Wunden längst nicht verheilt

Bei der Gedenkfeier für die in den heimatlichen Gräbern ruhenden und verstorbenen Landsleute und die Opfer der Vertreibung versammelten sich die Geistlichen und Ehrengäste mit den Vereinen und der Bevölkerung am Sudetenkreuz. Rudolf Lohwasser (vorne links) hielt eine Gedenkansprache. Bild: gl
Lokales
Stadlern
18.08.2015
6
0

Es ist guter Brauch, dass jeweils am "Großen Frauentag" nach dem Gottesdienst auf dem Kalvarienberg beim nahen Sudetenkreuz eine Gedenkfeier stattfindet. Sie ist insbesondere den im Nachbarland ruhenden sudetendeutschen Landsleuten und den Opfern der Vertreibung gewidmet.

Sie gehörten früher zu den Besuchern und Wallfahrern zum Gnadenbild "Unserer lieben Frau aus Erden gebrannt"am Fest "Maria Himmelfahrt". Im Jahres 1950 wurde bei einem großen Flüchtlingstreffen ein Birkenkreuz errichtet; dieses wurde 1968 mit einem gespendeten Kreuz aus Edelstahl auf einem Sockel aus heimischem Gneis ersetzt. Die Inschrift "Nur einmal noch o Herr lass mich die Heimat sehn..." aus dem Böhmerwaldlied hatte damals noch eine große Bedeutung.

Angeführt von der Blaskapelle Stadlern und den Fahnenabordnungen der Ortsvereine begaben sich die Priesterschaft und die Ehrengäste nach dem Gottesdienst zum Sudetenkreuz und wurden dort von Stadlerns Bürgermeister Gerald Reiter begrüßt. Neben Mandatsträgern, wie MdL Alexander Flierl, Landrat Thomas Ebeling und etlichen Bürgermeistern waren dies auch die Vertreter der Heimatorganisationen.

Internationale Besetzung

Die Priesterschaft war mit Hauptzelebrant und Festprediger Prälat Dr. Josef Ammer sowie dem Weidinger Priestersohn Martin Särve und den Aushilfspriestern in Schönsee und Weiding, Pater Joseph Palliyl aus Indien und Dr. Michal Machal aus Breslau (Polen) sowie Josef Kirumira aus Uganda eine internationale Besetzung. Bürgermeister Reiter brachte auch seine Freude über die Beibehaltung der Traditionsveranstaltung zu Ausdruck.

Vor seinen Fürbitten und Segensgebeten ging Prälat Dr. Josef Ammer auf die geschichtlichen Ereignisse vor 70 Jahren, insbesondere den Einsatz der Atombombe ein. Der Weltkrieg mit seinen schrecklichen Begleiterscheinungen ging zu Ende aber auch viele wurden aus der Heimat vertrieben, was für die Betroffenen mit viel Leid verbunden war. Er würdigte auch deren Kraft zur Versöhnung und zum friedlichen Zusammenleben. Die nun wieder offene Grenze sei zugleich die Möglichkeit einer Gebetsgemeinschaft zu Gott als gemeinsames Ziel.

Rudolf Lohwasser war es dann, der im Namen der betroffenen Heimatvertriebenen und mit Blick auf die rückläufige Zahl von Zeitzeugen auf die nun seit 65 Jahren bestehenden Gedenkfeiern einging. Sie regen zum Nachdenken an, insbesondere auf das als Befreiung bezeichnete Kriegsende. Lohwasser: Für die Betroffenen und verbliebenen Zeitzeugen war es aber keine Befreiung, als sie die angestammte Heimat mit schlimmen Begleiterscheinungen verlassen mussten wie auch das Erbe und die Kulturleistungen der Vorfahren und deren Gräber.

Böhmerwaldlied

Es falle schwer, sich damit abzufinden, auch in Bezug auf das Völkerrecht. Leider sei dies inzwischen zum Vorbild in der Weltgeschichte geworden. Zum Gedenken an die in der Heimaterde ruhenden und alle verstorbenen Landsleute hatte er zusammen mit Bürgermeister Gerald Reiter bereits eine Blumenschale am Gedenkkreuz deponiert. Mit dem von zwei Trompetern der Blaskapelle intonierten Böhmerwaldlied wurde die Gedenkfeier abgeschlossen.
Weitere Beiträge zu den Themen: Blaskapelle Stadlern (6)August 2015 (7425)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.