Böhmisch und nicht staad
„Böhmische Hirtenmesse“ in der Klosterkirche Speinshart

Mit der Hirtenmesse des Tschechen Jakub Jan Ryba und weiteren ausgewählten Chorwerken von Händel und Bach stimmten der Kammerchor der Kreismusikschule Tirschenreuth, der Kirchenchor St. Anna aus Wernberg und das Kammerorchester Stiftland in der Klosterkirche Speinshart auf das Fest der Feste ein. Bilder: do (2)
Vermischtes
Speinshart
23.12.2015
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Die staade Zeit des Advent wurde am Sonntag jäh unterbrochen. Zur Freude vieler Musikliebhaber. Die "Böhmische Hirtenmesse" lockte die Besucher weg vom Weihnachtsstress in die Klosterkirche Speinshart.

Nicht staad, aber fesselnd und jubilierend richteten der Kammerchor der Kreismusikschule Tirschenreuth und der Kirchenchor Wernberg-Köblitz zusammen mit dem Kammerorchester im Stiftland den Blick auf das Geschehen an der Krippe. Das Verlangen nach einer Atempause, nach einem Rückzugsort vor gleichmachenden Weihnachtsmärkten war überwältigend. Die Oberpfälzer Chöre und Instrumentalisten lieferten mit der Musik von Jakub Jan Rybas "Böhmischer Hirtenmesse" ein glanzvolles Adventskonzert.

Ankunft der Hirten ertönt


Jubelnde Fröhlichkeit, etwa im "Meister schau! Steh schnell auf! Sieh nur, welche Pracht leuchtet in der Nacht", das Verkünden der Geburt Christi durch Engelsstimmen oder die Ankunft der Hirten an der Krippe gehörten am Sonntagnachmittag zur Grundstimmung des Werks. Dort, wo schon für gewöhnlich die Schönheit des süddeutschen Barocks die Besucher fasziniert, verzauberten unter der Leitung von Jakob Schröder (Tirschenreuth) und einstudiert von Helmut Burkhardt (Orgel) die vereinigten Chöre aus Tirschenreuth und Wernberg-Köblitz, begleitet vom Wohlklang des Stiftland-Kammerorchesters und der Solisten Simone Hahn (Sopran), Katharina Pötzl (Alt), Bernhard Müller (Tenor) und Wolfgang Braun (Bass). Festlich feierlich imponierten die "Engelsstimmen" Simone Hahn und Katharina Pötzl die Hörerschaft und die Tenor- und Basspassagen von Bernhard Müller und Wolfgang Braun verkündeten in völliger Stille mit farbigen Klangmalereien das Geschehen in der Heiligen Nacht. Schon vor Rybas Hirtenmesse bescherten die "Vereinigten Oberpfälzer Meistersinger" sozusagen als Vorspiel mit Bach und Händel Adventsklänge zum Genießen. Organist Helmut Burkhardt spielte aus dem Bach'schen Weihnachtsoratorium "Ich steh an deiner Krippen hier".

Dirigent Jakob Schröder begeisterte durch einfühlsame Interpretation. Als großzügiger Förderer des Konzerts erwies sich der Speinsharter Andreas Steinl.

Kulturerbe Tschechiens: Die HirtenmesseIn Böhmen gilt die Hirtenmesse als die Weihnachtsmesse schlechthin und erfreut sich dort seit ihrer Entstehung vor über 200 Jahren größter Beliebtheit. Jakub Jan Ryba komponierte sie als wichtiges Symbol tschechischer Weihnacht. Fast jeder Tscheche kennt die jubelnden Melodien, in bildhafter Sprache verfasst. Die biblische Handlung von der Verkündigung der Geburt Christi spiegelt die volkstümliche Musikalität des ländlichen Lebens wider.

Der Hirtenmesse konnte selbst die kommunistische Unterdrückung nichts anhaben. Heutzutage erfreut sie sich selbst in Prag größter Beliebtheit. In der Hauptstadt trifft sich alljährlich kurz vor dem Heiligen Abend die musikliebende Bevölkerung zu Hunderten auf der Kampa-Insel, um dort diese schlichte, volkstümliche Messe im Freien zu singen und zu musizieren. Nun entdeckten auch die böhmischen Nachbarn aus der Oberpfalz das große Werk Rybas. (do)
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