Karges Dasein nach Vertreibung

Lokales
Stadlern
21.10.2015
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Es gibt neben der Bügellohe mit der "Plößerlohe" eine weitere untergegangen Nachkriegssiedlung unmittelbar an der Grenze. Das Areal, wo 29 Personen in sechs schnell errichteten Behausungen ein karges Dasein nach der Vertreibung fristeten, war das Ziel einer Erkundungswanderung.

Dies unter der Regie des Stadlerner Zweigvereins im Oberpfälzer Waldverein (OWV) unter seinen Wanderführern Franz Kalz und Hermann Markgraf und weiterer Vorstandsmitglieder sowie der Heimatpfleger Hans Vogl und Peter Lampl. Ausgangspunkt war der Parkplatz am "Vierziger", dem Kilometerstein am höchsten Punkt der Staatsstraße 2159 zwischen Dietersdorf und Stadlern.

Wie in Wenzelsdorf

Danach ging es in Richtung Sautreibergasse und Grenze zu Tschechien zur Plößerlohe, wo mit Alfred Drachsler einer der ehemaliger Bewohner als Zeitzeuge auf die Wanderer wartete. Von ihm erfuhren sie, dass es sich bei den Ansiedlern um ehemalige Bewohner von Plöß, dessen Ortsteil Rappauf und der Zankenmühle handelte, die auf eigenen oder zugekauften Grundstücken diesseits der Grenze darauf warteten, in ihre einstigen Häuser zurückkehren zu können.

Wie die aus dem Ort Wenzelsdorf stammenden Bewohner der Bügellohe mussten sie erleben wie diese dem Erdboden gleichgemacht wurden. Nach und nach verließen sie danach auch ihre neuen Wohnstätten, der letzte 1965, in die sie ihre Hausnamen mitgenommen hatten. Der letzte war Wilhelm Licha oder "Sattlerschwarz", zuvor schon der "Zankmüller" (Licha), "Räisnmatz" (Lehner), "Schraumgirg" (Lehner) "Heinermatz oder Bauscher" (Drachsler) und "Balla-Wenzl" (Leibl). Sie hatten zuvor versucht, die vorher unbewirtschafteten Streu- und Altheuwiesen durch Entwässrungen urbar zu machen, wobei sich Erfolg und Erträge in Grenzen hielten.

Bei der Besichtigung der Ruinen der bereits wieder inmitten des Fichtenwald befindlichen Heimstatt des Wenzel Leibl, als letztem Relikt der Siedlungshäuser wurde deutlich, wie schnell sich die Natur das später angepflanzte Areal zurückerobert hat.

Wanderführer Franz Kalz unterstützte die Erinnerungen durch mitgebrachte Bilder und Lektüre wie der Dokumentation von Zdenek Prochazka über verschwundene Ortschaften und dem Heimatbuch vom Verein Heimatgemeinde Plöß, in dem Alfred Drachsler die Geschichte von Plößerlohe ausführlich beschrieben hat. Aber auch die überlieferten Probleme in der Grenzmarkierung brachte Alfred Drachsler in Erinnerung.

Bei der Markierung des bei einer Grenzbegehung festgelegten Verlaufes entlang des in Bügellohe entspringenden Weißbaches im Jahre 1629 kam es bei der Versteinung der Grenze im Jahre 1774 zu Differenzen. Sie wurde wegen Uneinigkeit des Grenzverlaufes abgebrochen. Es ging um den südlich des Weißbaches gelegenen Mühlwald, wobei der Plößer Müller Sperl als Führer der Grenzkommission eine zwielichtige Rolle spielte und 1777 bei der Beweisaufnahme vor Ort flüchtete.

Eindrücke verarbeitet

Die Wanderung führte weiter nach Friedrichshäng zu einer zünftige Einkehr im Grenzwirtshaus Gerstmeier, wo die Eindrücke und die Geschichte von der untergegangenen Siedlung Plößerlohe und das früher pulsierende Leben im Nachbarort Plöß Gesprächsstoff waren. Dazu wurden Pläne zu weiteren Wanderungen zu den untergegangenen Orten wie Wenzelsdorf geschmiedet. Über den markierten Gerstmeiersteig ging es dann zurück zum Ausgangspunkt.
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