Vortrag über hisotrische Landkarten
Wegweiser zum Weltbild

Begegnungsstättenleiter Thomas Engelberger dankte Referentin Dr. Marianne Rolshoven mit einer kleinen Aufmerksamkeit aus Kloster-Produktion. Bild: edo
Vermischtes
Speinshart
15.11.2016
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Mögen Karten aus der Antike und dem Mittelalter aus heutiger Sicht primitiv wirken, beeindruckende Rückschlüsse über das Weltbild unserer Vorfahren bieten sie doch. Das bewies ein Vortrag von Dr. Marianne Rolshoven vom Lehrstuhl für Physische Geografie an der katholischen Universität Eichstätt im Kloster Speinshart.

Wer heute eine Weltkarte betrachtet, für den ist es Standard, Mitteleuropa ins Zentrum zu stellen. Dass dies nicht selbstverständlich ist, zeigt ein Blick auf die millionenfach verkaufte "Mc Arthur's Universal Corrective Map of the World". Der Autor stellte sein Heimatland Australien in den Mittelpunkt, der Südpol liegt hier oben. Auch der Null-Meridian durchs englische Greenwich ist ein Zufall und kein Naturgesetz. Diese Beispiele verdeutlichen: Karten sind subjektive Versuche, die Wirklichkeit abzubilden.

Aus diesem Blickwinkel betrachtet, wirken auch die ältesten bekannten Karten weniger defizitär. Bereits Jahrhunderte vor Christi Geburt entstanden in Griechenland Karten mit den Erdteilen Asien, Afrika und Europa. Diese "Radkarten" - die Erde war ein Kreis - enthielten eine Aufteilung in bewohnbare und unbewohnbare Gebiete. Mit der Ausbreitung des christlichen Glaubens wurden Karten zu Symbolen des fundamentalen Weltwissens, das sich an der Bibel orientierte. So wurde stets versucht, biblische Stätten zu verorten. Reale Flüsse, Küsten oder Städte vermengten sie mit denen der heiligen Schrift.

Bis ins späte Mittelalter änderte sich wenig. Erst durch die Entdeckungsreisen im 15. Und 16. Jahrhundert wurde das wahre Ausmaß der Erde und somit die Kartographie erweitert. Martin Behaims "Erdapfel" (1492) gilt als ältester Globus. Er entstand kurz vor der ersten Weltumseglung durch Ferdinand Magellan, die den endgültigen Beweis lieferte. Einen Schub brachte die Satelliten-Technik des 20. Jahrhunderts.

Die Referentin wies darauf hin, dass Karten stets zur Betonung und Sicherung von Macht dienten, da sie sehr glaubhaft sind. Auch heute werden manipulierte Karten als Rechtfertigung für militärische Einsätze und zur Durchsetzung geopolitischer Interessen missbraucht. Kartenkompetenz heißt nicht nur, sie lesen zu können, sondern sie auch stets nach den zugrundeliegenden Motiven zu hinterfragen.
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