Jakob Scharf erhält Ehrentitel "Altbürgermeister"
Mehr als das Verdienstkreuz

Bürgermeister Harald Bemmerl (rechts) ernannte seinen Vorgänger Jakob Scharf (Mitte) zum Altbürgermeister und verlieh ihm die Ehrenbürgerwürde. Dazu gratulierte Landrat Thomas Ebeling (links). Bild: rid
Lokales
Steinberg am See
29.10.2014
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Jakob Scharf ist Ehrenbürger der Gemeinde Steinberg am See. Sein Nachfolger Bürgermeister Harald Bemmerl verlieh ihm am Dienstag auch den Ehrentitel "Altbürgermeister". Die Scharmützel vergangener Jahre waren vergessen.

Für Bürgermeister Harald Bemmerl war die Ehrung seines Vorgängers Jakob Scharf keine leichte Aufgabe. 30 Jahre lang waren sie politische Gegenspieler und lieferten sich in fast jeder Gemeinderatssitzung einen verbalen Schlagabtausch. Im Rückblick auf drei Jahrzehnte überwog am Ende aber doch der gegenseitige Respekt.

Ihn brachte Harald Bemmerl zum Ausdruck, als er im Vereinsheim der Auerhahnschützen Jakob Scharf zum Altbürgermeister und Ehrenbürger der Gemeinde ernannte und ihm die Urkunden überreichte.

Seltene Ehrung

Jakob Scharf ist erst der dritte Ehrenbürger in der 829-jährigen Geschichte des Ortes und steht nun in einer Reihe mit BBI-Direktor Dr. Wolfhardt Scharf (Ernennung 1962) und Pfarrer Michael Gschwendtner (1985), die beide bereits verstorben sind. Harald Bemmerl begründete die einstimmige Entscheidung des Gemeinderates.

Jakob Scharf war "Bauherr". In seiner Amtszeit entstanden das Feuerwehrhaus mit Schützenkeller, der Bauhof, zwei Festplätze und das Museum. Die Schule wurde zweimal saniert, das Rathaus zum Zentralgebäude ausgebaut, die Abwasserentsorgung gesichert, Bauland ausgewiesen. Der studierte Gymnasiallehrer schrieb die Steinberger Chronik und baute den heimatkundlichen Arbeitskreis auf, dessen Vorsitzender er bis heute ist.

Die jahrelangen Bemühungen Scharfs um die Dorferneuerung und die Verschönerung tragen heute Früchte. Steinberg am See erhielt 2013 eine Goldmedaille auf Kreisebene und heuer Bronze im Bezirk. Die Dorferneuerung findet nach acht Jahren nun ihren Abschluss. Seine politische Lebensaufgabe aber sah Bürgermeister Jakob Scharf in der touristischen Entwicklung des Steinberger Sees. "Die Früchte werden einmal die nachfolgenden Generationen ernten", ist er der Meinung. Seine Freizeit widmete der "Jackl" dem Fußballsport. Das Ehrenmitglied der DJK Steinberg war Spieler, Trainer und Funktionär und gilt heute als der dienstältestes Jugendbeauftragte in Bayern.

Aus dem Nähkästchen

"Ich ecke lieber an, als scheinheilig ja zu sagen", war immer die Devise des CSU-Politikers. Seine geradlinige Haltung bekam seine Partei beim Widerstand gegen die WAA zu spüren. Der Vater zweier Töchter, überzeugter Audi-Fahrer, Apulien-Fan, Kaktus-Sammler, Club-Fanatiker und Apollo-Besucher trinkt gerne Weizen und genießt italienischen Rotwein, plauderte Harald Bemmerl aus dem Nähkästchen.

Jakob Scharf ist Mitglied in allen 40 Vereinen des Ortes. Deren Vertreter waren am Dienstag geschlossen zur Ehrung gekommen. Ebenso die meisten der 30 Gemeinderäte, mit denen er während seiner Amtszeit zusammengearbeitet hat. Erschienen war auch Landrat Thomas Ebeling, der seinem Stellvertreter zu den hohen Auszeichnungen gratulierte. Dies tat auch Wackersdorfs Bürgermeister Thomas Falter im Namen der Verwaltungsgemeinschaft, deren stellvertretender Vorsitzender Jakob Scharf 30 Jahre lang war. Für die Pfarrei überbrachte der Sprecher des Pfarrgemeinderats, Werner Bruckner, die Glückwünsche.

Bürgermeister Harald Bemmerl bedankte sich bei Ehefrau Anne Scharf mit einem Blumenstrauß. Der Ehrenbürger bekam als Geschenk erlesene Weine aus Apulien. Jakob Scharf versicherte in seiner Dankesrede: "Das Amt des Bürgermeisters habe ich nie als Last oder Bürde empfunden". Die Ehrenbürgerwürde schätze er höher ein als das Bundesverdienstkreuz.
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