Die Prämonstratenser im Osten
Reformer und Kolonisatoren

Vermischtes
Speinshart
20.06.2016
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Eine Zeit des Aufbruchs: die Zeit um 1100. Neue Ordensgemeinschaften warben für eine "konservative Revolution" in einer verkrusteten und entseelten Kirche, die sich in Kreuzzüge stürzte, um fragwürdige "Größe" zu demonstrieren. Unterdessen waren slavisch besiedelte Gebiete östlich der Elbe noch für Christentum zu sichern.

Welche Rolle spielte der "Reformorden" der Prämonstratenser bei der "Kolonisation" des heutigen Mittel- und Ostdeutschlands? Dieser Frage ging der brandenburgische Kirchenhistoriker und Leiter des Burgmuseums Ziesar, Dr. Clemens Bergstedt, in seinem Vortrag "Prämonstratenser an Elbe und Havel" im Dientzenhofersaal des Klosters nach. Die 1120 gegründeten Prämonstratensern hätten die Region mitgeprägt, seit sich ihr Gründer Norbert von Xanten 1126 zum Erzbischof von Magdeburg habe berufen lassen.

Als Erzbischof, so Bergstedt, habe Norbert versucht, Veränderungen im Sinne der Reformbewegung durchzusetzen: "In seinem Erzbistum war einiger Schlendrian eingezogen, und er ging daran, die wirtschaftlichen Verhältnisse neu zu ordnen, aber auch Priesterehen zu unterbinden." Zu seiner Unterstützung habe er das Magdeburger Kollegiatsstift "Unser Lieben Frauen" 1129 "seinem" Prämonstratenserorden übergeben und die Leitung übernommen. "Wegen seines Durchgreifens gab es zwei Mordanschläge und einen Aufstand gegen ihn", erzählte Bergstedt.

Im zwölften Jahrhundert seien große ostelbische Gebiete unter deutsche Botmäßigkeit gebracht und christianisiert worden. Hierbei waren insbesondere Herzog und Markgraf Albrecht der Bär, die sächsischen Herzöge Lothar von Supplinburg und Heinrich der Löwe sowie Bischof Otto von Bamberg federführend.

Dort hätten die Prämonstratenser Stifte wie Leitzkau und Jerichow bei Magdeburg, Parduin/Brandenburg und Grobe auf Usedom als Missionsstützpunkte gegründet, wusste Bergstedt. Auch die Domstifte in Havelberg, Brandenburg und Ratzeburg seien in die Hand der Prämonstratenser gelegt worden: "So spielte dieser Orden eine bedeutende Rolle bei Christianisierung und Landesausbau im pommerschen, brandenburgischen und ostsächsischen Raum."

1435 habe der erste hohenzollersche Kurfürst von Brandenburg, Friedrich I., ein Stift am Harlungerberg bei Brandenburg gegründet. Alle diese Klöster seien spätestens in der Reformation verschwunden. Prämonstratensische "Spuren" hätten sich bis heute im jetzt evangelischen Dom zu Brandenburg erhalten, wo sich auch das für die Ordensgeschichte besonders wertvolle Domstiftsarchiv befinde. (Hintergrund )
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