Michael Altmann bestimmt Apfelsorten
Bescheidener Geheimrat

Mehr als drei Stunden gab Pomologe Michael Altmann (sitzend) Auskunft über Bäume und Früchte. Bis aus Pegnitz, Hersbruck und dem Fichtelgebirge kamen die Besucher. Bild: gpa
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Speinshart
12.10.2016
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Haselbrunn. Aus welchen Apfelsorten entsteht mein Saft? Antwort gab der Schwarzenbacher Pomologe Michael Altmann. Maria Ott hatte den Experten in die Mosterei eingeladen. Wo sonst die Fruchtpresse läuft und Äpfel in Saft verwandelt, gab es statt lauter Motorengeräusche leise Töne. Altmann bestimmte die Äpfel, die ihm die Kunden vorlegten, stundenlang zog er Gäste in den Bann.

Altmann gab geduldige Erklärungen zu den alten Sorten, die in heimischen Gärten zu finden sind. Viele Baumbesitzer bekamen neben der Sorte auch Tipps zum Anbau. Der Pomologe warnte vorm Apfelschorf als gefährlichste Apfelbaum-Erkrankung. Der Schorf beeinträchtige die Lagerfähigkeit der Früchte. Altmann stellte den "Rheinischen Winterrambur", auch "Jägerapfel" genannt vor, eine alte Sorte, ein weit verbreiteter Winterapfel auf den Streuobstwiesen, säurearm und vitaminreich. Der "Rote Herbstkalvill", eine historische Sommerapfel-Streuobstwiesen-Sorte, gibt hellroten Saft.

Die "Wachsrenette" ist eine alte bayerische Sorte, der "Kaiser Wilhelm" besonders in bäuerlichen Streuobstwiesen verbreitet und "Kaiser Alexander" ist ein russischer Herbstapfel. Eine andere alte Sorte, die auf vielen Obstwiesen zu Hause ist, sei der "Lohrer Rambur". Reif ist der saftige Tafelapfel mit schwacher Säure Ende Oktober. Aber nicht alles kam gut an: "Geschmacklich von bescheidener Qualität" lautete das Urteil über den süß-säuerlicher Tafelapfel "Geheimrat Dr. Oldenburg".

Dass auch der Fachmann noch nicht ausgelernt hat, bewiesen ihm zwei ältere Damen. Sie mussten 1939 wegen der Erweiterung des Übungsplatzes ihren Heimatort Hopfenohe verlassen. Von dort hatten sie Äpfel dabei, die Altmann nicht zuordnen konnte. "Die Sorte steht in Aroma und Geschmack heutigen nicht nach, ein super Apfel, etwa 100 Jahre alt." Die Äpfel werden nun im landwirtwirtschaftlichen Bildungszentrum in Triesdorf begutachtet. Die Damen erhalten von Altmann Bescheid, wenn er mehr weiß. "Es gibt viele Apfelsorten, die auch Allergiker verzehren können. Ein Phänomen, das auf die Phenole zurückzuführen ist." Es sei schade, dass die Phenole rausgezüchtet wurden, jetzt züchte man wieder Äpfel mit Phenolen.

Gute AdresseDie Mosterei laufe gut, berichtete Maria Ott von der aktuellen Kampagne. "Unser Service wird anerkannt, die Zahl der Neukunden steigt." Keine Wartezeiten und die Garantie, den Saft der eigenen Früchte zu bekommen, sei das Plus der Anlage. (gpa)
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