Dr. Josef Herbeck dokumentierte Geschichten über das Schmuggeln
Tragödie im Winterwald

In diesem Wald am Reichenstein soll sich die vom Heimatschriftsteller Dr. Herbeck niedergeschriebene Tragödie abgespielt haben. Bilder: gl (2)
Vermischtes
Stadlern
21.01.2016
125
0
 
Wenn Bürgermeister Gerald Reiter mit seinem Hund auf den Wanderwegen im Winterwald unterwegs ist, denkt er oft an die Geschichten, die sich über das Schmuggeln an der Grenze ranken.

Nicht nur Bürgermeister Gerald Reiter schätzt den Winter im Bergdorf Stadlern, auch Gäste genießen die gespurten Wanderwege rund um die Burgruine Reichenstein. Dr. Josef Herbeck dokumentierte vor rund einhundert Jahren eine tragische Geschichte, die sich in der Winterlandschaft abgespielt haben soll.

Der frühere Schönseer Allgemeinarzt Dr. Josef Herbeck, verstorben im Jahr 1920, schrieb eine tragische Geschichte auf, die im Zusammenhang mit winterlichen Gefahren beim Schmuggeln und Paschen, wie der illegale Warenverkehr an der Grenze zwischen Bayern und Böhmen genannt wird, steht. Unter dem Titel "Spitzenschmuggel" hat sie Dr. Herbeck in der Broschüre "Weltferne Geschichten" der Verlagsbuchhandlung Styria (Graz) festgehalten.

Vor Zöllnern verborgen


Was das Paschen anbelangt, muss manch überlieferte Geschichte hinsichtlich Wahrheitsgehalt hinterfragt und reduziert werden. Es wurde geprahlt, aber auch aus Furcht vor den Gesetzeshütern (Zöllnern) manches verschwiegen. Recht realistisch handelt die Geschichte von Dr. Herbeck von einem Tag im Februar, als ein Schmuggler mit einem großen Paket mit Klöppelspitzen von Schwanenbrückl über Johanneshütte von Böhmen aus auf dem Weg nach Stadlern war. Fast bis zur Brust in den Schnee einsinkend, erreichte er den Grosserfelsen und schließlich als höchsten Punkt den Weingartenfels, dort wo heute der Böhmerwaldturm steht. Als der Schmuggler nach Stadlern abstieg, bemerkte er frische Spuren im Schnee, die von "Wasserstiefeln" stammten; unzweifelhaft von Grenzwächtern. Weil er befürchtete, dass sich diese verborgen hielten, trat er wieder den Weg zur Berghöhe an und schaute vorsichtig über den Felsen. Er sah, wie vier Zöllner beisammen standen und je zwei in Richtung Reichenstein und zwei in Richtung Schillersteig (Sautreibergasse) weitergingen.

Schmuggler stürzt


Nach einer Wartezeit eilte er den Berg hinunter. Doch plötzlich ging der Revolver in seiner Seitentasche los und er fiel zu Boden und rollte abwärts. Die Kugel hatte seinen linken Vorderarm durchbohrt und beim Niederstürzen hatte er sich den linken Oberschenkel gebrochen. Er kühlte seine Wunden mit Schnee und hoffte, dass die Zöllner den Schuss gehört haben. Inzwischen stärkte er sich mit einem Keil Brot und Speck, sowie Kornbranntwein.

Doch seine Hoffnung war umsonst. Kein Mensch wurde auf ihn aufmerksam, obwohl er seine Not herausschrie. Der Bergwald schwieg wie ein Grab, alles Wimmern und Beten war umsonst. Am folgenden Tag lebte er noch total geschwächt, doch als von der Kirche in Plöß und Stadlern her die Glocken ertönten, schloss er für immer die Augen. Die Frauen von Plöß und Stadlern, so ist überliefert, sprachen an jenem Tag von Geistern, die - so vermuteten sie - mit Geheul und Gewimmer ihr Unwesen auf dem Reichenstein vollführt haben.

Dr. Josef HerbeckDer Feder von dem in Mindelheim geborenen Dr. Josef Herbeck, der in Schönsee im damaligen Kaufhaus Geist wohnte und als Allgemeinarzt und Autor wirkte, entstammten viele Dokumentationen über Schönsee und Umgebung. Diese sind nicht nur in seiner Broschüre "Weltferne Geschichten", sondern auch in Zeitschriften veröffentlicht worden. Darunter auch der landschaftliche Vergleich von Stadlern mit Bethlehem. Ebenso 1905 auch die Geschichte "Der Zauberer von Stadlern" in der Zeitschrift "Das Bayerland" vom Oldenbourg-Verlag in München (Bericht folgt). Dr. Josef Herbeck verstarb am 2. August 1920 im Alter von 65 Jahren und wurde, ebenso wie seine Gattin, auf dem Schönseer Friedhof begraben. (gl)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.