Schwurgericht urteilt: Kein Mordversuch, aber Herbeiführung einer Explosion und gefährliche ...
Rohrbombe löst vier Jahre Haft aus

Vermischtes
Steinberg am See
27.10.2016
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Amberg/Steinberg am See. Der Bombenbauer von Steinberg am See muss vier Jahre hinter Gitter. Er ist nach Meinung des Amberger Schwurgerichts keiner, der töten wollte. Wohl aber jemand, der Verletzungen bei seinen Opfern in Kauf nahm. Die Richter sahen nach viertägiger Verhandlung keinen überzeugenden Grund, den Fall als Kapitalverbrechen einzustufen. Der 68-Jährige, den sie im Dorf wegen des Verdachts, Schlösser mit rasch haftendem Kleber unbrauchbar gemacht zu haben, "Sekunden-Sepp" nannten, wird in relativ überschaubarer Zeit zurückkehren.

Gericht glaubt an Helfer


Vier Tage Prozess in Amberg. Mehrere Dutzend Zeugen. Viele davon aus Steinberg am See. Verteidiger Dr. Gunther Haberl aus Schwandorf stufte deren Aussagen als durchaus glaubhafte Zustandsbeschreibungen ein. Im krassen Meinungs-Gegensatz dazu befand sich die durch eine Rohrbombenexplosion in ihrem Haus nervlich übel geschädigte Familie. Deren Anwalt Max Strohmayer (Regensburg) ließ im Schlussvortrag durchblicken, dass da vieles wohl eher zurückhaltend und defensiv geschildert worden sei. Aus Angst vor dem "Sekunden-Sepp"? Es könnte durchaus so gewesen sein.

Der 68-Jährige hatte bei der Kripo und jetzt auch vor dem Schwurgericht ein Geständnis abgelegt. Darin spielte nicht nur er die tragende Rolle. Der Mann nannte einen Bekannten aus Steinberg, der seinen Worten nach beim Bau des professionell ausgeführten Sprengsatzes, später deponiert in einem Holzscheit und explodiert im Ofen von Menschen, die zur Zielscheibe von Rachsucht wurden, maßgeblich half. Dass dieser 53-Jährige mitwirkte, glaubte nun das Schwurgericht im Urteil - in allen großen und kleinen Details, die im Geständnis des Angeklagten genannt wurden.

Mit Rosenkranz gewartet


Zurück aber blieb die Frage: Was hätte dieser Mann, Vater eines Sohnes, für einen Anlass gehabt, tätig zu werden? Er selbst lebt nicht mehr. In der U-Haft nahm sich der Steinberger das Leben. Im Abschiedsbrief hatte er jegliche Mittäterschaft von sich gewiesen und ausgedrückt, er hege keinerlei Groll gegen diese Leute. Ein Drama. Mehr noch: Eine Tragödie.

Der "Sekunden-Sepp" ist ein gläubiger Mann. Als die gegen ihn vom Leitenden Oberstaatsanwalt Joachim Diesch beantragten fünfeinhalb Jahre Haft wegen Mordversuchs nicht verhängt wurden und er wegen Herbeiführung einer Explosion und damit einhergehender gefährlicher Körperverletzung vier Jahre bekam, hielt er einen Rosenkranz in der linken Hand. "Sie haben sich selbst am meisten bemitleidet", gab ihm die Gerichtsvorsitzende Roswitha Stöber zu bedenken.

Und danach?


Mit Selbstmitleid, so muss überlegt werden, kann seine Rückkehr ins Dorf am Tagebausee nicht einhergehen. Denn dort wird er irgendwann wieder wohnen müssen: Ohne Denkzettel-Gedanken und in der Gewissheit, dass besonders ihm die Rohrbombe eine Brandmarke fürs Leben ins dünnhäutige Fell eines ewig Beleidigten gesetzt hat. (Seite 3)
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