Beim verspäteten Lichtmess-Empfang von Kloster und Gemeinde Speinshart steht Flüchtlingsfrage ...
Zur Begegnung berufen

Beim verspäteten Lichtmess-Empfang von Kloster und Gemeinde im Musiksaal der Internationalen Begegnungsstätte stand besonders die Flüchtlingsfrage im Mittelpunkt. Zu dem derzeit alles bewegenden Thema war Sozialministerin Emilia Müller (vorne, rechts) die ideale Ansprechpartnerin.
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Speinshart
01.03.2016
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Auch die Speinsharter selbst waren beim Lichtmess-Empfang willkommene Gäste. Bilder: do (2)

"Vielleicht schaffen wir es doch", gab sich Abt Hermann Josef Kugler mit Blick auf die besonderen internationalen Herausforderungen der vergangenen Monate vorsichtig optimistisch. Ein "Weiter so" gehe nicht mehr, erklärte dagegen Sozialministerin Emilia Müller. Die Aufnahmekapazitäten seien nicht unendlich, sagte der Ehrengast mit Blick auf die "Völkerwanderung".

Diese beiden Kernbotschaften wurden beim verspäteten Lichtmess-Empfang von Kloster und Gemeinde vier Wochen nach dem offiziellen Fest ins Land hinausgeschickt. Es war ein Tag, an dem das Schicksal der Flüchtlinge und Asylbewerber die Leuchtkraft Speinsharts trotz eines weiß-blauen Bayernhimmels ein bisschen beeinträchtigte.

Zudem sprach Prämonstratenser-Abt Hermann Josef Kugler - mit Bürgermeister Albert Nickl Gastgeber der Begegnung - offen ein Thema an, das nicht nur die Chorherren irritierte. "Auch hier in Speinshart zerfiel ein Traum", gab der Administrator des Klosters unumwunden zu. Der Schritt von Pater Lukas, den Orden zu verlassen, sei für Speinshart ein schwerer Schlag gewesen. Dennoch dankte er Florian Prosch für sein großes Engagement und wünschte ihm für sein neues Leben alles Gute.

Gutes erkannte der Abt auch in seinem Rück- und Ausblick auf die Klostersanierung. "Speinshart hat einen langen Weg hinter und eine gute Zukunft vor sich", urteilte Kugler und versprach, das Kloster und die Internationale Begegnungsstätte weiter zu stärken. Sein Dank galt den zahlreichen Unterstützern, vom Förderverein bis hin zu den vielen staatlichen und kommunalen Geldgebern.

Humanitäre Leistung


"Wir Ordensmänner und -frauen sind vor allem dazu aufgerufen, Menschen der Begegnung zu sein", betonte der Redner. Zu dieser Begegnung mit Menschen verschiedener Kulturkreise und unterschiedlicher Weltanschauungen seien die Prämonstratenser berufen.

Diese Vision einer Begegnungs- und Willkommensgesellschaft würdigte Sozialministerin Emilia Müller grundsätzlich: "Das Thema Gastfreundschaft und die Menschenschicksale durch Krieg, Verfolgung und Armut berühren uns alle." Nicht umsonst berichte die Bibel häufig davon. Der Freistaat habe diese Gastfreundschaft mehr als bewiesen, betonte sie. Unter dem Leitgedanken "Tugend ist Tat" erläuterte Müller die große humanitäre Leistung in bayerischen Landen und verwies auf die vielfältige Unterstützung, unter anderem durch ehrenamtliche Kräfte.

Die Grenzen der Machbar- und der Belastbarkeit sah die Ministerin dennoch erreicht. Hochrechnungen zufolge sei davon auszugehen, dass, wenn sich die Situation nicht ändere, in diesem Jahr noch einmal mindestens 1,5 Millionen Asylbewerber kämen. Dies aber sei nicht zu schultern. Emilia Müller sprach sich deshalb dafür aus, gegenzusteuern.

Als wichtigste Maßnahme nannte sie klare Obergrenzen. Nur so bleibe die Akzeptanz der Flüchtlinge bei der Bevölkerung erhalten. Der Ehrengast sandte ferner ein klares Signal an die Neuankömmlinge, die christlich-abendländische Kultur zu akzeptieren und die Integrationsangebote anzunehmen. Ein bayerisches Integrationsgesetz solle dazu beitragen.

Logistische Grenzen


Generell betonte das Kabinettsmitglied, dass man deutlich machen müsse, dass Deutschland nicht mehr aufnahmefähig sei. Es gebe logistische Grenzen und Grenzen bei der Bereitschaft der Einwohner, Flüchtlinge aufzunehmen. Und Müller warnte vor einem "Verdrängungswettbewerb": Leistungskürzungen für die einheimische Bevölkerung dürfe es nicht geben,

Schließlich unterstrich sie die Leistungskraft der Oberpfalz und würdigte die Schritte der Internationalen Begegnungsstätte als Brückenkopf zu den östlichen Nachbarn.

Das höchste Lob der OberpfälzerBürgermeister Albert Nickl schilderte dem Gast aus München die Entwicklung der Gemeinde "vom Dorf zur schmucken Braut". Als Fundament des Erfolgs betrachtete er den Gemeinsinn vieler Bürger.

Nach einem Dank an die zahlreichen Unterstützer - darunter eine Reihe von staatlichen Dienststellen - übermittelte Nickl der Ministerin mit einem "Passt scho" das höchste Lob der Oberpfälzer. In Erinnerung an frühere Lichtmess-Bräuche verlängerte er dann alle Verträge zum Wohle des Klosterdorfes und der Prämonstratenser-Abtei.

Weitere Ausführungen des Bürgermeisters galten der Sorge um die Folgen der Zuwanderung und damit verbunden der Befürchtung sozialer Spannungen. Der Freistaat habe jedenfalls in den vergangenen Monaten vorbildlich reagiert und Humanität praktiziert.

Es folgten ein Dank an Florian Prosch "als besten Geburtshelfer der Begegnungsstätte", Glückwünsche an den neuen "Steuermann" Thomas Englberger und - mit hoffnungsvollem Blick zur Ministerin - weitere Wünsche zur Unterstützung von Gemeinde und Abtei. (do)
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