Jürgen Öchsner beim zweiten Steinberg-Wackersdorfer Sportgespräch
Judo-Trainer im Gespräch

Jakob Scharf (rechts) bedankte sich beim Judo-Bundesligatrainer Jürgen Öchsner für seine "hochinteressanten Ausführungen". Bild: sja
Sport
Steinberg am See
20.09.2016
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"Was gibt es Schöneres, als sein Hobby zum Beruf zu machen?", fragte Jürgen Öchsner, Trainer des TSV Abensberg, beim zweiten Steinberg-Wackersdorfer Sportgespräch im DJK-Sportheim. Leidenschaftlich gab er zwei Stunden Einblick in seine Trainertätigkeit und in die Welt des "FC Bayern im Judosport".

Stellvertretender DJK-Vorsitzender Jakob Scharf stellte den Gast kurz vor, der in Steinberg vor allem als Faschingsprinz und Hofmarschall der FG Seelania bekannt ist. Sein ebenfalls anwesender Vater, Johann Öchsner, wohnt in Klardorf und ist Mitglied der Gründungsmannschaft der DJK-Fußballer. Er wollte eigentlich, dass sein Sohn in seine Fußstapfen als Fußballspieler tritt. Zunächst jedoch rieten ihm die Lehrer zum Zehnkampf. Aber über einen Arbeitskollegen des Vaters, Siegfried Kupillas, landete Jürgen Öchsner mit zwölf Jahren bei den Judokas des TSV 1880 Schwandorf.

Man erkannte schnell sein Talent, denn er holte viele überregionale Titel im Jugendbereich, so dass Otto Kneitinger, der "Mister Judo" aus Abensberg, auf ihn aufmerksam wurde. Der Schritt, mit 15 Jahren nach Abensberg zu wechseln, war zwar sportlich sehr reizvoll, aber mit immensem Aufwand verbunden. "Dafür bin ich meinem Vater und der ganzen Familie heute noch dankbar", meinte Jürgen Öchsner, denn zwei- bis dreimal die Woche mussten sie ihn von Klardorf nach Abensberg fahren. Die Mühen lohnten sich, denn die erfolgreiche Sportlerkarriere wurde fortgesetzt, bis eine Verletzung Jürgen Öchsner stoppte.

Emotionaler Abschied


Er absolvierte daraufhin eine Ausbildung zum Trainer. In der Sporthochschule Köln erwarb er die nötigen Qualifikationen und stieg dann in Regensburg ins Trainergeschäft ein, bis der TSV Backnang auf ihn aufmerksam wurde und ihn als Coach für die Herren in der 2. Bundesliga und die Frauen in der 1.Bundesliga holten. Dort war er fünf Jahre tätig mit einem für ihn sehr emotionalen Abschied, ehe ihn Otto Kneitinger nach Abensberg "lotste", obwohl er 2013 das erste Angebot abgelehnt hatte. Zugleich aber war Öchsner in Schulen in Baden-Württemberg tätig, vor allem auf dem Gebiet der Gewaltprävention.

Seinen ersten Auftritt als Verantwortlicher der TSV-Athleten hatte er 2015 bei der European Golden League in Wien. Durch akribische Videoanalysen im Vorfeld errang der TSV durch die taktisch kluge Einstellung die Silbermedaille, nachdem man im Halbfinale Yawara Newa St. Petersburg, den "Heimatverein" von Wladimir Putin, ausgeschaltet hatte. Überhaupt spürt man bei Öchsners Ausführungen, dass es ihm nicht nur um die Profisportler geht, sondern um die Förderung des Nachwuchses und die Vermittlung, dass Sport für die Persönlichkeitsentwicklung eines Kindes "eminent wichtig ist".

Dabei zitierte er Frieder Becker, den Autor des Buches "Sport macht schlau". Der Buchtitel sei für ihn Teil seines Programms, denn neueste Hirnforschungen würden bestätigen, dass die erfolgreiche Bewältigung belastender Situationen durch gezielte Bewegung trainiert werden könne. "Die Pippi-Langstrumpf-Mentalität - ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt - kann nicht funktionieren", sagte Öchsner. Denn in einer pluralen und toleranten Gemeinschaft seien Werte wie "Respekt voreinander, Ernsthaftigkeit und Ehrlichkeit" äußerst wichtig.

Der Sport könne Kinder dazu erziehen. Dabei schaut der Ur-Oberpfälzer und Wahl-Schwabe auch über den Tellerrand seiner Sportart hinaus, berichtet von seiner Bekanntschaft mit dem "studierten Lehrer" Ralf Rangnick, einem gebürtigen Backnanger und damaligem Trainer des VfB Stuttgart, auf den er wegen seiner pädagogischen Zielrichtung s eines Trainings "große Stücke" hält.

Gefragt nach seinem normalen Tagesablauf führte der Gast aus, dass zu seinen Tätigkeiten außer der Betreuung der Bundesligamannschaft auch noch die Arbeit als Stützpunkttrainer in Zusammenarbeit mit den Landestrainern sowie die Koordination des Trainerstabes gehöre. Da er nach wie vor an Schulen tätig sei, sei der Vormittag meist mit Unterricht oder Bürotätigkeit ausgefüllt, teilweise auch nachmittags. Am Abend arbeitet er mit den Athleten.

Fotoband zum Dank


Wie er den damals vieldiskutierten Ausstieg des TSV aus der 1. Bundesliga beurteile? "Damals ein gewagter, mutiger Schritt, aber absolut richtig", sagte Öchsner. Natürlich kam auch die Frage nach den Verdienstmöglichkeiten der Judokas. Und die Fußballer staunten nicht schlecht, als sie hörten, dass Judo-Weltklasse-Athleten meist geringer dotierte Vereinsverträge haben als Drittliga-Fußballer in Deutschland oder gar gut dotierte Bayernliga-Kicker. Insgesamt - so die Bilanz von Gesprächsleiter Jakob Scharf - ein "hochinteressanter Einblick" in die Welt des Judosports. Als Dank überreichte der Sportliche Leiter der DJK dem Gast einen seit langer Zeit vergriffenen Fotoband über "Alt-Steinberg".
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