Landsleute erinnern an Heimat

Die ehemaligen Bewohner von Weißensulz beim Totengedenken am Gedenkstein auf dem Stadlerner Friedhof, verstärkt durch ihr Angehörigen und Gäste mit Bürgermeister Gerald Reiter, Ortsbetreuerin Regine Hildwein und Pfarrer Karl-Maria Ferges (von links). Bild: gl
Lokales
Stadlern
11.08.2015
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Als am 14. August 1988 beim Heimattreffen der ehemaligen Bewohner von Weißensulz (Bela nad Radbuzou) auf dem Stadlerner Friedhof ein Gedenkstein eingeweiht wurde, nahmen nach dem Bericht in der "Grenzwarte" 300 Landsleute und Gäste teil. Mittlerweile ist der Kreis relativ klein.

Auch heuer wurde die Tradition mit einem Gedenkgottesdienst in der Wallfahrtskirche und einer Feier am Gedenkstein fortgesetzt. Allerdings mit einem relativ kleinen Kreis; darunter waren nur noch einige, die in Weißensulz geboren wurden.

Auch beim Gottesdienst in der Wallfahrtskirche, der vom Ruhestandspriester Karl-Maria Ferges zelebriert und vom Kirchenchor Sankt Wenzeslaus gesanglich umrahmt wurde, war der Rückgang deutlich festzustellen. Pfarrer Ferges, der als gebürtiger Rheinländer durch das von seiner Tante leidenschaftlich gesungene Böhmerwaldlied schon in der Jugend auf die Landschaft aufmerksam gemacht wurde, würdigte das Gedenken der Landsleute an ihre Heimat.

"Von Gott gesteuert"

Ihr Neuanfang sei von Gott gesteuert worden. Leider sei mit dem Wirtschaftswunder und den Wohlstand auch eine Neuorientierung im Glauben sowie der Liebe und Nachsicht zu den Nächsten einhergegangen. Die derzeitigen Flüchtlinge, die Brot und Unterkunft suchen, zeigten, dass es Zeit werde, wieder an Gott zu denken. Während durch Ortsbetreuerin Regine Hildwein und ihre Schwester die Lesung und die Fürbitten vorgetragen wurden, bildete das Schlusslied des Chores "Wer glaubt ist nie allein" einen würdigen Abschluss.

Bei der Gedenkfeier an dem vom verstorbenen Steinbildhauer Anton Flöttl gestalteten etwa zwei Meter hohen Findling hieß Ortsbetreuerin Regine Hildwein neben Pfarrer Karl-Maria Ferges, Bürgermeister Gerald Reiter, Altbürgermeister Günther Holler, die Landsleute deren Angehörigen und Gäste willkommen. Nach altem Brauch verlas sie anschließend die Namen der Verstorbenen. Waren es früher oft über 30, so waren es heuer lediglich zehn der gebürtigen Weißensulzer. Vor der Vertreibung der deutschen Bevölkerung lebten in dem 1121 erstmals erwähnten Weißensulz mit seinen 852 Häusern, über 2 000 Bewohner.

Aktuell handelte es sich bei den Verstorbenen um Anna Schmidt (ehemaliger Hausname Plaschn) mit 93 Jahren, Gerlinde Stöcker, geborene Wurzauf (87.), Hedwig Reister, geborene Pfohl (80.), Johanna Gröbner/ Fuhrperter (89.), Theresia Scheftschuk/Schneidlbauer (89.), Dr. Sieglinde Schwürzer-Röitj/Masta (83.), Maria Michelbach/Gaberl-Marie (79.), Mathilde Binder/Franzn (89.), Albine Stangl/Domahansl (98.) und Hermann Löbelein (74.).

Böhmerwaldlied

Ihnen zu Ehren spielte ein Trompeter von der Blaskapelle Stadlern das Böhmerwaldlied. Es folgten noch Gebete und Fürbitten des Geistlichen und ein Grußwort von Bürgermeister Gerald Reiter. Dieser freute sich darüber, dass die Weißensulzer die Treue an die Heimat mit einer Gedenkfeier in Stadlern aufrecht erhalten. Die guten Wünsche beinhalteten auch ein Wiedersehen im kommenden Jahr.
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