Pater Lukas Prosch verlässt den Orden der Prämonstratenser Chorherren
Zölibat nicht der einzige Grund

Lukas Prosch verlässt den Orden der Prämonstratenser Chorherren. Der Geistliche machte sich als "Kultur-Manager" einen Namen. Bild: privat
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Speinshart
26.10.2015
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Das ganze Jahr kämpfte Pater Lukas Prosch mit dem Entschluss. Sein Wunsch nach Entlassung aus dem Prämonstratenser Konvent in Speinshart aus „persönlichen Gründen“ kam für Zehntausende Besucher der Konzerte wie ein „Blitz aus heiterem Himmel“.

„So ging es jedenfalls nicht mehr weiter“, sagt der Ex-Ordensmann. Lukas Prosch ringt um Worte in der sensiblen Situation. Ihm sei die Region ein Anliegen wie die Zukunft des Klosters, das in den vergangenen Jahren außerordentliche spirituelle und kulturelle Strahlkraft entwickelte: Wesentlich unter der Regie des jungen Geistlichen, der Herzblut und Energie in die „Internationalen Begegnungsstätte Kloster Speinshart“ steckte. 2010 initiierte er die Sommerkonzerte und später holte er mit Sissy Thammer das Festival junger Künstler Bayreuth in die Oberpfalz. 15.000 bis 20.000 Besucher zählt die Klosteranlage im Jahr.

Zwiespalt

Zu rund 25 Konzerten jährlich kommen Events wie die Klosternacht, der „etwas andere Advent“, religiöse Ausstellungen oder Kunstinstallationen. „Netzwerke aufbauen und dem Ruf des Klosters Glanz verleihen“, sagt Pater Lukas. Er spricht vom Zwiespalt, „zwischen verschiedenen Arbeitsfeldern zu stehen“. Dies habe zur Überlastung geführt. Der 2014 von Weihbischof Reinhard Pappenberger zum Priester geweihte „Kultur-Manager“ betont, dass es bei seinem Austritt aus dem bisher achtköpfigen Konvent nicht nur um die Absage an die „zölibatäre Lebensform“ geht, sondern auch die Verpflichtung zu „Gehorsam und persönlicher Armut eine Rolle spielen“.


Obwohl von seinen priesterlichen Aufgaben entbunden, stehe er dem Kloster „bis auf Weiteres“ zur Verfügung. Er will auf jeden Fall – dies klingt aus dem Telefongespräch heraus – im Einvernehmen den Orden verlassen. „Mir liegt sehr viel an einer guten Zukunft des Klosters und der Begegnungsstätte.“ In dieser Richtung äußerte sich auch der Vorsitzende des Fördervereins, Georg Girisch: „Es geht darum, dass die hervorragende Arbeit von Pater Lukas fortgesetzt wird.“ Seine Entscheidung sei zu respektieren. „Die Gemeinde Speinshart und der Landkreis Neustadt haben großes Interesse an der Zukunft der Begegnungsstätte“, erklärt Albert Nickl, Bürgermeister und stellvertretender Landrat.

Ihm sei klar, „dass die Begegnungsstätte ohne Lukas Prosch nicht wäre, was sie heute ist“. Deshalb hofft Nickl, dass es eine Zukunft für die Begegnungsstätte mit Prosch gebe. „Er hat den Konvent verlassen, das muss nicht bedeuten, dass er nicht weiter für die Begegnungsstätte arbeitet.“ Dies entscheide aber allein das Kloster.

"Nicht spekulieren"

Abt Hermann Josef Kugler möchte diese Möglichkeit nicht ausschließen. Mit den Chorherren des Konvents und Begegnungsstätten-Referent Thomas Englberger will Abt Hermann Josef zeitnah nach Lösungen suchen. Vorher wolle er nicht „über die Zukunft spekulieren“. Allgemein erklärt Abt Kugler, dass der Orden der Prämonstratenser für seine Mitglieder der zeitlichen Profess Beiträge zur Altersvorsorge abführt.

„Wenn ein Ordensmann sich entscheidet, das Kloster zu verlassen, werden ihm diese Beiträge ausbezahlt. Juristisch sind wir jedoch zu nichts verpflichtet.“ Allerdings gebe es eine menschliche Verantwortung, „und der sind wir uns bewusst“. Deshalb stehe der Orden Aussteigern bei, bis sie auf eigenen Füßen stehen können.