von Kloster Speinshart zu sehen. Die Werke des 75-jährigen Heidelbergers, der mit der Gestaltung zahlreicher Altar- und Kirchenräume international bekannt wurde, beeindrucken durch ihre unerschöpfliche Tiefe. Bilder: do (2)
Vermischtes
Speinshart
28.09.2016
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"Kunst-Pfarrer" Udo Körner.

Nicht nur ein Bild, auf einen alten Pappkarton gemalt, drückt in seinem Farbklang vom dunkelsten Violett bis zum leuchtenden Goldgelb eine tiefe Sehnsucht nach Unsterblichkeit aus. Es sind gleich 27 Kunstwerke, die im Oberen Konventgang des Klosters Speinshart faszinieren.

Zum Teil sind darin "Objets trouvés", gefundene und an sich wertlose Gegenstände, eingebaut. Der Heidelberger Künstler und pensionierte Pfarrer Udo Körner gestaltet sie farbig und verleiht ihnen im Kunstwerk eine neue Bedeutung.

Udo Körner - Seelsorger, Künstler, Maler - ist durch viele Bücher und Aufsätze bekannt. Der Heidelberger studierte katholische Theologie in Freiburg und Tübingen, war Pfarrer in Karlsruhe und Mannheim, dazwischen auch Studentenpfarrer in Konstanz. Als Künstler hat er sich nicht nur in kirchlichen Kreisen einen Namen gemacht. Der humanistische, kunstgeschichtlich und literarisch gebildete Kirchenmann verfügt über die Gabe, Figuren und Geschehnissen - sei es aus der Antike, der Bibel oder der Literatur - neues Leben zu geben. Deshalb nennt er seine Kunstwerke auch "menschliche Einsichten mit Blick auf die Bibel und die Mystik alter Völker". "Bild und Gleichnis" ist darum auch der Leitgedanke der Speinsharter Ausstellung.

Körner malte anfangs magisch und zugleich realistisch. Daneben wandte er sich plastischen Arbeiten zu, die auch christlich verstanden werden können. Körner setzt Rinde, Äste, Holzteile, Draht - kurz Fundstücke jeder Art - zu Bildobjekten zusammen. Diese sprechen Bekanntes, oft Gesagtes in verblüffend einfacher und zugleich ästhetisch anspruchsvoller Weise aus.

Lebendiger Dialog


Empfunden, nicht erfunden sind die Reliefbilder und Collagen. Dabei ist es Körner wichtig, jedem Betrachter seinen Interpretationsspielraum zu lassen. Nicht das Fragen, was sich der Künstler denn gedacht habe, sollte der Maßstab sein, betonte Udo Körner bei der Eröffnung der Ausstellung. "Vielmehr sollte sich der Betrachter fragen: Was sehe ich? Was empfinde ich?" Dadurch entstehe ein lebendiger Dialog.

Der Heidelberger empfahl den Besuchern, seine Ausstellung mit Hören und Sehen als Grundformen des menschlichen Lebens zu begreifen. "Wenn Hören und Sehen vergehen, kann man das Leben nicht verstehen", philosophierte er. Deshalb seien für ihn Bilder das wichtigste Medium zur Vermittlung, erklärte der "Kunst-Pfarrer".

In seinen Farbschnitten, Collagen und Holzarbeiten geht der Künstler sehr farbenfroh mit den Materialien um. Durch seine geradlinig und abwechslungsreich gestalteten Werke baut er optische Spannungsfelder auf, die von seinen Lebenserfahrungen, aber auch von seiner Auseinandersetzung mit bestimmten theologischen Inhalten erzählen. In seiner pastoralen Arbeit als Pfarrer und Religionslehrer hat sich Körner auch stets als Künstler verstanden. Sein vieldeutiges Credo lautet: "Mit der Kunst Menschen die Wahrheit hinter der Wirklichkeit erkennen zu lassen" - frei nach Ingeborg Bachmann: "Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar."

Bis 1. November zu sehen


Musikalisch wurde die Vernissage von Reinhard Maier (Piano) und Thomas Englberger (Klarinette) umrahmt. Letzterer begrüßte als Leiter der Internationalen Begegnungsstätte den renommierten Künstler und Priester - ein Landsmann aus der Kurpfalz - in der Oberpfalz. Die Ausstellung ist noch bis 1. November an Sonn- und Feiertagen zwischen 13.30 bis 17 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei.
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