Hegegemeinschaft Pressath
Wildschweine im Visier

Die bei der Hegeschau im Gemeindezentrum Speinshart vorgestellten Gehörne gaben Auskunft über Qualität und Gesundheitszustand des Rehwildes in den drei Hegegemeinschaften Kirchenthumbach, Neustadt am Kulm und Pressath. "Die Konstitution der Tiere ist gut. Es sind keine besonderen Krankheitsanzeichen zu beobachten", freute sich stellvertretend Albert Butscher. Bilder: rn (2)
Vermischtes
Speinshart
27.04.2016
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Auf die Abschusszahlen sowie die Situation und die Probleme in den Wäldern und Fluren gingen die Hegeringleiter (von links) Norbert Deitzer (Kirchenthumbach), Alfred Petratschek (Neustadt am Kulm) und Albert Butscher (Pressath) bei der Hegeschau in Speinshart ein.

Die Schwarzkittel stehen weiterhin im besonderen Fokus der Jäger. Bei der jährlichen Hegeschau der Hegegemeinschaften Kirchenthumbach, Neustadt am Kulm und Pressath forderte Albert Butscher eine "wirkungsvolle Reduktion" des Schwarzwildes. Dabei gebe es kein besseres Mittel als "Schießen, schießen, schießen".

Für die Hegegemeinschaft Pressath der Kreisgruppe Eschenbach im Landesjagdverband sprach deren Leiter im Gemeindezentrum von einer Steigerung der Wildschwein-Abschüsse im Vergleich zum Vorjahr um 62 Prozent. Kirchenthumbach verbesserte sich in Zahlen von 124 auf 193 Schwarzkittel.

Die Idee der Landtags-Grünen, Zwangsgelder für Hegegemeinschaften einzuführen, die ihren Rehwild-Abschuss nicht erfüllen, hat in der Region keine Grundlage. Die Jäger klagen vielmehr über den hohen Anteil an Fallwild, der in einem Neustädter Revier sogar bei 75 Prozent liegt. Einschließlich des Fallwildes wurden im Jagdjahr 2015 in den drei Hegegemeinschaften insgesamt 1035 Rehe, 514 Wildschweine, 56 Hasen, 453 Füchse, 35 Marder, 49 Dachse, 58 Graureiher, 24 Kormorane, 362 Stockenten, 60 Eichelhäher, 95 Rabenkrähen, 47 Elstern sowie 6 Kanada- und Nilgänse erlegt.

"Die Konstitution des Rehwildes ist gut. Es sind keine besonderen Krankheitsanzeichen zu beobachten", stellte Butscher fest. Als Beweis dafür verwies er auf die auf langen Tischreihen ausgestellten Gehörne. Als ein durch "endlose Diskussionen und theoretische Rezepte" nicht zu lösendes Thema bezeichnete er das Schwarzwild-Problem. Dessen Vorkommen sei nach wie vor zu hoch.

Auch Witterung ein Grund


Den Grund dafür fand der Leiter der Pressather Hegegemeinschaft in optimalen Lebensbedingungen sowie zunehmender Schläue und früher Geschlechtsreife der Tiere. Hinzu kämen "bestandsfördernde Witterungsbedingungen" wie schneearme und trockene Winter. Trotzdem hätten die Jäger mehr als ihre Pflicht getan. Butscher beklagte auch die erschwerten Bedingungen für Drückjagden, unter anderem durch Verkehrswege und Personenbewegungen. Den Rückgang der Jagd auf Marder begründete er mit deren Rückzug in Wohngebiete: "Dort ist die Luft bleifrei." Bei Reihern erkannte er eine Zunahme insbesondere der Seidenreiher, die nicht bejagbar sind. Hinsichtlich der zum Leidwesen der Fischer verstärkt auftretenden Kormorane forderte der Redner die Solidarität der Jäger ein.

"Die Jägerschaft hat die Vorgaben der Abschusspläne zielstrebig und voll erfüllt, gegenüber allen Wildarten verantwortungsbewusst und umsichtig gehandelt, gefährdete Arten zurückhaltend bejagt und in der Schwarzwildbejagung das Mögliche getan." So lautete das Resümee des leidenschaftlichen Jägers und Forstmannes. Er beklagte allerdings, dass der Jäger oft in der Schusslinie "recht inkompetenter Gegner" stehe. Diese wollten jedoch nicht polarisieren, sondern "das gemeinsam tragbare Neue" suchen.

10 statt 15 Prozent


"Das durchschnittliche Gewicht des erlegten Rehwildes ist leicht angestiegen", berichtete Norbert Deitzer. Der Leiter der Hegegemeinschaft Kirchenthumbach erinnerte an das Verbissgutachten 2015, aufgrund dessen das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten eine Erhöhung des Reh-Abschusses um 15 Prozent gefordert hatte.

"In einem Gespräch mit Forstdirektor Moritz Neumann konnten wir uns einvernehmlich auf eine Erhöhung um zehn Prozent einigen", informierte er. Deitzer rief alle Revierinhaber dazu auf, dies beim neuen Abschussplan zu berücksichtigen. Dank sagte er der Polizei, die mit Kennzeichnungen an der Straße das Nachsuchen bei Wildunfällen erleichtert.

Wegeränder der Natur zurückgebenIn seinem Bericht für die Hegegemeinschaft Neustadt am Kulm bedauerte deren Leiter Alfred Petratschek, dass das Rehwild als Hauptwildart immer mehr nachtaktiv werde. Als Grund dafür nannte er Störungen durch Wanderer und Nordic-Walker sowie sonstige Beunruhigungen. Es werde daher immer schwieriger, den Abschussplan zu erfüllen. Positiver sah er die Situation bei den Hasen: "Aufgrund des regenarmen und warmen Frühjahrs 2015 konnte eine gute Population festgestellt werden."

"Bewachsene Bankette, Feldraine und Grabenränder sind unersetzliche Äsungs-, Brut- und Deckungsbiotope." Mit dieser Aussage griff Petratschek das Thema des Landesjägertags in Weiden auf: "Wie kann man Niederwild schützen?". Er beklagte, dass dort, wo vor Jahren noch bewachsene Wegeränder mit Rainfarn, Kamille, Vogelwicke und Malve anzutreffen waren, heute die landwirtschaftliche Nutzfläche direkt an den Feldweg grenze.

"Hier konnten Schmetterlinge ihre Eier ablegen, so manche Geiß äste gelegentlich oder eine Kette Hühner war bei der Futteraufnahme", sagte er und rechnete vor, welch "ökologischer Lindwurm" bundesweit verloren gehe. Petratschek rief die Landwirte dazu auf, das sich angeeignete Land wieder der Natur zurückzugeben. (rn)
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