Hocheffizient im Paket

Thomas Wüst von "Global Partners Bayern", Bundesminister Gerd Müller und MMM-Chef Michael Koller (von links) sind sich einig: In der Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern steckt viel Potenzial. Beim Rundgang durch das Werk in Stadlern mit (von rechts) Schönsees Zweitem Bürgermeister Josef Irlbacher, Geschäftsführer Michael Geutler, Prokurist Peter Semmler, MdB Karl Holmeier und Bürgermeister Gerald Reiter war das der Tenor. Bild: Götz
Wirtschaft
Stadlern
13.10.2016
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Technik fürs Krankenhaus kann Afrika gut gebrauchen. Doch ohne Netzwerk und Nachhaltigkeit wird sie nicht lange funktionieren. Diese Überzeugung teilt die Münchener Medizin Mechanik GmbH (MMM) in Stadlern mit Entwicklungsminister Gerd Müller, der dort Chancen wittert.

Lieber zuhören als über die eigene Arbeit referieren wollte der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in der kurz bemessenen Zeitspanne, die für den Besuch im Stadlerner Werk vorgesehen war. Im Schnelldurchlauf ging es deshalb durch den Betrieb der MMM-Gruppe mit rund 300 Mitarbeitern.

Insgesamt beschäftigt die Gruppe mit Standorten in Peiting, Brünn (Tschechien) und Monroe (USA) 1100 Mitarbeiter. 2015 betrug der Jahresumsatz rund 120 Millionen Euro, fast doppelt so viel wie vor 15 Jahren. MMM gilt weltweit als führender Systemanbieter im Dienst der Gesundheit: Reinigung, Desinfektion und Sterilisation für Krankenhäuser, wissenschaftliche Einrichtungen und pharmazeutische Betriebe sind die Spezialität des mittelständischen Unternehmens mit zahlreichen Tochtergesellschaften.

Krumbach oder Marokko


So bekam der Minister beim Rundgang einige Dampf-Sterilisatoren zu sehen. Er staunte nicht schlecht über die Bestimmungsorte: ein Exemplar wird beispielsweise nach Rabat in Marokko geliefert, ein anderes nach Krumbach. "Das geht ja dann in die Klinik, in der ich geboren bin", freute sich der CSU-Politiker und hatte viel Lob im Gepäck: "Bei der Wirtschaftsentwicklung in der Region sind Sie ein Treiber", wandte er sich an den geschäftsführenden Gesellschafter Michael Koller. "So etwas brauchen wir, um der Jugend eine Zukunft zu geben." Dringend gebraucht würden Technik und Know-how aus Deutschland aber auch in Entwicklungsländern, machte Müller deutlich und hatte Beispiele parat. So seien in diesen Ländern oft 50 Prozent der Ernte verloren, weil die Technik zur Konservierung fehle. "Und Ebola kommt auch nach Europa, wenn wir nicht investieren", warnte der Bundesminister. "Viele sehen uns als Almosenverteiler, aber wir bauen Brücken für die Wirtschaft in schwierige Regionen." Dabei gebe es in Afrika keineswegs nur Armut, beide Seiten könnten bei einer Kooperation wie einer Klinik-Partnerschaft gewinnen. "500 gibt es bereits, 2000 sollen es werden". Thomas Wüst, der sich im Verein Global Partners Bayern für internationale Zusammenarbeit engagiert, wollte dabei den Fokus auf Projekte statt Produkte legen. Wo es mit dieser Brücke zur Wirtschaft nicht funktioniert, zeigte Geschäftsführer Michael Geutler auf: Bei einem geplanten Ebola Treatment Center für Guinea hätte die Firma wegen einer Ausschreibung mit einem "Routineweg" von drei bis fünf Jahren rechnen müssen. Und Langlebigkeit werde dabei nur selten berücksichtigt.

Liefern mit System


Am Beispiel eines Projekts für Simbabwe machte Geutler deutlich, wie wichtig für Entwicklungsländer eine Gesamtlösung ist, die sich auch um Ausbildung kümmert oder Strom und Wasser. "Eine Lieferung allein reicht nicht", brachte Koller die Firmenphilosophie auf den Punkt. Der Minister war beeindruckt: "Im nächsten Leben werden Sie Entwicklungsminister", prophezeite er dem Chef, der gleich konterte: "Wenn Sie mir eine Lehrstelle anbieten."

Viele sehen uns als Almosenverteiler, aber wir bauen Brücken für die Wirtschaft in schwierige Regionen.Bundesminister Gerd Müller
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