Dr. Heinz Ziehr refeiert beim HAK
30 Gramm Uran pro Tonne

Dr. Heinz Ziehr aus Mainz informierte in einem sehr interessanten Vortrag beim Heimatkundlichen Arbeitskreis über die Uransuche der BBI von 1954 bis 1960. Bild:sja
Vermischtes
Steinberg am See
26.04.2016
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In den Zeiten der Atom-Euphorie Mitte des vergangenen Jahrhunderts suchte die BBI auch bei Wackersdorf nach Uran - und wurde fündig. Warum der Abbau nicht lohnte, erläuterte Fachmann Dr. Heinz Ziehr beim Heimatkundlichen Arbeitskreis.

Der Vorführraum im Heimat-und Braunkohlemuseum platzte aus allen Nähten, so groß war das Interesse am Vortrag von Dr. Heinz Ziehr (Mainz), dem mit 90 Jahren erfahrensten Uran-Fachmann Deutschlands, mit dem Thema "Uranvorkommen im Raum Wackersdorf". Der Vorsitzende des Heimatkundlichen Arbeitskreises (HAK), Jakob Scharf, war wie viele ehemalige BBI-Angehörige und Vertreter des Wackersdorfer Knappenvereins gespannt auf seinen Vortrag. Zum Abschluss dankte Scharf dem renommierten Experten mit einem "Steinberger Seewasserl".

In den Jahren 1954 bis 1960 hatte die Bayerische Braunkohlen Industrie im Auftrag der Bayernwerke in Nord- und Ostbayern nach Uran suchen lassen. Ziel war, festzustellen, ob in Bayern Uran als Kernbrennstoff für die Versorgung der heimischen Atomkraftwerke vorhanden sei. Mit dieser Uransuche in Bayern wurde weitestgehend Neuland betreten, obwohl schon 1805 uranhaltige Minerale am Naabranken nördlich Wölsendorf gefunden worden waren.

Uranpechblende gefunden


Dr. Ziehr, der bei seiner Doktorarbeit im Marienschacht Wölsendorf (Stulln) erstmals Uranpechblende festgestellt hatte und auch beim damaligen "Atomminister" Franz-Josef Strauß seine Einschätzung vortrug, berichtete sehr ausführlich von diesen Untersuchungen der BBI vor rund 60 Jahren und rief auch viele bereits verstorbene BBI-ler wieder ins Gedächtnis.

Vor allem, sagte der Referent, sei es schwierig gewesen, geeignete Geigerzähler aufzutreiben. Die Messungen wurden zu Fuß, vom Auto aus oder gar per Hubschrauber erledigt. Zwar waren interessante Uranglimmerfunde im Flossenbürger und im Hauzenberger Granit registriert, aber die Funde in der Wackersdorfer Kohle waren eine Überraschung. Allerdings fand sich in der Wackersdorfer Kohle das Uran nicht in Form von Mineralien, sondern das radioaktive Metall war "adsorptiv an Kohle und Ton gebunden". Pro Tonne Kohle, die verfeuert wurde, betrug der Urananteil etwa 30 Gramm. Zeitgleich fanden Forscher auch in Mittel-und Oberfranken in Arkosen und im Burgsandstein Uran. 1960 wurden dann diese Arbeiten eingestellt. In der Oberpfalz gibt es eine große Zahl unterschiedlich entstandener Uranvorkommen, die allerdings keine wirtschaftliche Bedeutung haben, aber wissenschaftlich und für Sammler interessant sind.

Schöne Minerale


Sie lieferten teilweise schöne Minerale und Kristalle und geben Einblick in die chemisch-physikalischen Vorgänge eines kleinen Ausschnittes der Erdkruste. In Deutschland wurde Uran vor allem in der Sächsischen Schweiz, bei Dresden, im Erzgebirge und in Ost-Thüringen unter Tage als Pechblende abgebaut, so dass die frühere DDR weltweit der drittgrößte Uran-Produzent war. Geringe Mengen wurden früher auch im Schwarzwald und im Fichtelgebirge abgebaut. Eine längere Frage- und Antwortrunde beschloss diese aufschlussreiche Veranstaltung, wobei Dr. Heinz Ziehr abschließend bemerkte: "Uran liegt nicht erst seit drei Tagen in unserer Erde, wir alle leben damit."
Uran liegt nicht erst seit drei Tagen in unserer Erde, wir alle leben damit.Dr. Heinz Ziehr
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