Freundschaft der Kindergärten aus Speinshart und Tepl: 25 Kinder, Eltern und Erzieherinnen aus ...
Gelungener Brückenschlag

"Die Oberpfälzer sind eine gelungene slawisch-fränkisch-bayerische Mischung": Zwölf Kinder, zehn Elternteile und drei Erzieherinnen aus Tepl hörten mit zehn Speinsharter Vorschulkindern und ihren zwei Erzieherinnen aufmerksam zu, als Pater Benedikt Schuster (rechts, mit Übersetzerin Lenka Uschold) aus der Kloster- und Landesgeschichte erzählte. Bild: bjp
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Speinshart
04.05.2016
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"Wie heißt du?", fragte die Besucherin aus Tepl das Speinsharter Mädchen auf Deutsch. Die Antwort kam ohne Zögern auf Tschechisch: "Já jsem Madeleine." Die vor zweieinhalb Jahren zwischen den Kindergärten der beiden Klostergemeinden geschlossene Freundschaft trägt buchstäblich "völkerverständigende" Früchte.

Das war nicht zu überhören, als eine 25-köpfige Abordnung aus Westböhmen die Oberpfalz besuchte. In seinem Element war dabei auch Prior Benedikt Schuster: Er gab den 12 Kindern und 13 Erwachsenen aus der Tschechischen Republik in der Klosterkirche und auf dem Barbaraberg eine anschauliche Geschichtsstunde.

Ins Blickfeld rückte er dabei die vielfältigen oberpfälzisch-böhmischen Berührungspunkte: "Die erste nachweisbare nennenswerte Besiedlung unserer Gegend erfolgte im Mittelalter von Osten her. Auf diese Slaven folgten später die Franken und Bayern." Der vor gut 20 Jahren auf dem Barbaraberg entdeckte, etwa 1100 Jahre alte Friedhof illustriere dies: "In den Gräbern wurden Schläfenringe gefunden, die als typisch slawische Schmuckstücke gelten."

Uralte Beziehungen


In der Johannes-Nepomuk-Beichtkapelle der Klosterkirche erwähnte Pater Benedikt, dass der böhmische Heilige auch als einer der Landespatrone Bayerns verehrt werde. Mit der Ausstellung der monumentalen Bildwerke des tschechischen Künstlers Patrik Hábl rücke die Internationale Begegnungsstätte Kloster Speinshart die uralten Beziehungen einmal mehr ins Bewusstsein.

"Schon seit 2008 haben wir uns mit dem Gedanken getragen, mit dem städtischen Kindergarten in Tepl freundschaftliche Beziehungen anzuknüpfen", blickte Waltraud Wagner, die Leiterin des Speinsharter Kindergartens, beim Besuch der tschechischen Gruppe zurück. Diese Entscheidung habe man bewusst getroffen, denn die Prämonstratenser-Abteien Speinshart und Tepl seien seit dem Mittelalter eng miteinander verbunden.

"Bekräftigt wurde dies, als unser Kloster nach seiner Wiedergründung 1921 mit Prämonstratenser-Chorherren aus Tepl neu besiedelt wurde." Als Vorarbeit habe die Oberpfälzer Kindertagesstätte zunächst das Angebot des deutsch-tschechischen Jugendbegegnungswerks "Tandem" wahrgenommen, die Mädchen und Buben durch spielerische Sprachkurse mit dem "nah-entfernten" Nachbarland vertraut zu machen. Ab 2013 hätten dann die Kindergartenleitungen erste Kontakte aufgenommen

"Botschafterin" aus Pressath


Als Glücksfall habe sich dabei erwiesen, dass "Tandem" mit Lenka Uschold eine "Botschafterin" zur Hand gehabt habe, die nicht nur aus Tschechien stammt, sondern obendrein nur wenige Kilometer entfernt in Pressath ihre zweite Heimat gefunden hat: "Wo es noch mit der Verständigung hakt, baut sie seither die sprachliche Brücke."

Innerhalb kurzer Zeit, erläuterte Waltraud Wagner, sei die Freundschaft zwischen den Kindergärten unter Dach und Fach gewesen: "Am 9. November 2013 haben wir in Speinshart die ersten persönlichen Mitarbeitergespräche geführt, der Gegenbesuch in Tepl folgte im März 2014."

Gut ein Jahr später, im Juni 2015, seien dann erstmals Kinder und Eltern aus Bayern nach Böhmen gereist: "Und nun begrüßen wir unsere tschechischen Freunde hier bei uns." Die waren sichtlich angetan von der Oberpfälzer Gastfreundschaft und dem vor sechs Jahren von Grund auf modernisierten Kindergarten.
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