Der "Pony-Pfarrer"

Der Sprecher des Pfarrgemeinderates Werner Bruckner (links) übergab ein Originalschreiben von Pfarrer Michael Gschwendtner aus dem Jahre 1978 an Altbürgermeister und HAK-Vorsitzenden Jakob Scharf zur "würdigen Aufbewahrung" im Museum. Bild: sja
Lokales
Steinberg am See
30.09.2015
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Er prägte das gemeindliche und kirchliche Leben im positiven Sinne nachhaltig mit. Auch drei Jahrzehnte nach seinem Tod ist die Erinnerung an Pfarrer Michael Gschwendtner präsent. Nun stand sein Wirken wieder im Mittelpunkt.

Mit einem Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Martin und einer Feier im Pfarrheim gedachte die Pfarrgemeinde des 30. Todestages von Pfarrer Michael Gschwendtner und des zehnten Todestages von Pfarrer Josef Kiener, wobei Altbürgermeister Jakob Scharf Leben und Wirken des "Pony-Pfarrers" würdigte. Werner Bruckner, Sprecher des Pfarrgemeinderates, dankte mit einem Originalschreiben des Verstorbenen aus dem Jahre 1978 und übergab es dem Redner zur Aufbewahrung im örtlichen Museum.

Den Wunsch erfüllt

Beim Gottesdienst, den der Liederkreis gestaltete, erinnerte Pfarrer Andreas Ullrich an seine beiden Vorgänger und stellte die Aufgaben eines Priesters heraus. Ein Pfarrer gehöre zu einer Gemeinde, aber die Besetzung werde durch den Priestermangel immer schwieriger. Im Pfarrheim sorgte der katholische Frauenbund für das leibliche Wohl. PGR-Sprecher Werner Bruckner präsentierte überraschend einen Brief aus dem Jahre 1978, in dem Pfarrer Gschwendtner kurz seine Wünsche für seine Beerdigung niedergeschrieben hatte, vor allem den Wunsch, in Steinberg am See beerdigt zu werden. Dieses Schreiben übergab Bruckner an den HAK-Vorsitzenden Jakob Scharf zur "würdigen Aufbewahrung" im Museum, dem ehemaligen Pfarrhof, in dem der Verstorbene 30 Jahre gelebt hatte. Scharf ließ das Leben des 1919 in Döfering/Waldmünchen geborenen Priesters Revue passieren, der kurz nach dem Abitur zur Wehrmacht kam und als einer der letzten 1948 aus russischer Gefangenschaft zurückkehrte.

Nach seiner einzigen Kaplanstelle in Wackersdorf kam Gschwendtner 1955 als Benefiziat nach Steinberg und nahm hier sofort die Renovierung der Kirche in Angriff, die durch den nahen Braunkohleabbau sehr gelitten hatte. Überhaupt erwies sich der neue Geistliche, der 1963 mit der Erhebung zur Pfarrei der erste Pfarrer war, als Baumeister: Er ließ das Pfarrheim, einen Kindergarten und eine neue Kirche in einem eigenwilligen runden Baustil errichten, so dass das "Bistumsblatt" das Steinberger Gotteshaus mit dem Pantheon in Rom verglich.

Viele Auszeichnungen

Oft predigte der Geistliche über die "Rangordnung der Werte", aber auch über das "Durchhalten". Im Vereinsleben engagierte sich Pfarrer Gschwendtner, den Altbürgermeister Jakob Scharf "in vielen Dingen als Vorbild für mich" bezeichnete, sehr. Seine besondere Liebe galt den Kindern und der Jugend, sei es als Theaterregisseur oder als Tischtennistrainer und Schachpartner. "Vor allem seine Ausdauer und Hartnäckigkeit, um gesteckte Ziele durchzusetzen, waren wesentliche Charakterzüge." Michael Gschwendtner war Gründer des DJK-Sportvereins und in Krisenzeiten dessen Vorsitzender sowie Motor des Aufbaus des Fremdenverkehrs und der Ortsverschönerung, wobei die Gemeinde viele Auszeichnungen "einheimste", unter anderem eine Silbermedaille auf Landesebene.

"Berühmtheit", so Scharf, habe er als "Pony-Pfarrer" erlangt. Seine Motivation dazu formulierte er selbst: "Wir wollen nicht nur reden, sondern für die Kinder und Eltern etwas tun. Außerdem wollen wir Steinberg in gutem Sinne bekanntmachen". Dies sei ihm voll gelungen. Pfarrer Gschwendtner, der für die CSU auch sechs Jahre im Schwandorfer Kreistag war, wurde bei seinem Tode vom "Bistumsblatt" als "zielklare Führernatur" mit einer "unerschrockenen Wahrhaftigkeit, mit der er unbequem werden konnte", charakterisiert. Wegen seiner vielfältigen Verdienste um die Weiterentwicklung Steinbergs habe die politische Gemeinde ihm auch die Ehrenbürgerwürde verliehen, die er aber - bereits vom Tod gezeichnet - nicht mehr annehmen konnte.

"Zur Heimat geworden"

Sein 30-jähriges Wirken habe in Steinberg "tiefe Spuren" hinterlassen, die immer noch weit in die Zukunft hineinreichen würden, formulierte Jakob Scharf abschließend. In dem kurzen Brief, den PGR-Sprecher Werner Bruckner dem Museum zur Aufbewahrung übergab, bekannte er nach 23 Jahren Tätigkeit und sieben Jahre vor seinem Tod:"Steinberg ist mir zur Heimat geworden", weshalb er auch hier begraben werden wollte. Nach diesem Vortrag von Jakob Scharf wurde ein ausführlicher Film von der Amtseinführung von Pfarrer Josef Kiener aus dem Jahre 1985 gezeigt.
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