Arbeitskreis sammelt Relikte aus Stadlerner Vergangenheit
Wenn Heimatkunde greifbar wird

Ein Schreibpult (links) auf einer alten Pfaff-Nähmaschine und ein Bild mit König Ludwig II., gehörten vor über 100 Jahren zur Ausstattung der Gemeindekanzlei in Stadlern und sind in den Archivräumen platziert. Bilder: mmj (3)
Vermischtes
Stadlern
14.10.2016
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Hans Vogl (links), Herbert Wurm und Peter Lampl (von rechts) erhalten bei einer Sitzung des Heimatkundlichen Arbeitskreises wertvolle Unterstützung von Milla Lampl, Anni Reiminger, Rita Wild und Alois Müller senior (ab Zweiter von links).

"Sie besuchen gerade das wahrscheinlich kleinste Museum Bayerns". Der Hinweis am Eingang zu den Archivräumen des Heimatkundlichen Arbeitskreises trügt bestimmt nicht, trotzdem kann die Ausstellung mit interessanten Raritäten aufwarten.

Unabhängig und unwissentlich voneinander hatten sie die gleiche Leidenschaft: Das Sammeln alter Bilder aus ihrer Heimat. Dabei konzentrierte sich Peter Lampl besonders auf Fotos aus Stadlern, Hans Vogl suchte vorrangig Bilddokumente über Bayerisch/Böhmisch Schwarzach. Als beide über ihr Interesse ins Gespräch kamen, organisierten sie vor einigen Jahren eine Bilderausstellung in der früheren Schule, vorrangig mit alten Häusern.

Viel Zuspruch erhalten


Das positive Echo aus dem Kreis der Gemeindebewohner beflügelte sie so stark, dass ihre Sammelleidenschaft noch intensiver wurde. Es blieb nicht nur bei Bildern. Es kamen alte Zeitungsausschnitte, Berichte über das Vereinsleben und verschiedenste Begebenheiten in der Grenzgemeinde dazu. Besonders freuten sich Lampl und Vogl, dass aus der Bevölkerung viel Zuspruch für ihre Idee kam. So wurden ihnen immer mehr Gegenstände - geschenkt oder als Leihgabe - angeboten, so dass bald die Suche nach einem geeigneten Raum nötig wurde.

Mit Unterstützung der Gemeinde fand man im Obergeschoss des ehemaligen Polizeihauses Platz. Viel Zeit und Herzblut steckten Peter Lampl und Herbert Vogl in die Gestaltung und Ausstattung der Räumlichkeiten. Ein Stück Stadlerner Heimatkunde, das auch über die Grenze ins Böhmische reicht, wird dort dem Besucher vor Augen geführt und dabei so manches in Erinnerung gerufen.

Eine überdimensionale Flurkarte des Ortes hängt an einer Tür, für deren Richtigkeit sich der Zeichner mit Datum vom 20. Oktober 1832 verbürgt. In Bilderrahmen sind die Texte vom Böhmerwald-Lied und über den "Vater Reichenstein" nachzulesen. Ein Bild aus dem Jahr 1935 zeugt vom Bau der Straße nach Weiding, ein Foto von 1944 erinnert an die Firmung in Stadlern mit Diözesanbischof Michael Buchberger. Ein Schwarz-Weiß-Bild von 1950 zeigt 21 Kinder bei der Erstkommunion. Mit Bierkrügen wird das frühere Brauwesen im Ort dokumentiert, aber auch von der Brauerei Ettl und "Haberl-Lenz" stehen aus der Umgebung Maßkrüge in der Vitrine. Ein altes Kommunionkleid gehört zu den Relikten ebenso wie ein alter Feuerwehrrock und der zu dieser Zeit getragene Helm. In der Ausstellung wird an die Orgelweihe im Jahr 1932 genauso erinnert wie an Theaterstücke, die vor Jahrzehnten aufgeführt wurden.

Blick auf Einzelhandel


Besonderer Blickfang sind ein Schreibpult und ein Bild von König Ludwig II., beide Relikte standen Anfang des 20. Jahrhunderts in der Gemeindekanzlei. Zwei Gefäße "Feinster Tafelsenf" und "Feinster Speise-Essig", waren einst im Kaufhaus Wartha im früheren Böhmisch-Schwarzach und später auch in dem Geschäft, das nach dem Zweiten Weltkrieg auf bayerischer Seite fortgeführt wurde. Die Reklametafeln "Rudolf Wurm - Radio - Fernseh - Elektrogeräte - Spielwaren - Neuheiten" und "Rudolf Seitz Bäckerei - Lebensmittel" geben unter anderem Rückblick auf den ehemaligen Einzelhandel in Stadlern. In vielen Ordnern bewahrt der Heimatkundliche Arbeitskreis zusätzlich Bilder und Dokumente auf.

Zu Peter Lampl und Hans Vogl gesellte sich inzwischen Heribert Wurm dazu. Das Trio verbindet der Erhalt des Interesses am Leben, Besonderheiten und Ereignissen aus den vergangenen Jahrzehnten. Allerdings, da sind sich alle drei einig, braucht es dabei die Unterstützung der Bevölkerung. Da dabei besonders die Erinnerung der älteren Mitbürger gefragt ist, nehmen auch Personen aus diesem Kreis an den regelmäßigen Treffen in den Archivräumen teil. Wenn am Computer Bilder und Schriftstücke einen Blick zurück ermöglichen, wird so manche Begebenheit aufgefrischt. Daraus ergeben sich für den Arbeitskreis wieder wertvolle Informationen. Und diese sollen auch für die junge Generation das Interesse an den vorübergegangenen Jahrzehnten wecken und wach halten.

Impuls durch OWVDer grundsätzliche Impuls, eine Möglichkeit für den Erhalt von Bilddokumenten und weiterer Erinnerungsstücken aus vergangenen Jahrzehnte zu schaffen, stammt aus einer Vorstandssitzung des Zweigvereins Stadlern im Oberpfälzer Waldverein (OWV). Konkret umgesetzt wurde der Gedanke auf Privatinitiative von Peter Lampl und Hans Vogl mit der Schaffung des Heimatkundlichen Arbeitskreises. (mmj)
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