"Krieg hat uns wieder erreicht"

Großes Interesse zeigte bisher die Bevölkerung an der Sonderausstellung "Steinberger im 1. Weltkrieg", die noch am 23.und 30.November geöffnet ist. Bild: sja
Lokales
Steinberg am See
20.11.2014
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Die Folgen des ersten Weltkriegs waren auch in einem Dorf wie Steinberg am See zu spüren. Der Heimatkundliche Arbeitskreis hat sich des Themas angenommen. Die Kämpfe forderten auch unter den Gemeindebürgern Opfer. Jakob Scharf zog bei der Eröffnung Parallelen zu aktuellen Ereignissen.

Großen Zuspruch fand die Eröffnung der Sonderausstellung "Steinberger im 1.Weltkrieg" im Heimat- und Braunkohlemuseum. Der Vorsitzende des Heimatkundlichen Arbeitskreises Jakob Scharf begrüßte dazu im überfüllten Vortragsraum auch Pfarrer Andreas Ullrich, Bürgermeister Harald Bemmerl, den Bezirksvorsitzenden der Bayerischen Soldaten- und Reservistenvereinigung Josef Nagy, den Kreisvorsitzenden Josef Hartinger und den örtlichen SRK-Vorsitzenden Bernd Mitschke. Im Mittelpunkt stand eine Bildpräsentation von Hans-Peter Weiß Gefallene und Vermisste aus Steinberg.

Scharf betonte, dass man auch 100 Jahre nach Kriegsbeginn die Erinnerung an "dieses mörderische Abschlachten" wachhalten müsse. Frieden sei nichts Selbstverständliches, man müsse aktiv auf allen Ebenen dafür eintreten. Die europäische Einigung sei Garant dafür, "dass Deutsche, Franzosen, Engländer oder Italiener nie mehr mit Waffen aufeinander losgehen werden". Scharf plädierte leidenschaftlich für den europäischen Gedanken und rief zum gemeinsamen Kampf gegen Rassismus und rechtsradikale Tendenzen auf. "Der Krieg hat uns wieder erreicht", schlug er den Bogen zu den Kriegsflüchtlingen in Steinberg, die es solidarisch zu unterstützen gelte. Hier könne man mit Taten und "nicht nur mit schönen Worten" echte Hilfsbereitschaft beweisen, zumal viele Gemeinden des Landkreises damit konfrontiert seien.

"Nur Ahnungslose"

Der HAK-Vorsitzende setzte dem Motto der Römer, dass "es süß und ehrenvoll sei, für das Vaterland zu sterben, ein Zitat des Kirchenlehrers Augustinus entgegen: "Schön ist der Krieg nur für die Ahnungslosen ". Die Verbrämung des "grausamen Sterbens Millionen junger Burschen" als "Heldentod", sei "blanker Hohn und Missbrauch der Politik". An 21 gefallene Steinberger, deren Sterbebilder man neben vielen anderen Exponaten zeigen könne, erinnere die Ausstellung ganz besonders.

Hans-Peter Weiß , 2.Vorsitzender des HAK, hatte in einer Präsentation über den 1.Weltkrieg die Steinberger Soldaten in den Mittelpunkt gerückt, die auf den Schlachtfeldern ihr Leben lassen mussten. Auch den Heimkehrern, so Weiß, habe man Tribut gezollt und Bilder zusammengetragen. Bei Geschichten zu Vermissten bestehe noch einiger Recherchebedarf, wobei hier besonders "Spuren" von Georg Nerl, Peter Meier und Ferdinand Ohnmacht gesucht seien. Er bat die Bevölkerung, weiterhin nach Fotos oder Gegenstände aus der Vergangenheit Steinbergs zu suchen und diese nicht "zu Hause zu bunkern", weil sie sonst vielleicht verloren gehen. Das Steinberger Museum sei der beste Aufbewahrungsort dafür. Nach den rund 120 Bildern der Präsentation, die den Bogen von der nach der anfänglichen Kriegsbegeisterung bis zum Grauen des Krieges schlug und Steinberger Gefallene, Vermisste und Heimkehrer zeigten, ging die Vernissage beim "Lied vom Guten Kameraden" zu Ende.

Noch zweimal geöffnet

Die Ausstellung ist noch die beiden nächsten Sonntage im November von 14 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. Die Präsentation wird jeweils um 14.30 Uhr gezeigt.
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