Fliegende Verwandtschaft

LBV-Experte Markus Liebl zählte hinter St. Salvator mit den Ministranten in der Dämmerung die Großen Mausohren. Zuvor erklärte er den Jugendlichen viel über die Lebensweise dieser seltenen Fledermäuse. Bild: arw
Lokales
Störnstein
24.08.2015
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Kaum war das Gebetsläuten um 21 Uhr verklungen, schon bewegte sich etwas um den Kirchturm. Fasziniert verfolgten die Messdiener das Geschehen in der Luft.

Seit über 50 Millionen Jahren gebe es Fledermäuse erläuterte Markus Liebl den Ministranten hinter der St-Salvator-Kirche. "Es sind die einzigen Säugetiere, die aktiv und bei völliger Dunkelheit fliegen können." In Bayern gibt es 24 Arten und 27 in Deutschland.

Fledermäuse seien hierzulande die nächsten Verwandten der Menschen im Tierreich, da in Mitteleuropa keine Affen leben, meinte der Experte. Besonders erstaunt waren die Mädchen und Buben über die Orientierungsfähigkeit der Tiere.

Sie haben ein relativ kleines Auge und nehmen ihre Umgebung und Beute hauptsächlich durch Echoortung wahr. Die zurückkehrenden schwachen Echos werden vom Gehör gut ausgewertet, so dass die Tiere Entfernung und Größe eines Objektes sowie dessen Bewegungsrichtung erkennen. Die Laute zwischen 18 und 150 Kilohertz sind für das menschliche Ohr meist nicht hörbar.

Bis vor Kurzem wussten die Fledermausforscher nicht, welche Arten rund um den Kirchturm durch die Nacht schwirren. Dann stellten zwei Fachleute von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises im Gotteshaus fest, dass es sich um Große Mausohren (Myotis myotis) handle. Diese Art wird als stark gefährdet eingestuft und steht auf der Roten Liste der bedrohten Arten. Europaweit sind sie geschützt.

Das Große Mausohr hat eine Kopf-Rumpf-Länge zwischen 6,7 und 7,9 Zentimeter. Die Flügelspannweite beträgt zwischen 35 und 43 Zentimeter. Sie ist die größte Fledermausart in Deutschland und Österreich. Ein ausgewachsenes Exemplar kann bis zu 40 Gramm wiegen. Im Sommer schlafen die Tiere gern in Dachstühlen, Kirchtürmen und unter Brücken. Kolonien können aus bis zu 2000 Weibchen bestehen. "Die Männchen sind Einzelgänger", so der Experte. Die Weibchen bekommen nach 60 Tagen Tragezeit Anfang Juni meist nur ein Junges.

Den Winter verbringen die Tier in der Regel in unterirdischen Höhlen, Kellern, Naturhöhlen, Bergwerkstollen oder Eiskellern. Der LBV-Mann vermutet, das die Störnsteiner Mausohren für den Winterschlaf bis nach Pottenstein fliegen. Auf Nahrungssuche sind sie bis zu zehn Kilometer vom Schlafplatz entfernt unterwegs. Um Beute aufzunehmen, bewegen sie sich auch krabbelnd auf dem Boden. Auf dem Speiseplan stehen Nachtfalter und große Käfer. Rund 40 Eichenwickler oder große Maikäfer kann ein Mausohr pro Nacht verspeisen.

Liebl hatte auch zwei Geräte mitgebracht, die die Laute der Fledermäuse hörbar machten. Nach dem der "Engel des Herrn" verklungen war, kamen die ersten Fledermäuse zum Vorschein. Insgesamt zählten Minis und Experte an diesem Abend 111 Große Mausohren.
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