Vortrag über Akanthusaltäre von Dr. Wolf-Dieter Hamperl
Brücke zwischen Böhmen und Bayern

Einer der vier Doser-Akanthusaltäre in der Auerbacher Pfarrkirche: der Sebastiansaltar. Bild: bjp
Vermischtes
Speinshart
26.04.2016
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Corporate Identity: Diesen Ausdruck kannte man im 17. und 18. Jahrhundert noch nicht. Doch das Spiel mit modischen "Losungszeichen" war Künstlern vergangener Zeiten keineswegs fremd. "Akanthusranken waren das vielseitig eingesetzte ornamentale Leitmotiv der Barockzeit und finden sich auch in der Speinsharter Klosterkirche", hielt Dr. Wolf-Dieter Hamperl zu Beginn seines Vortrags über "Akanthusaltäre in Bayern und Böhmen" im Begegnungszentrum fest.

Besonders beliebt sei das anmutige Rankenwerk, das dem Wuchs einer mediterranen Distel-Art nachempfunden sei, bei böhmischen Sakral-Künstlern gewesen, die es in ihren Akanthus-Schnitzaltären prominent ins Blickfeld gerückt hätten. Weil die Oberpfalz durch die regen Handelsbeziehungen über die "Goldene Straße" und die "böhmischen Lehen" besonders eng mit dem östlichen Nachbarn verbunden gewesen sei, fänden sich auch hier viele dieser "böhmischen Altäre". So schlage die Akanthusranke eine florale Brücke zwischen Ostbayern und Böhmen. Ein Meister der "Rankenaltäre" in der Oberpfalz und Ostmittelfranken sei Johann Michael Doser (1678-1756) aus Degelsdorf bei Auerbach gewesen. Die Akanthusaltäre in den Pfarrkirchen von Auerbach und Kirchenröttenbach stammten von ihm, doch sei er wohl auch der Schöpfer von Akanthusaltären in Eslarn, Holzhammer, Lennesrieth, Poppenreuth und Unterwildenau.

Ein bewegtes Schicksal hätten Dosers Altäre aus der früheren Königsteiner Simultankirche erlitten: Als die evangelische Kirchengemeinde 1965 das bisher von beiden Konfessionen genutzte Gotteshaus zur alleinigen Nutzung übernommen hatte, habe sie die katholischen Seitenaltäre "auf den Dachboden des Pfarrhofs geschmissen". Anderthalb Jahrzehnte später habe Hamperl davon erfahren und sich für die Restaurierung der Kunstwerke eingesetzt. Während der Marienaltar 1985 einen neuen Platz in der katholischen Michaelskirche von Königstein erhalten habe, sei der Sebastiansaltar im Sulzbach-Rosenberger Stadtmuseum zu besichtigen. Der Erweiterung der Truppenübungsplätze Grafenwöhr und Hohenfels hätten die beiden Doser-Pestaltäre aus Pappenberg und zwei von dem Velburger Meister Johann Michael Schaller geschaffenen Altäre weichen müssen.

Ein weiteres Werk Schallers sei der 14-Nothelfer-Altar in Deusmauer bei Velburg. Dem böhmischen Bildhauer Johann Karl Stilp (1668-1735) seien unter anderem Akanthusaltäre in Waldsassen und Leonberg zuzuschreiben. "Böhmische Altäre" fänden sich namentlich auch in Störnstein in der Wallfahrtskirche St. Quirin bei Püchersreuth und in Waldthurn. Ein schönes Spätwerk sei Sigmund Windischs Nothelfer-Altar von 1750 in Thumsenreuth. Prachtvoll seien die "goldenen Altäre" in der Waldauer St.-Johannes-Nepomuk-Kirche.

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Weitere Informationen:

www.amberg-sulzbacher-land.de/tl_files/amsl/Broschueren/Akanthusaltaere_.pdf www.monumente-online.de/de/ausgaben/2011/3/heilige-im-rankenmeer.php

Nothelfer-Altar mit BonusheiligenNicht unerwähnt ließ Heimatforscher Dr. Wolf-Dieter Hamperl in seinem Vortrag über Akanthusaltäre Johann Christoph Windischs Monstranzaltar in Reuth bei Erbendorf mit einem seltenen Tabernakel in Gestalt des dornenumwundenen Herzens Jesu. Beachtung verdiene auch der Nothelfer-Altar in der unscheinbaren Hirschauer Friedhofskapelle, in dessen Rankenwerk der Amberger Johann Hirschl 18 Nothelfer "hineinkomponiert" habe.

Ein Beispiel dieser böhmisch-barocken Kunstform berge die Schlosskapelle des einstigen böhmischen Lehensguts Schönkirch, zu deren Altar-Ensemble auch die für Böhmen typischen Petrus- und Paulus-Standbilder gehörten. Einen schlichteren Akanthusaltar finde man in der Floßer Pfarrkirche vor. Einige der ostbayerischen Altäre seien versetzt oder umgestaltet, mancherorts Teile der Ausstattung entwendet worden. Schlimmer sei es mehreren Rankenaltären in Westböhmen ergangen.

Unter der kommunistischen Herrschaft und sogar noch nach der "Wende" seien vor allem in den ehemals von Sudetendeutschen bewohnten Grenzgebieten sakrale Kunstwerke der Verwahrlosung überlassen oder in andere Landesteile gebracht, gestohlen, zerstört oder verramscht worden.

Allerdings sei an einigen Orten auch eine Restaurierung von Akanthusaltären erfolgt oder geplant. Beispielgebend sei der Pfarrer von Chodau bei Falkenau, der die Kirchen seines Sprengels traditionsgetreu restaurieren lasse: "Er hat als Devise ausgegeben: Es braucht Kirchen voller Schönheit und Würde, wenn der christliche Glaube in Böhmen neu belebt werden soll." (bjp)
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