Unternehmer Helmut Unge zum Thema "Zukunftsfähige Führung mit christlichen Werten"
Geld als "Spielraum des Lebens"

"Wer sich selber nicht liebt, liebt auch niemand anderen", sagt Unternehmer Helmut Unger. Der Hauptreferent verzichtet übrigens aus "Dankbarkeit" auf ein Honorar. Bild: cf
Wirtschaft
Speinshart
25.09.2016
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Pragmatisch nähert sich der inzwischen dritte Kongress dem Thema "Zukunftsfähige Führung mit christlichen Werten". Thomas Englberger, Leiter der Begegnungsstätte im für 24 Millionen Euro restaurierten Kloster, spricht davon, "dass Geld den Spielraum des Lebens und Handelns erweitert". Wie wahr.

Der Erwartungs-Horizont der zahlreichen Teilnehmer ist recht weit. Für den federführenden Veranstalter Leonhard Zintl (Mittelstands-Union) besteht christliches Unternehmertum darin, jedem Menschen besondere Aufmerksamkeit zu schenken. "Respektieren - und respektiert werden", bringt Helmut Hör (Wirtschaftsbeirat der Union) seinen Anspruch auf den Punkt. Der Unternehmer Paulus Mehler (Tuchfabrik) plädiert für "ehrliche Offenheit": Nicht nur den Mitarbeiter, sondern den "Menschen dahinter" zu sehen. "Werte machen eine Firma wertvoll", schreibt der populäre Pater Anselm Grün in einem Geleitwort zum Symposion. Für Zintl stellt Unternehmenskultur sogar einen "vorlaufenden Indikator" für die weitere Entwicklung eines Unternehmens dar.

Hauptreferent Helmut Unger widmet sich mit dem Bekenntnis "Mit Unternehmenskultur zum Erfolg, erfolgreich sein und trotzdem leben". Der Selbstständige aus Donauwörth (mehr als 150 Beschäftigte, sechs Standorte in Deutschland) erinnert an die "Zehn Gebote" im Alten Testament als "Anleitung zum Erfolg". Nichts gehe jedoch über die "Liebe" - sowohl zu den Mitarbeitern, als auch zu den Produkten.

Motivation überschätzt


Der vitale 69-Jährige ("ich bin nicht der himmlische Marketingleiter") macht keinen Hehl daraus, dass er sich ansonsten mehr im Diesseits verwurzelt sieht: Und die aufmerksame Zuhörerschaft mit durchaus originellen Lebensweisheiten und -erfahrungen konfrontiert: Dass die meisten Unternehmen an (ungezügelter) Expansion kaputt gehen oder die Mitarbeiter-Motivation total überschätzt werde, quasi ein "Auslaufmodell" sei. Viel wichtiger bewertet er die "Integration" der Beschäftigten in das Unternehmen, das eine Art "Organismus" darstelle. Er habe in seinen langen Berufsjahren noch niemand mit Burnout erlebt, "wenn die Arbeit sinnhaft ist und Freude bereitet". Unger überrascht die vorwiegend Selbstständigen unter den Besuchern, dass man als Unternehmer normalerweise mit den Gewerkschaften zusammenarbeiten müsste, "weil wir uns um denselben Personenkreis kümmern".

Unger empfiehlt, Demut zu zeigen, "wenn man den Kopf oben hat", oder sich ausschließlich mit Themen zu befassen, die einem wichtig seien. Er sieht die Unternehmen als "Kulturträger" der Zukunft: "Eine Welt zu schaffen, der die Menschen angehören wollen." Werte würden zu Fakten von morgen. Unternehmenskultur bringe auch wirtschaftlichen Erfolg mit sich. Er rät dringend, nur Ziele anzusteuern, "die man aus tiefstem Herzen will". Die bis aus Oberbayern und Nordrhein-Westfalen angereisten Zuhörer vertieften ihre Eindrücke in verschiedenen Arbeitsgruppen. Im Frühjahr 2017 soll der vierte Kongress aufgelegt werden.

Wer seine Kunden mag, bescheißt sie nicht.Unternehmer Helmut Unger
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