Als ein Radio noch Luxus war

Historische Radiogeräte aus Deutschland und Tschechien sind in der Sonderausstellung im Heimat- und Braunkohlemuseum zu sehen. Bild: sja
Lokales
Steinberg am See
19.05.2015
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Farbdisplay oder Fernbedienung fehlen, dafür gibt's Röhren und Drehknöpfe: Alte Radios faszinieren. Alois Diermeier zeigt Geräte aus seiner Sammlung im Heimat- und Braunkohlemuseum. Manche tragen wenig schmeichelhafte "Spitznamen".

Gut besucht war im Heimat- und Braunkohlemuseum die Sonderausstellung "Alte Radios", die am "Internationalen Museumstag" am Sonntag gezeigt wurde. Die Sammlerstücke aus Deutschland und Tschechien, die auch noch nächsten Sonntag zu sehen sind, stellte der Steinberger Alois Diermeier zur Verfügung. Jakob Scharf, als Orts- und Kreisheimatpfleger auch Vorsitzender des Heimatkundlichen Arbeitskreises (HAK), dankte dem Sammler für die interessanten Einblicke in die Welt der Radios weit vor dem digitalen Zeitalter. Museumsleiterin Renate Rose und der Vorstand des HAK hatten die Ausstellung organisiert und für die Bewirtung gesorgt.

Ältestes Ausstellungsstück ist ein Volksempfänger VE 301. Die Typenbezeichnung verweist auf den 30. Januar 1933 - den Tag der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Der "VE" kostete damals 76 Reichsmark. Die Geräte waren vor allem ein Instrument der Propaganda und wurden im Volksmund deshalb auch "Goebbelschnauze" genannt.

Zum "Radiolusn"

Auch Geräte aus der Nachkriegszeit und des beginnenden Wirtschaftswunders werden gezeigt, so zum Beispiel ein "Philipps Merkur" mit Langwelle, Mittel- und Kurzwelle sowie UKW-Empfang. Er kostete einst rund 360 Mark, was für den Durchschnittsverdiener kaum erschwinglich war. So ist es nicht verwunderlich, dass Zeitzeugen erzählten, dass man am 4. Juli 1954, als Deutschland im Berner Wankdorf-Stadion mit 3:2 über Ungarn den ersten WM-Titel holte, zum "Radiolusn" zum Nachbarn ging, weil man sich selbst so ein Gerät noch nicht leisten konnte.

Bekannte Namen

Auch Geräte der bekannten Radio-Hersteller Grundig, Nordmende, Schaub-Lorenz oder Loewe sind zu sehen. Am Beispiel der 1923 gegründeten Firma Loewe kann das "Schicksal" fast aller deutschen Hersteller aufgezeigt werden: Ab 1942 hieß das Unternehmen Loewe Opta und siedelte sich 1946 in Kronach an. 1978 wurde die Radioproduktion eingestellt. Auch das bereits 1903 gegründete "Sachsenwerk" gab 1960 die Produktion auf. Inzwischen gibt es in Deutschland keine klassischen Radio-Hersteller mehr. Eines der ersten Transistorradios gibt es auch im Braunkohlemuseum zu bestaunen. Im Vergleich zum Röhrenradio ermöglichte die Transistorbestückung kleinere, leichtere Geräte.
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