53-Jähriger saß wegen Sprengstoffanschlags mit Holzscheit seit April in U-Haft
Verdächtiger tot in der Zelle

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Steinberg am See
24.05.2016
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Steinberg am See/Weiden . Ein 53-Jähriger, der mutmaßlich am Holzscheit-Anschlag gegen ein Steinberger Ehepaar beteiligt war, wurde am Sonntag tot in seiner Zelle in der Justizvollzugsanstalt Weiden aufgefunden. Hinweise auf ein Fremdverschulden gebe es nicht, bestätigte Leitender Oberstaatsanwalt Gerd Schäfer (Weiden) der Schwandorfer NT-Redaktion. Der 53-Jährige hat sich offenbar das Leben genommen. Nähere Angaben zu den Umständen wollte Schäfer nicht machen.

Die Kriminalpolizei Weiden habe die Ermittlungen in dem Todesfall übernommen, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt. Der Verdächtige sei alleine in seiner Zelle gewesen. Mit den Ermittlungen im Steinberger Fall war die Weidener Justiz nicht befasst. Der 53-Jährige wurde offenbar in Weiden in U-Haft untergebracht, damit er nicht in Kontakt mit seinem mutmaßlichen Mittäter treten kann. Der 53-Jährige aus dem Landkreis Schwandorf war wegen des Verdachts des versuchten Mordes am 20. April verhaftet worden. Gegen ihn erging Haftbefehl. Auslöser war der Anschlag auf ein Steinberger Ehepaar mit einem zum Sprengsatz umgebauten Holzscheit. Am 14. Januar legte die 57-jährige Ehefrau im heimischen Kaminofen Holz nach, als eine Detonation die Scheibe des Ofens bersten ließ und eine Stichflamme in die Wohnung schoss. Herumfliegende Splitter verletzten den 59-jährigen Ehemann leicht. Die Eheleute riefen die Polizei. Schwandorfer Beamte fanden einen metallischen Gegenstand, der auf einen Sprengsatz hindeutete. Die Kriminalpolizei übernahm. Untersuchungen des Landeskriminalamts ergaben, dass das Holzscheit manipuliert und eine wohl selbst gebastelte Sprengvorrichtung eingebaut worden war.

Ins Visier der Fahnder geriet schnell ein 67-jähriger Nachbar, der schon seit Jahren mit dem Ehepaar in Streit gelegen haben soll. Er wurde zwei Tage nach der Tat festgenommen und sitzt seither in Untersuchungshaft, ebenfalls wegen des Verdachts des versuchten Mordes und des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion. Weitere Ermittlungen führten die Beamten schließlich zu dem 53-Jährigen. Bei einer Durchsuchung seines Anwesens waren, wie auch beim 67-Jährigen, potenzielle Beweismittel entdeckt worden. Der 53-Jährige hatte unmittelbar nach der Festnahme eine Tatbeteiligung bestritten. Ob der 67-jährige Verdächtige sich zur Tat äußert, ist unklar. Mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen wollte Leitender Oberstaatsanwalt Joachim Diesch (Amberg) dazu nichts sagen. Er bestätigte aber, dass es sich bei dem Toten um den 53-Jährigen handelt, der in den Fall verwickelt gewesen sein soll.

Sollte es zu einem Prozess gegen den 67-jährigen Verdächtigen wegen versuchten Mordes kommen, steht im Falle einer Verurteilung eine lange Haftstrafe im Raum. Auch auf den Versuch steht laut Strafgesetzbuch grundsätzlich lebenslange Haft. Das Gericht kann die Strafe mildern. Dann drohen mindestens 3 und höchstens 15 Jahre Freiheitsstrafe.
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