Deutsch beim Semmelkauf
Drei Migranten aus Speichersdorf stellen in Speinshart ihre Lebensgeschichte vor

Die Protagonisten des Buchs und des Abends (von links): Alexandra Meyer, David Mancia und Salima El Bali.
Vermischtes
Speinshart
15.01.2016
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Die Protagonisten des Buchs und des Abends (von links): Alexandra Meyer, David Mancia und Salima El Bali.

Drei "Angekommene" in Speichersdorf. Ein Buch erzählt die Schicksale von drei Migranten. Bei der Buchvorstellung ihrer Lebensgeschichte im Kloster Speinshart berichteten sie von Flucht und Ankunft.

Sie erinnerten an Flucht, Umsiedlung und die Integrationjahre. Getreu dem Motto "In der Welt zu Hause, in Speichersdorf daheim" beantworteten drei Speichersdorfer beim Begegnungsform in Speinshart (wir berichteten) Fragen. Im Werk "Angekommen" erzählen Herausgeber Ulrike Sommerer, Dolores Longares-Bäumler und Christian Porsch deren Biografien.

Alexandra Meyer sagt mit Nachdruck: "Ich bin keine Deutsche! Ich bin Russin!" Und doch fühlt sie sich in Speichersdorf zu Hause. Verbindungen zu Deutschland gab es über Generationen. Der Opa während und nach dem Ersten Weltkrieg sieben Jahre in deutscher Kriegsgefangenschaft, der Vater Besatzungssoldat in Berlin und jetzt sie, Russin in Deutschland.

Jeder kennt jeden


Alexandra, die junge Lehrerin, wurde in Kirgistan in ein von Wolgadeutschen besiedeltes Dorf geschickt. Die Liebe bringt sie mit Wilhelm zusammen. Drei Söhne kamen zur Welt. Aber die Zeiten änderten sich. Mit Sack und Pack verließen die Deutschen das Land. Alexandra ging mit ins Ungewisse. Ihren Beruf musste sie für Deutschland aufgeben. Statt zu unterrichten, ging sie putzen, jobbte in der Porzellanindustrie, kümmerte sich um alte Menschen. In Speichersdorf begegnete ihr Misstrauen, aber auch Gastfreundschaft, Hilfe und Freundschaft. Sie wurde Mitglied der Kochgruppe. Beim Semmel kaufen lernte sie deutsch, verriet sie in Speinshart. Ob sie nun in Speichersdorf zu Hause ist? Na klar. "Nach 20 Jahren kenne ich jeden, und mich kennt auch jeder."

Als Weltenbummler mit Speichersdorfer Verwurzelung beschreibt sich David Mancia . Auch der Honduraner blieb wegen der Liebe in Speichersdorf hängen. Sein Rettungsanker wurde zunächst der Vorbacher Autozulieferer Novem. Mancia wurde Mitarbeiter bei Novem in Honduras. Niederlassungen der Firma führten ihn in alle Welt. In der Fremde lernte Mancia Martina Kuhbandner kennen und lieben. Sie verständigten sich auf Spanisch. "Sprachen sind Brücken", sagte er im Interview, "und die Sprache öffnet Herzen". Sein Bekenntnis zu seiner neuen Heimat ist liebevoll, "auch wenn die Winter hier grauenhaft sind". Der Winter in Honduras bringe Temperaturen von 20 Grad Celsius. Dem Nachwuchs empfahl David Mancia, viel zu reisen, Leute kennen zu lernen und viele Sprachen zu lernen.

Angekommen sind auch El Habib Bousfia und Salima El Bali . Nach einer gescheiterten Ehe mit einer deutschen Partnerin suchte der Marokkaner nach einer Partnerin. "Fündig" wurde er bei einem Kennenlerntreff in Marokko. Die Hochzeit folgte auf dem Fuß, die Behörden in Deutschland witterten bei der Rückkehr von El Habib eine Scheinehe. Es folgte ein dreijähriges Ringen um Anerkennung. Mit keinem Wort Deutsch dufte Salima El Bali schließlich 2007 zu ihrem El-Habib nach Speichersdorf.

Winter zu kalt


"Am Anfang war in Speichersdorf nur das traute Heim", gab sie in Speinshart zu. Radebrechend lernte sie Schritt für Schritt bei Einkäufen und Besuchen und im ständigen Kontakt zur Gesellschaft die deutsche Sprache. "Schön, Sie kennen zu lernen", war ein Satz, den sich die dreifache Mutter einprägte. Auf die Frage, was ihr half, heimisch zu werden, riet Salima, sich den Einheimischen zu öffnen und ihre Kultur zu akzeptieren. "Ich bin angekommen", beteuerte sie. Salima engagiert sich im Kindergarten und in der Schule. Nur eines fehlt dem Paar aus der alten Heimat: das schöne und warme Wetter.
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