Nahwärmeverbund im Speinsharter Klosterhof laut Gutachten unwirtschaftlich
Ein ernüchterndes Ergebnis

Die Investitions- und Betriebskosten sind zu hoch. Deshalb wird es vermutlich auf längere Sicht im historischen Klosterhof kein Blockheizkraftwerk mit Nahwärmeverbund für die Anwohner geben. Thomas Gollwitzer (Mitte) und Enise Hofmann vom Institut für Energietechnik erläuterten Bürgermeister Albert Nickl (rechts) und den Anwohnern die Berechnungsgrundlagen. Das Interesse bei der Vorstellung des Gutachtens war groß: Fast jede Familie war vertreten. Bild: do
Vermischtes
Speinshart
29.04.2016
78
0

Ein geschlossenes Ortsbild, dazu die mächtige Klosteranlage und der Klostergasthof: die ideale Voraussetzung für einen Nahwärmeverbund im Speinsharter Klosterhof, oder? Trotzdem wird nichts aus diesen Plänen. Ein Energienutzungsplan für den Dorfkern macht deutlich, warum.

Die Hoffnungen von Bürgermeister Albert Nickl und vieler Anwohner auf eine Nahwärmeversorgung des historischen Klosterhofes waren groß. Noch größer ist nun die Enttäuschung: Das Institut für Energietechnik (IFE), eine Tochter der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden, kommt in seinem Gutachten zu einem vor allem aus ökologischer Sicht ernüchternden Ergebnis. "Dem Projekt fehlt die Wirtschaftlichkeit", urteilte Thomas Gollwitzer bei der Vorstellung seiner Arbeit im Sitzungssaal des Gemeindezentrums. Die Nahwärme im Dorfkern bleibt somit ein Schubladenprojekt.

Bürgermeister und Anlieger, unter ihnen auch der Prior des Klosters, Pater Benedikt, und Provisor Pater Andreas, lauschten den spannenden Ausführungen des Master-Ingenieurs. Mittels welcher Technologie die Liegenschaften mit Nahwärme versorgt werden könnten, stand nach einer Bedarfsumfrage bei den Hauseigentümern zunächst im Mittelpunkt der Prüfung.

Länge und Effektivität


Gollwitzer untersuchte die Versorgungsvarianten Heizöl, Flüssiggas und Holzgas und beleuchtete die Kombinationen Hackschnitzel oder Pelletheizung plus Heizölkessel. Dazu gehörten auch Untersuchungen über Länge und Effektivität des Netzes. Der Ingenieur kam dabei je nach Standort eines Blockheizkraftwerks (BHKW) auf Trassenlängen zwischen 510 und 785 Meter. Auch Erhebungen zu Wärmebelegungsdichten und Netzverlusten waren Bestandteil der Kalkulation.

Als nächsten Planungsschritt berechnete der Wissenschaftler die Investitions-, Betriebs- und Kapitalkosten für die einzelnen Varianten unter Berücksichtigung üppiger öffentlicher Fördergelder für Holzvergaser-, Holzhackschnitzel- und Holzpellet-Kraftwerke. Die ermittelten Wärmegestehungskosten in Cent je Kilowatt (kWh) offenbarten Überraschendes. Mit 11,2 Cent lag der kWh-Preis bei einem Betrieb mit Heizöl am günstigsten. Thomas Gollwitzer kalkulierte allerdings mit einem aktuellen Heizölpreis von 35 Cent pro Liter plus Mehrwertsteuer.

Es folgten die Varianten Holzhackschnitzel mit Heizöl-Spitzenlastkessel (13,1 Cent), Flüssiggas (13,4 Cent), Holzvergaser-Kraftwerk (14,1 Cent) und abgeschlagen die Holzpellets-Heizung mit Öl-Spitzenlastkessel (14,6 Cent). Der derzeitige Preis für Erdöl und Erdgas rechtfertige deshalb keine Investition in einen Nahwärmeverbund mit BHKW-Holzheizung, schloss der Referent schon einmal die Hoffnung auf Verwendung nachwachsender Rohstoffe aus.

Preis explodiert im Verbund


Die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung auf 20 Jahre ging noch einen Schritt weiter: Der Ingenieur hat dafür die Wärmegestehungskosten in einem Verbund ermittelt und mit den derzeitigen Referenzkosten für Einfamilienhäuser und Großverbraucher verglichen. Gollwitzer errechnete aktuelle Gestehungskosten für den Großverbraucher Kloster zwischen 4 und 5 Cent pro kWh und von zirka 10 Cent bei Wohnungen. Dagegen explodiere der Preis im Verbund, stellte er angesichts von Kilowatt-Preisen zwischen 11 und fast 15 Cent je nach Variante fest.

Das Fazit seiner Expertise war deshalb eindeutig: "kaum Wärmebedarf in den Sommermonaten, ungünstige Verbraucherstruktur, hohe Investitionskosten für die Heizzentrale, lange Nahwärmetrasse". Es fehle auch ein homogenes Verbraucherprofil. Diese Faktoren führten zu der Empfehlung, auf eine zentrale Wärmeversorgung zu verzichten.

Das grundsätzliche Ziel, eine weitgehend verbrauchsarme, auf erneuerbare Energien gestützte Nahwärme zu bauen, sei derzeit im Klosterhof nicht erreichbar. Ein "Todesurteil" für künftige Verbundlösungen sah der Gutachter darin dennoch nicht: Er empfahl eine erneute Prüfung bei deutlich höheren Preisen für fossile Brennstoffe.

Langfristig betrachtenAufgeben will Bürgermeister Albert Nickl angesichts der Ergebnisse des Gutachtens nicht. Er verwies auf die Vorreiterrolle der Gemeinde bei der Nutzung von Abwärme aus einer Biogas- und Hackschnitzel-Heizanlage durch Kindertagesstätte und Grundschule. Auch Anlieger in der Gereon-Motyka-Siedlung nutzen dieses Angebot. Einen positiven Ansatz zur Langzeit-Betrachtung sah auch Prior Pater Benedikt. Die Entwicklung des Ölpreises habe niemand in der Hand. Diese Abhängigkeit sei beim Brennstoff Holz deutlich geringer.

Für die Anwohner des Klosterhofes waren die Berechnungen des Energieinstituts kostenlos. Die Gutachterkosten von gut 20 000 Euro teilen sich die Gemeinde (30 Prozent) und der Freistaat (70 Prozent). (do)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.