"Speinsharter Annalen" geben Einblicke
"Ein Stück Klimageschichte"

"Wetter und Witterung im Speinsharter Klosterland" war der Vortrag von Dr. Marianne Rolshoven in der Internationalen Begegnungsstätte überschrieben. Bild: stg
Vermischtes
Speinshart
04.02.2016
60
0

Die "Annales Speinshartenses" sind kein Witterungsbuch, aber in den Jahrbüchern finden sich immer wieder Bemerkungen zum Wetter. "Die Annalen sind so etwas wie eine Fundgrube", sagte Dr. Marianne Rolshoven, Akademische Direktorin am Lehrstuhl für Physische Geographie der Katholischen Universität Eichstätt, bei ihrem Vortrag in der Internationalen Begegnungsstätte.

Mit "Wetter und Witterung im Speinsharter Klosterland" war die Veranstaltung überschrieben. Darin wertete Rolshoven Wetter- und Klimabeschreibungen aus, die in den alten Klosteraufzeichnungen überliefert wurden. "So lassen sich Veränderungen des Klimas über die Jahrhunderte verfolgen", erzählt Rolshoven. Die Speinsharter Annalen (Jahrbücher), die der Prämonstratenser Professor Ulrich Leinsle neu herausgegeben hat, sollen noch in diesem Jahr in Speinshart vorgestellt werden.

Die meisten Belege über das Wetter, so die Referentin, finde man in den Annalen ab etwa 1742 bis 1770. Hauptthemen der Aufzeichnungen seien Berichte darüber, was gesellschaftlich und kulturell wichtig war. Die Wetterbeschreibungen würden sehr sachlich ausfallen, in den seltensten Fällen persönlich bewertet. Andererseits, so die Referentin, würden Aussagen, dass es "sehr kalt" gewesen sei, natürlich auch individuell geprägt sein. Lesen könne man in den Annalen viel von Niederschlägen, Wind und Temperaturen. Einige Beispiele hatte Rolshoven auch mitgebracht, so erfahre man, dass es im Februar 1754 "so viel Schnee wie man in 30 Jahren nicht gesehen hat" gegeben hat. Im August 1745 schrieb der Chronist nieder, dass eine alte Eiche entwurzelt und 300 Schritte durch die Luft gewirbelt worden sei. "Hochgerechnet wäre das heute wohl Windstärke 10", sagte Rolshoven.

Oftmals standen Wetterbeschreibungen in Zusammenhang mit wirtschaftlichen Entwicklungen beziehungsweise lassen sich Wetter und Witterung indirekt daraus ableiten. So ist im Oktober 1755 "schlechtes Gedeihwetter" vermerkt, im August 1752 liest man von "völligem Ertragsausfall" und im Juli 1768 ist von "Winterkälte" die Rede. Gerade die Hopfenkultur könne im Klosterumland als Witterungsindikator genommen werden. "Zwischen 1734 und 1753 gibt es starke Schwankungen in der Ernte", so Rolshoven. Wenn man sich die Annalen ganz genau anschaue, erkenne man in ihnen "ein Stück Klimageschichte", auch wenn Wetter und Witterung eben keine Hauptthemen sind.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.