Speinsharter Gemeinderäte und Soldaten trainieren am PC Häuserkampf im Klosterhof
Virtueller Kampfeinsatz

Bürgermeister Albert Nickl und sein Vize Roland Hörl (von rechts) eroberten am Bildschirm ihre Klostergemeinde zurück.
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Speinshart
04.07.2016
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Spannende Stunden erlebten die Speinsharter Gemeinderäte, Mitglieder der Krieger- und Soldatenkameradschaft und einige Bundeswehr-Soldaten bei einem Besuch des Joint Multinational Simulation Center der U.S. Army im Lager Grafenwöhr. Zu der spektakulären Übung hatte Colonel William Glaser eingeladen. Bilder: do (2)

Häuserkampf im Klosterhof. Direkt vor der Prämonstratenser-Abtei brennt es lichterloh. Die Flammen eines Autos drohen auf die Klostergebäude überzugreifen. Aufgeregt laufen die Retter hin und her. Bagdad in Speinshart?

Grafenwöhr/Speinshart. So echt der Fahrzeug-Brand vor den Kloster-Mauern aussieht und Einsatzkräfte herumhuschen - es ist nur ein Training an Computern. Joint Multinational Simulation Center (JMSC) nennt sich die Einheit, die im Camp Aachen im Lager Grafenwöhr Soldaten aller Dienstgrade virtuell vorbildet. Für zwei Stunden dürfen die Speinsharter Gemeinderäte und mit ihnen Max Wagner sowie Hans Meyer, Vertreter der Krieger- und Soldatenkameradschaft, und einige Soldaten der Bundeswehr den Einsatz üben.

Die U.S. Army bedient sich dabei einer Entwicklung der Spiele-Industrie. Exklusiv gewährt das JMSC den staunenden Gästen einen Einblick in sonst streng geheime Bereiche. Die künftige Partnerschaft zwischen einer US-Einheit und dem Klosterdorf öffnet Türen. Höchstpersönlich begrüßt der Kommandeur des Ausbildungszentrums "seinen Freund Major Albert Nickl", und Speinsharts Bürgermeister schmeichelt dem Befehlshaber mit dem Titel eines "amerikanischen Bayern".

Drehscheibe Grafenwöhr


Dann erläutert Colonel William Glaser seinen Gästen leger und offen die digitale Kriegsführung der Army. Auf einer Videoleinwand erklärt der Oberst die Übungsmöglichkeiten. Dabei wird deutlich: Die Speinsharter befinden sich in der einzigen Simulatoren-Basis außerhalb der Vereinigten Staaten. Als Vorteile der Einrichtung nennt Glaser die Verflechtung von Life-Fire und Simulation. "Das Training draußen auf dem Übungsplatz ist natürlich aufregend und wichtig, aber die Möglichkeiten am Computer ergänzen die Aus- und Fortbildung effizient und effektiv", meint Glaser. Dadurch reduziere sich das Training auf dem Übungsplatz um zwei Drittel. Der Kommandeur verweist auch auf strategische und taktische Überlegungen in einer Zeit vermehrter Cyber-Einsätze.

Und da genieße "Graf", wie Grafenwöhr bei den US-Soldaten heißt, als Simulationslabor den besten Ruf. "Wir sind die Trainings-Drehscheibe außerhalb der Staaten und bedienen in Außenstellen weitere Nato-Partner" und "wir in Grafenwöhr haben den Ruf des besten Simulationszentrums", erklärt der Kommandeur stolz. Ein weiteres Plus des virtuellen Trainings am Gefechtssimulator: "Leiser geht es nicht mehr", betont Colonel Glaser. Das freut auch die in der Vergangenheit schießlärmgeplagten Speinsharter.

Einige Schulungskräfte warten schon im Einsatzzentrum auf die Speinsharter. Im Gefolge die Bundeswehr-Soldaten der künftigen Pateneinheit. Auch für sie ist das digitale Terrain ganz neu. Dreidimensional wird die Klosteranlage eingespielt und 3-D-Modelle von Fahrzeugen und Einsatzkräften stehen in der virtuellen Dorfstraße. Tom Lasch, Director des JMSC, steht zu hilfreichen Anleitungen bereit. Das Rollenspiel kann beginnen.

Schlachtfeld im Klosterhof


Jetzt dürfen die Gemeinderäte und die Mitglieder der Krieger- und Soldatenkameradschaft als Fußtruppe ihren Heimatort zurückerobern. Mit glänzenden Augen beginnen die Räte ihren Sturmlauf durch den virtuellen Klosterhof, ein echter Nervenkitzel. Und plötzlich entdecken Max Wagner und Hans Meyer neben der Klosterkirche das Kriegerdenkmal der Gemeinde. Jeder Buchstabe auf dem Gedenkstein ist leserlich. Der Computer zeichnet die Landschaft nach und jeder Quadratmeter des Klosterhofes erscheint detailgenau, eine perfekt simulierte Welt.

Diese wird schließlich wieder zur fröhlichen Realität, als Bürgermeister Albert Nickl JMSC-Chef Colonel William Glaser und seinem Team als flüssiges Dankeschön ein paar Flascherln des süffigen, bernsteinfarbenen Klosterbieres überreicht. "Damit Bayern für die Amerikaner noch a bisserl schöner wird", bemerkt der Kommunalpolitiker augenzwinkernd.
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