Historische Bilder im Braunkohlemuseum
Hochzeit im Wohnzimmer

HAK-Vorsitzender Jakob Scharf (Zweiter von rechts) und Museumsleiterin Renate Rose (Dritte von rechts) eröffneten zusammen mit den Mitarbeitern und Gästen die Sonderausstellung "Hochzeitsfotos" im Heimat- und Braunkohlemuseum, die sie in vielen Hundert Arbeitsstunden vorbereitet hatten. Bild: sja
Kultur
Steinberg am See
08.10.2016
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Über 150 Hochzeitsfotos aus den zurückliegenden 100 Jahren präsentierte der Heimatkundliche Arbeitskreis (HAK) bei der Eröffnung seiner Sonderausstellung im Braunkohlemuseum. Vorsitzender Jakob Scharf hat dazu tief in der Ortsgeschichte geforscht.

HAK-Vorsitzender und Altbürgermeister Jakob Scharf, der dem "Mittwoch-Stammhaus" mit Museumsleiterin Renate Rose für die "mühevolle Kleinarbeit" dankte, gab eine ausführliche Einführung in die Bilderausstellung. Er ging in seinem Referat von einer Hochzeit im Jahre 1874 aus, die am "Originalort" im jetzigen Museum, dem damaligen Benefiziatenhaus, zwischen der beim Geistlichen Xaver Wittmann beschäftigten Josepha Stock aus Wiesau und dem Steinberger Gütler Leonhard Donhauser gefeiert wurde.

Viele Änderungen


Die Hochzeit hatte sogar ein "gerichtsmassiges" Nachspiel, weil man vergessen hatte, den Gemeindediener einzuladen. Zwei Jahre später wurde in Bayern die Zivilehe eingeführt und der Bürgermeister traute die jungen Paare Jahrzehnte lang bei sich zu Hause in der "Kuchl" oder im Wohnzimmer. Erst mit der "Umfunktionierung" der Schule zum Rathaus im Jahre 1957 wurden die Trauungen im Amtszimmer vollzogen, später dann in der VG im Wackersdorfer Rathaus, dann wieder wahlweise in Steinberg oder Wackersdorf. Er selber, erzählte Scharf, habe in seinen 30 Dienstjahren knapp 100 Ehepaare als kommunaler Standesbeamter vermählen dürfen.

Im vergangenen Jahrhundert, so der HAK-Vorsitzende, habe sich auch beim Heiraten "unwahrscheinlich viel geändert". Dies zeigte er anhand von Ferntrauungen im Krieg oder an den "schwierigen" Mischehen zwischen katholischen und evangelischen Christen auf. Dies habe sich "Gott sei Dank" ebenso geändert wie die Einstellung zu unehelich geborenen Kindern, die wie ihre Mütter früher gesellschaftlich geächtet wurden. Das Zusammenleben ohne Trauschein - früher undenkbar und zum Teil auch strafrechtlich verfolgt - ist zum Normalfall geworden. Der Gesetzgeber habe in den vergangenen Hundert Jahre zum Ehe- und Familienrecht , aber auch zum Scheidungsrecht, gravierende Veränderungen vollzogen. Auch die Hochzeitsbräuche hätten sich geändert, wenngleich manche traditionell auch heute noch weitergeführt werden.

Lokaler Schwerpunkt


Neben diesen eher allgemeinen Nachforschungen habe der Heimatkundliche Arbeitskreis aber bewusst den Schwerpunkt auf die lokale Szene in Steinberg und der früheren Gemeinde Oder gelegt. Die Hochzeitsfotos würden auch diesen allgemeinen Wandel belegen. Man habe auch die eine oder andere Steinberger Familie herausgegriffen und detailliert von den Urgroßeltern bis zu den Enkeln die Entwicklung aufgezeigt und auch nachvollzogen, wie sich eine Steinberger "Urfamilie" mit elf Kindern "in ganz Deutschland ausgebreitet hat".

"Ob die Urenkel noch ihre Abstammung aus dem oberpfälzischen Steinberg kennen, darf bezweifelt werden", meinte Jakob Scharf, der abschließend dazu aufrief, alte Fotos - egal welcher Art - dem Arbeitskreis zur Verfügung zu stellen: "Denn jedes zu Hause aufbewahrte Foto wird irgendwann der Nachwelt für immer verloren gehen".

Die Ausstellung ist noch den ganzen Oktober jeden Mittwoch (18 bis -20 Uhr) und jeden Sonntag (14 bis17 Uhr) im Braunkohlemuseum Steinberg geöffnet.
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