Franz Spichtinger beim Seniorenkreis in Stadlern
Das Leid in Würde ertragen

Pfarrer Wolfgang Dietz (rechts) bedankte sich beim Referenten Franz Spichtinger, der mit dem Vortrag "Wie kann Gott das zulassen - die Frage des Leids in der Schöpfung" begeisterte. Bild: hfz
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Stadlern
21.11.2016
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Leid und Tod sind fester Bestandteil unseres Lebens. Was können wir tun, um uns selbst in der Hinsicht das Leben ein wenig zu erleichtern? Viele Menschen in unserer Gesellschaft stellen sich die Frage, wie sie mit existentiellen Fragen umgehen können.

Der Seniorenkreis hatte sich diesem tief bewegenden Thema gewidmet und Pfarrer Wolfgang Dietz konnte vor den interessierten Zuhörern Franz Spichtinger, den ehemaligen Vorsitzenden des Diözesanrates der Katholiken im Bistum Regensburg, als Referenten begrüßen. Unerfreuliche Themen wie Älterwerden, Leid und Tod würden oft genug ausgeblendet. Umso schwerer träfe es viele Menschen, wenn sie plötzlich mit einer Krankheit oder dem Tod konfrontiert werden. Dann stellt sich die Frage, wie man mit dem Schicksalsschlag klarkommen soll.

Warum gibt es das Leid?


Der Referent zitierte zunächst Viktor Frankl, den Begründer der Logotherapie, der darauf verwies, dass das Leid allen Menschen aufgegeben wäre, es unvermeidbar sei. Doch sei es eine wahre Lebensaufgabe, unser Leid in Würde zu ertragen. Frankl redet davon, Leiderfahrungen in Geduld und Tapferkeit und dem unvermeidlichen Leid mit Würde zu begegnen. Mit einer inneren Haltung, die das Leid anerkennt, aber trotzdem auch das Leben ehrt. Wenn Gott gut ist, warum gibt es dann das Leid? Wenn er gerecht ist, warum erlaubt er dann, dass in der Welt tiefstes Unrecht geschieht?

Franz Spichtinger meinte, jede Antwort auf diese Fragen sei unzulänglich und den Menschen helfen fromme Vertröstungen nicht. Aber gerade der Christ sehe sich im Leid nie ohne Hoffnung. Eine einfache Antwort gäbe es nicht und die Frage würde das Menschengeschlecht schon von Anfang an beschäftigen. Wenn Menschen über das Leid nachdenken, dann fragen sie, wie man im Leid oder trotz des Leides weiterleben könne. Wie solle ein Mensch im Leiden Vertrauen fassen, so dass er Schritte nach vorne wagen kann? Wie entscheide sich der Mensch in Kummer und Leid?

Ist er für den inneren Rückzug, die Verbitterung oder für einen Neuanfang? Wie sieht die christliche Antwort auf die Frage nach dem Leid aus? Die Frage nach dem Leid im Angesicht Gottes sei eine der größten Anfragen an das Christentum. Die zentrale Antwort der Bibel ist die Aufhebung des Leidens in der neuen Welt Gottes, in der Gerechtigkeit wohnt. Im Alten Testament wird vom leidenden Hiob erzählt, dem Frau und Kinder, Knechte, Mägde und aller Besitz genommen wurden. Schließlich lag er krank und glaubte im Staub der Straße zu krepieren.

Antwort in der Bibel


Diese Schicksalsschläge erschütterten seine Frömmigkeit, sein Glaube an Gott wurde auf eine harte Probe gestellt. Wegen der Treue Hiobs zu seinem Gott verheißt der ihm, alles neu und reichlich zu geben. Hier wird die christliche Auferstehungshoffnung von den Schreibern des Weisheitsbuches vorgedacht. Für manchen mag es unbefriedigend sein zu sagen: "Wir können als Christen das Leid in dieser Welt nicht abschaffen, sondern nur verhindern oder vermindern."

Weil Christus auferstanden ist, ist das, was wir tun, auch im Verhältnis zum Leid in dieser Welt, nicht vergebens. Wie wir auferweckt werden, wissen wir nicht, wir werden es aber erfahren. Franz Spichtinger meinte, auch wir können das Leid dieser Welt nicht abschaffen, aber wir können an der Stelle, wo wir stehen, daran mitwirken, dass Leid verhindert oder gelindert wird. Wir sollten uns nicht mit dem Leid abfinden.
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