Schlagbaum adieu

Neuland betraten auch die tschechischen Grenzbeamten. Ein Mann aus der Umgebung präsentierte ihnen einen Ausweis, in dem noch der Wohnort mit Adresse in Tschechien eingetragen war.
Lokales
Stadlern
07.02.2015
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Eine Frau hält strahlend die kahlen Zweige eines Ginsterbusches in der Hand. Ein Mann kramt freudig den alten Pass hervor. Für beide unfassbar: Nach 45 Jahren hat sich ein versperrter Weg in die alte Heimat aufgetan.

Am Sonntag jährt sich am Grenzübergang an der Grenzbrücke in Schwarzach ein Ereignis, auf das viele Grenzbewohner jahrzehntelang kaum noch zu hoffen wagten. An jenem Donnerstag, 8. Februar 1990, also vor exakt 25 Jahren, hob sich anlässlich einer Kundgebung der Arbeitsgemeinschaft "Hände reichen - Grenzen streichen" der Schlagbaum zum Nachbarland.

Mit dabei waren damals Staatssekretär Peter Gauweiler und der Landtagsabgeordnete Otto Zeitler sowie der Grenzbeauftragte Major Vaclav Pucellic. Für viele der einstigen Bewohner, insbesondere für die Menschen aus dem verwüsteten Ortsteil Böhmisch-Schwarzach, war es nach etwa 45 Jahren wieder der erste Schritt in den Heimat- und Geburtsort. Mit ein paar Schritten gab sich so mancher bei dieser Gelegenheit aber nicht zufrieden.

So suchte eine ehemalige Bewohnerin ihren einstigen Hausgarten auf, um daraus eine Ginsterstaude als Mitbringsel zu ergattern. Andere präsentierten den tschechischen Grenzbeamten noch einen Ausweis mit einer Adresse jenseits der Grenze.

Die Stimmung war unter allen Beteiligten harmonisch und voller Unternehmungsgeist. Einige machten sich sogar in den nächstgelegenen Ort Waier (Rybnik) auf, um in den dortigen Gastwirtschaften das Ereignis gemeinsam zu feiern. Probleme gab es verschiedentlich mit dem Wechselkurs. Da waren viele überfordert.

Friedlich gewichen

Alle kehrten wieder zurück, mit dem Bewusstsein, ein historisches Ereignis miterlebt zu haben. Inzwischen ist im Verhältnis zu den Nachbarn Normalität eingekehrt: Der scheinbar unüberwindliche Eiserne Vorhang ist ganz friedlich gewichen. Lediglich der Grenzübergang Schwarzach, früher eine Lebensader mit täglichem Busverkehr zur dort endenden Staatsstraße 2159, wartet noch auf eine offizielle Wiederbelebung.
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