Protest nützt nichts: Umstrittener Baum im Lanzer Weg fällt Motorsäge zum Opfer
Alte Ulme ist nicht mehr

Da fällt sie, die 60 Jahre alte Ulme im Lanzer Weg. Sie untergrub die Hofeinfahrt des Anwohners, nahm ihm Licht und Sicht und wäre einem allzu heftigen Sturm womöglich nicht mehr gewachsen gewesen. Bild: arw
Lokales
Störnstein
24.01.2015
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(arw) Alle Rettungs-Hebel konnten nichts mehr in Bewegung setzen. Auch eine Internet-Petition an Bürgermeister Markus Ludwig mit 2945 "Unterschriften" versandete. Die etwa 60 Jahre alte Ulme im Lanzer Weg ist am Freitagvormittag gefällt worden. Diana Kreutzer, ihr Großvater hatte den Baum einst auf Gemeindegrund gepflanzt, hat also den Kampf verloren. Erleichterung dagegen bei Anrainer Erich Nickl. Das sich ausbreitende Wurzelwerk hatte die Einfahrt zu seinem Haus schwer in Mitleidenschaft gezogen.

Nach gut einer Stunde lag die Ulme mit einem Meter Durchmesser fachgerecht flach. Mitarbeiter des Maschinenrings erledigten den umstrittenen Job. Jetzt sah man, dass der Stamm bereits zu faulen begonnen hatte. "Bei einem größeren Sturm wäre die Ulme auseinandergebrochen", prognostizierte Sebastian Scharnagl junior.

Bürgermeister Ludwig betonte, dass die Gemeinde bestrebt gewesen sei, Lösungen zu finden, damit der Baum nicht gefällt werden muss. Da es sich aber um einen Grenzbaum gehandelt habe, sei die Rechtslage klar gewesen. Am Ende musste die Gemeinde klein beigeben. Einem Gerichtsprozess wollte der Rathauschef aus dem Wege gehen. In der Oktobersitzung des Gemeinderates sei dem Gremium das Messer auf die Brust gesetzt worden. Der betroffene Nachbar hatte mit Hilfe eines Anwalts die Beseitigung des Baumes gefordert.

An der Ulme hängen für Kreutzer viele Kindheitserinnerungen. Sie argumentiert, dass der Baum gesund und widerstandsfähig gewesen sei und beklagt die "Radikalkur, nur weil Rand- und Betonsteine in Mitleidenschaft gezogen wurden und Laub die Hofeinfahrt bedeckt." Kreutzer hatte sich auch vergeblich an den Bund Naturschutz und das Landratsamt gewandt.

Die beiden Vorgänger von Bürgermeister Ludwig, Konrad Kraus und Boris Damzog, hatten sich auch schon mit dem "Problem-Baum" beschäftigen müssen. Doch die ehemaligen Verwaltungschefs und der jeweilige Gemeinderat lehnten die Fällung immer wieder ab.

Die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt hatte die Ulme im Vorfeld unter die Lupe genommen. Mitarbeiter konnten kein Quartier für Fledermäuse finden. "Generell setzt sich die Behörde für den Erhalt älterer Laubbäume ein. Doch fehlten die Voraussetzungen wie gemeindliche Baumschutzverordnung, Naturdenkmal oder landschaftsbestimmender Baum im Landschaftsschutzgebiet. Somit sind der Behörde die Hände gebunden und es ist eine privatrechtliche Geschichte", erklärte Pressesprecherin Claudia Prößl.

Im Internet regte sich zwischen 13.31 und 14.28 Uhr der organisierte virtuelle Protest überwiegend auswärtiger Naturfreunde. Zwölf E-Mails erreichten die Redaktion mit Amtsenthebungs-Forderungen gegen den Bürgermeister und Anklagen wegen "Baummord".
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