Grafen und Pflanzweiberl

Das Adelsgeschlecht der Reisacher, Steinhauer, Bergleute und "Pflanzweiberl" symbolisieren am Steinberger Historischen Brunnen vier Figuren die letzten 350 Jahre der Steinberger Ortsgeschichte. Künstler Robert Weber erläuterte beim Festakt den "Werdegang" der Kunstobjekte. Bild: sja
Lokales
Steinberg am See
19.08.2015
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Der neue Brunnen am Rathausplatz in Steinberg am See erinnert an die Geschichte der Gemeinde, die vom Wandel geprägt ist. Adlige auf der einen, Pflanzweiberl auf der anderen Seite symbolisieren Epochen der Ortsgeschichte.

Mit der Einweihung des historischen Brunnens am Rathausplatz eröffnete die Gemeinde das zweite Steinberger Dorffest. Zahlreiche Ehrengäste würdigten den vom Künstler Robert Weber aus Fischbach geschaffenen Brunnen mit vier Figuren aus verschiedenen geschichtlichen Epochen als neue Attraktion für Einheimische und Touristen. Die vielen Maßnahmen im Zuge der Dorferneuerung seien "eine großartige Gemeinschaftsleistung".

Nach dem Gottesdienst zogen die Ortsvereine mit ihren Fahnenabordnungen zum Rathausplatz, wo Bürgermeister Harald Bemmerl die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten unterstrich und die Gäste begrüßte. Pfarrer Andreas Ullrich erteilte dem Brunnen den kirchlichen Segen erteilte.

Leitender Baudirektor Thomas Gollwitzer von der Direktion für ländliche Entwicklung führte aus, dass seitens des Freistaates Bayern seit 2005 rund eine Million Euro in die nun fast abgeschlossene Dorferneuerung Steinberg investiert wurden. "Steinberg hat sich sehr zum Vorteil entwickelt", bilanzierte er. Petra Trux als zuständige Leiterin bestätigte die gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde und den beteiligten Firmen. Sie sei sich sicher, dass dieser Brunnen ein neuer Mittelpunkt werde. Landtagsabgeordneter Franz Schindler (SPD) gratulierte zur gelungenen Dorferneuerung und bestätigte, "dass Steinberg sein Gesicht in den vergangenen Jahrzehnten sehr zum Vorteil verändert hat".

Gemeinsame Geschichte

Wackersdorfs Bürgermeister Thomas Falter verwies auf die Brunnenfiguren des Bergmannes und des "Pflanzweiberls", die die Wurzeln und die bis heute bestehenden engen Beziehungen beider Gemeinden symbolisieren. Altbürgermeister und Ortsheimatpfleger Jakob Scharf, der als Stellvertreter auch die Grüße von Landrat Thomas Ebeling entbot, zeigte die Entwicklung auf, die zu diesem Brunnen führte. Nach anfänglicher Skepsis zogen alle Verantwortlichen der Gemeinde und Ämter an einem Strang, so dass am Kirchplatz nun im "neuen Wohnzimmer der Gemeinde" ein Brunnen geschaffen wurde. Dessen Konzeption erläuterte sein Schöpfer, Künstler Robert Weber aus Fischbach.

Jakob Scharf erläuterte in seiner Festrede den Hintergrund und ordnete die vier Brunnenfiguren vier geschichtliche Epochen Steinbergs zu. Die Hofmarkzeit werde durch die Grafen von Reisach (1666 bis 1803) repräsentiert. Johann Sigmund Anton Franz und vor allem dessen Geschwister Johann Franz Bernhard und Maria Barbara Franziska stifteten 1766 mit 5800 Gulden ein Benefizium. Die Figur des Steinhauers verweise auf die relativ kurze Zeit zwischen 1880 und 1920, in der in Steinberg Granit abgebaut wurde. Die Pflastersteine wurden hauptsächlich zum Straßenbau verwendet. In den Aufzeichnungen finden sich auch Berichte zum ersten Arbeiterstreik auf Steinberger Boden.

Die einschneidendste Zäsur war das Vordringen des Tagebaus, denn damit begann eine soziale Umstrukturierung vom ärmlichen Bauerndorf zu einer modernen Industriegemeinde. Der dargestellte Bergmann erinnere an die Anfänge, als die Kohle noch mühsam per Hand abgebaut wurde. Die vierte Figur, das "Pflanzweiberl", am Rande des den Steinberger See symbolisierenden Wassers, stehe für die Zeit der Rekultivierung, als vorwiegend Frauen durch Pflanzen von Millionen von Bäumen und Sträuchern eine Erholungslandschaft entstehen ließen. Deren "Herzstück" seien die 600 Hektar Wasserflächen mit dem Steinberger See. Seit 1984 ist die Gemeinde auf dem Weg von der Industriegemeinde hin zur attraktiven Wohn- und Tourismusgemeinde.

"Noch nicht am Ende"

Er freue sich, so Scharf, dass auch der neue Gemeinderat diese Zielsetzung fortsetze. Er sei überzeugt, dass diese Weiterentwicklung noch lange nicht am Ende sei, "was weder wenige Privatinteressen noch Paragrafenreiter an der Regierung verhindern können". Der stellvertretende Landrat wünschte seiner Heimatgemeinde "Glück Auf". Nach dem Festakt zapfte Bürgermeister Harald Bemmerl zusammen mit Festleiter Bernd Hasselfeldt unter Böllerschüssen der Schützengesellschaft "Auerhahn" das erste Fass Bier auf dem Rathausplatz an und eröffnete so das Steinberger Dorffest.
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