Liedermacher Hubert Treml als Märchenonkel im Störnsteiner Pfarrheim
Rapunzlerich in Höchstform

Das Märchen "Menschenskind" etnstand anhand von festen Begriffen und Dialogen wie "Spinnst Du? - Naa! - Du naahst?" und Vorgaben wie "Haisl im Wold". Bild: gag
Kultur
Störnstein
07.03.2016
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An seiner "Sehnsuchtsstätte", wie Hubert Treml das Störnsteiner Pfarrheim nennt, zog der Liedermacher alle Register seiner Schauspiel-, Sanges- und Erzählkunst, so dass sich die Zuschauer vor Lachen bogen.

Minimalistisch wählte er die Bühnendekoration zu den einzelnen Märchen in Oberpfälzer Mundart. Man erkannte Tücher in schwarz, weiß, rot: Schneewittchen. Hellgrün und gelb, ineinander verschlungen: Rapunzel - oder eher Rapunzlerich. Herrlich bildhaft quakte der "Fruaschprinz" auf der Suche nach einer Prinzessin, die ihn erlöst. Dieser wunderte sich, wie weit er anscheinend von daheim entfernt war, weil er die tiefoberpfälzischen Laute aus deren Mund nicht verstand. "Igitt - a greislicher Fruasch!" Dies änderte sich erst, als der Frosch, nach dem Klatsch gegen die Wand als Prinz vor der Prinzessin stand. Und ein Kuss ihm die Sprache eröffnete: "Äitzt vastöih i Di"! Uferlos scheint die Fantasie von Treml, abenteuerlich ambitioniert seine Vortragsweise. Dem Lied von "Hänsel und Gretel" dichtete er drei Strophen voraus, weil das Lied sonst "mittendrin anfängt".

"Es woar amal"


"Es woar amal" fangen seine Geschichten an, die man auch in seinem Buch "Dornröiserl, Fruaschprinz & Co." nachlesen kann. Zwischen den Märchen spielte und sang der Entertainer einige Eigenkreationen wie "Ich bin Lehrer und ich brauch an Kaffee" oder "Es woar amal a Schnittlauchbrot". Das Publikum durfte als Hintergrundchor die "Lückenteste" ergänzen.

Das Märchen "Rotkäppchen" bringt Treml im Stil eines avantgardistischen Rezitators aus Berlin, dramatisch und mit Happy End, weil "as Routkapperl hout an Dusl ghabt, dass der Jager kumma is". Und dann war da noch die Geschichte vom "Iasl, der scho z'old woa" und vom "Hund vül z'old zum Vöicha jogn", der sich mit Katze und Hahn auf den Weg nach Bremen machte, denn "wos bessers als Doud findst überall!" In Tremls gesungener Version waren es allerdings nicht die Bremer, sondern die Weidener Stadtmusikanten. Dabei begleitete ihn Klaus Kuran auf der Cajon.

Szenenumbau, Sonntag Abend, Tatort: Ein Mann sitzt unter der baumelnden Galgenlampe und wird zum Fall "Rumplstülzerl" verhört. Der Arme hat erst "Strouh zu Gold" gesponnen für die Müllerstochter und schließlich "mit G'wolt mitm Lebm zohlt". Ja, die Grimmschen Märchen enden oft grausam. So auch das von Goldmarie und Pechmarie, das Treml als "Gstanzloper" samt Opernchor kredenzte.

Die Zuschauer lachten Tränen beim Märchen "Dornroiserl", das er als Stabreimgedicht vortrug. "Kasige Königsleit kreign kruxendlich a Kind", ein "dougouts, dramsöligs Dornröiserl", "springspöiglschöi". Also so schön, dass der Spiegel zerspringt. Die Hecke war die "Umdrodldornheckn", der rettende Prinz der "dnazige Deiflskerl". Er erzählte das Märchen aus der Sicht der Prinzessin, des Königs und der "traxzornigen, gruadlgröina" Oberfee - zum Schreien lustig, mit "greislich" verzogenem Mund und Glubschaugen.

"Du bist die Schöinst"


Besonders liebevoll klang das Märchen vom "Schnöiweißerl" bei den sieben Zwergen, eindrucksvoll bis zum grausamen Ende der bösen Königin. Dazu sang er "Du bist die Schöinst" in Begleitung von Klaus Kuran. Zum Schluss rezitierte er "Menschenskind", ein Märchen, erfunden anhand vorgegebener Ausdrücke auf Zetteln, die das Gerüst jedes Märchens seien. Nach fünf Vierzeilern und einigen Zugaben verabschiedete sich der Tausendsassa.
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