Chorgemeinschaft St. Georg Pressath glänzt mit Mozart-Requiem
Der Tod als glühendes Leben

Ein außergewöhnliches Klangerlebnis genossen die Besucher beim Mozart-Requiem in der Klosterkirche. Die Chorgemeinschaft St. Georg Pressath unter Leitung von Richard Waldmann brillierte mit einer der schönsten Vertonungen der katholischen Totenmesse. Begleitet wurde die Aufführung von einem Projektchor. Bild: do
Vermischtes
Speinshart
08.11.2016
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Ein außergewöhnliches Klangerlebnis genossen die Besucher beim Mozart-Requiem in der Klosterkirche. Die Chorgemeinschaft St. Georg Pressath unter Leitung von Richard Waldmann brillierte mit einer der schönsten Vertonungen der katholischen Totenmesse. Begleitet wurde die Aufführung von einem Projektchor. Bild: do

Wie ein Fenster zum Himmel offenbart sich am Sonntag in der Klosterkirche in Speinshart der Gesang der Chorgemeinschaft St. Georg Pressath. Mit innigem Glanz macht der gewaltige Chor den alten Text einer Totenmesse hörbar.

Viele Menschen begegnen dem "Jüngsten Gericht" mit Zweifel und Fragen. Auch der Text des Mozart-Requiems spricht den aufgeklärten Vernunftmenschen nicht unbedingt aus dem Herzen. Hat doch die Lehre von einem zürnenden Gott, auf der das zentrale Kernstück des Requiems fußt, die Christen jahrhundertelang in Angst und Schrecken versetzt. Und doch verkündet die heutige Theologie die Vorstellung von einem allgütigen, liebenden Gott. In diesem Sinne ist auch das Mozart-Requiem heute zu sehen. Der Tod als Beruhigendes und Tröstendes.

Legt man beim Hören der Mozartschen Totenmesse diese Gedanken zugrunde, fällt es schwer, seine wunderbare Musik als Ausdruck von Schwermut und Ängsten zu empfinden. Vielmehr vermittelt es schon im Introitus ein Gefühl der Ruhe. Die Melodie dieser Textstelle ist Hauptthema des Requiems und zieht sich wie ein roter Faden durch das Werk.

Am Sonntag wird das Mozart-Requiem KV 626 zum Herz- und Glanzstück eines grandiosen Konzerts. Mehr als 500 Besucher zieht es nach Speinshart. Das barocke Kleinod der Klosterkirche platzt aus allen Nähten. Meist nehmen sich nur Profimusiker dieser Messe an. In Speinshart sind es Laiensänger mit profihafter Einstellung, die mit Begeisterung den Tod in glühendes Leben verwandeln. Unterstützt werden die Sänger von einem Projektorchester aus Kollegen, Freunden und Bekannten des Chorleiters Richard Waldmann. Als Ouvertüre dient Mozarts Ave Verum KV 618, ein stimmungsvoller Auftakt, der noch verstärkt wird durch einen "Contrapunctus" aus "Die Kunst der Fuge" von Johann Sebastian Bach, einem ebenfalls im Angesicht des Todes geschriebenen Werk.

Die Aufführung verleiht dem Chor- und Orchesterwerk eine ganz besondere Ausstrahlung. Der Hauch des Geheimnisvollen, das die Entstehungsumstände umweht, ist auch in der Klosterkirche zu spüren. Momente des "in sich Gehens" entstehen bei den Einleitungssätzen Introitus und Kyrie. Unüberhörbar dann die rhythmischen Punktierungen und barocken Satzbildungen etwa in den Sequenzen oder im Offertorium.

Die "Tage des Zorns" oder die Huldigung des "Königs der Herrlichkeit" wechseln sich energiegeladen mit innig-tragenden Momenten ab. Demutsvoll-leise Passagen spiegeln die Gottesfürchtigkeit wider. Seligkeit hier, Trauer dort, eine begnadete Variationsbreite, die auch von den Solisten ausgeht. Sie bildeten eine harmonische Einheit: Sopran Dorothee Velten mit leidenschaftlicher Innerlichkeit, der warmherzige Bass Robert Eller, Michael Birgmeier als Meister-Tenor und die anschmiegsame Altstimme von Michaela Reiser-Schenk.

Niemand wird bestreiten, dass Wolfgang Amadeus Mozart mit der Komposition seiner Totenmesse Großes gelang. Ebenso groß war sicher auch die Vorbereitung der Chorgemeinschaft St. Georg auf das Mozart-Requiem. Und genauso großartig ist ihr Verdienst, diese Messe den begeisterten Zuhörern nahezubringen. Zum vokalen und instrumentalen Glanz gesellte sich das famose Dirigat des leidenschaftlichen Maestros Richard Waldmann. Mit stehenden Ovationen würdigten die Besucher ein einzigartiges Klangerlebnis.
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